Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Das Banner des IS: Macht der schwarzen Flagge

Von

Flagge der Dschihadisten: Im Bann des schwarzen Banners Fotos
REUTERS

Überall wo der "Islamische Staat" ist, weht die schwarze Flagge. Auch vor den Toren Kobanes taucht das Banner auf. Die Dschihadisten wollen mit dem Symbol Angst verbreiten - und haben Erfolg.

Hamburg - Stoffproduzenten gehören zu den großen Gewinnern im "Islamischen Staat". Denn die Dschihadisten haben großen Bedarf an Stoffbahnen. Genauer gesagt: an schwarzen Stoffbahnen. Wo immer die IS-Milizionäre vorrücken, haben sie riesige schwarze Flaggen im Marschgepäck, die sie über eroberten Dörfern und Städten hissen.

Auf der Flagge prangt in weißer Farbe die sogenannte Schahada, das islamische Glaubensbekenntnis "Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist der Prophet Gottes". Der zweite Teil der Schahada wird auf der IS-Flagge als Prophetensiegel dargestellt. Mit diesem kreisrunden Emblem sollen der Prophet Mohammed und die ersten Kalifen Briefe und offizielle Dokumente unterschrieben haben.

Auch die saudi-arabische Flagge und die Flagge der mit al-Qaida verbündeten Nusra-Front zeigen das islamische Glaubensbekenntnis, allerdings in einer moderneren Kalligraphie. Der IS hingegen greift bewusst auf das historische Vorbild aus mohammedanischer Zeit zurück - schließlich präsentiert sich ihr Anführer Abu Bakr al-Baghdadi ausdrücklich als Erbe der ersten islamischen Kalifen.

So wie Mohammed mit der Verkündung des Glaubensbekenntnisses vor 1400 Jahren sein Reich Schritt um Schritt vergrößerte, beanspruchen die IS-Kämpfer mit dem Hissen der schwarzen Flagge die eroberten Gebiete für sich. Zugleich erklären sie damit alle Gegner zu Feinden des Islams. Wer gegen das Banner des Propheten kämpft, kann schließlich kein rechtschaffener Muslim sein - das ist die Botschaft, die der IS verbreiten will.

Der IS ist von der Farbe Schwarz besessen

Dabei war die schwarze Flagge lange in Vergessenheit geraten: Wichtige islamistische Gruppen des 20. Jahrhunderts wie die Muslimbrüder oder die Hamas wählten eine grüne Flagge. Gemeinhin gilt schließlich grün als Farbe des Islams, weil der Koran den Gläubigen im Paradies grüne Seidenkleider verspricht. Erst mit dem Erstarken der Salafisten in den Neunzigerjahren erlebte das Schwarz eine Renaissance. Die Taliban erklärten das schwarze Banner mit der Schahada nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan 1996 zur Staatsflagge.

Die Besessenheit des IS mit der Farbe Schwarz geht sogar so weit, dass sie ihre wichtigsten Bauten wie Scharia-Gerichte und Verwaltungsgebäude in Rakka, Manbidsch und anderen eroberten Städten komplett schwarz angemalt haben.

Inzwischen ist die schwarze Flagge zu einem Symbol geworden, mit dem die IS-Dschihadisten ihre Gegner bewusst einschüchtern wollen. Am Montag hissten sie die Flagge auf dem Mistenur-Hügel am Rande von Kobane, kurz darauf wehte die Fahne auch über dem ersten Gebäude am Stadtrand. Den kurdischen Kämpfern in der eingeschlossenen Stadt wollten sie so klarmachen, dass jeder Widerstand zwecklos ist.

Es gehört seit jeher zur psychologischen Kriegsführung, mit Flaggen einen Machtanspruch zu untermauern. US-Soldaten hissten die Stars and Stripes auf der japanischen Insel Iwo Jima, die Rote Armee ließ nach der Eroberung Berlins das Sowjetbanner über dem Reichstag wehen. Die IS-Kämpfer folgen dieser Tradition.

Und die Dschihadisten lassen immer größere Fahnen nähen, die weithin sichtbar sein sollen. Wenn Kobane erobert ist, wollen sie ein Banner über der Stadt hissen, das Dutzende Quadratmeter groß ist. Spätestens das ist dann auch eine Kampfansage an die Türkei: Direkt an den Außengrenzen der Nato würde dann die Riesenflagge des IS wehen - nachdem die Milizionäre zuvor sogar US-Luftangriffen standgehalten haben.

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Verbreitung des Terrors
Jasper Fetherstone 07.10.2014
"Die Dschihadisten wollen mit dem Symbol Angst verbreiten - und haben Erfolg." Natürlich haben die damit (noch) Erfolg. Solange dem "IS" ("Dschihadisten" und "Milizionäre" sind falsche und unpassende Ausdrücke) nicht gut ausgebildete Kampftruppen entgegen treten, wird das auch so bleiben. Wenn Bodentruppen eingreifen, müssen die IS-Typen kämpfen und sterben. Falls sie davon laufen oder kapitulieren, dürfen sie sich ja nirgendwo mehr blicken lassen.
2. Mit Fahnen Angst zu verbreiten ist eine gewagte These.
carolian 07.10.2014
Also völliger Unsinn. Es geht noch nicht einmal mit Zeitungsfahnen, dass Propagandisten bestimmter Interessen zum Angriffskrieg hetzen.
3. Hartes Erwachen
seine-et-marnais 07.10.2014
Das gibt im Wohlfühleuropa der EU ein hartes Erwachen wenn dann irgendwo die Schwarze Fahne weht. In bestimmten Stadtteilen in den EU-Ländern ist damit wohl in den nächsten Jahren zu rechnen. Und was dann? Eine weitere Konsequenz der Politik der USA und der EU in Nordafrika und dem Nahen Osten wird ein Erstarken der extremen Rechten in Europa bedeuten. Wir tragen gerade Multikulti, Toleranz, den zivilen Frieden in Europa, die EU zu Grabe. Das sollte den Regierenden schon klar sein. 40 Jahre haben gereicht um aus Europa ein Tollhaus zu machen in dem man das Schlimmste zu befürchten hat. Nach den Wirtschaftskriegen in denen man die einzelnen Länder gegeneinander ausgespielt hat, siehe Hartz IV in Deutschland, siehe Steueroase Luxemburg, siehe Irland das andere Steuersparmodell, und indem man mit dem € die Länder und damit die Bürger Europas ruiniert hat und ruiniert, stehen jetzt wohl Religionskriege an als Folge der Einwanderungspolitik und der jetzt ausgelösten Flüchtlingswellen.
4. Und sie beleidigen damit nicht den Islam?
Micael54 07.10.2014
Kein Geistlicher spricht eine Fatwa aus?
5. Wow, Propaganda im Karl-May-Stil ...
Luxinsilvae 07.10.2014
... für die IS. Schon die Überschrift: "Das Banner des IS: Macht der schwarzen Flagge". Und da wundert man sich über Dschihadisten aus Deutschland.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Kampf um Kobane: Terror an der türkischen Grenze

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Syrien-Reiseseite


Fotostrecke
Kampf um Kobane: Schwarzer Rauch und schwarze Flagge

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: