Kampf gegen IS Militärallianz fliegt bislang heftigste Angriffe bei Kobane

21 Luftschläge gegen den IS in Kobane: Die Internationale Koalition hat ihren Kampf gegen die Terrormiliz noch einmal verstärkt. Wie US-Außenminister Kerry erklärt, können US-Kampfjets nun doch Stützpunkte in der Türkei nutzen.

AFP

Washington/Kobane - Die USA haben mit Unterstützung Saudi-Arabiens die bisher heftigsten Luftangriffe gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) geflogen. Am Montag und Dienstag hätten Kampfflugzeuge 21-mal die Dschihadisten bei Kobane an der syrisch-türkischen Grenze angegriffen, teilte das Zentralkommando in Tampa (Florida) mit. Dabei seien mehrere Sammelpunkte, Gebäude, Fahrzeuge und Mörserstellungen der Terrorgruppe zerstört worden.

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Heft 42/2014
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Es gebe Anzeichen dafür, dass die Luftangriffe den Vormarsch des IS auf Kobane verlangsamt haben, erklärte das Zentralkommando weiter. Die Sicherheitslage bleibe jedoch "fließend". Kurdische Kämpfer hätten dank der Luftschläge einen strategisch wichtigen Hügel etwa sieben Kilometer vor der Stadt zurückerobern können, sagte Idris Nassan, Vize-Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobane.

US-Präsident Barack Obama hat den Kurden indes weitere Luftunterstützung beim Kampf gegen den IS in der eingekesselten Kurden-Stadt Kobane zugesagt. Die USA seien "zutiefst besorgt" angesichts der Lage in der nordsyrischen Grenzstadt, sagte Obama nach einem Treffen mit ranghohen Militärvertretern der internationalen Allianz gegen die Dschihadisten. Die US-Luftwaffe hatte ihre Angriffe auf IS-Stellungen nahe Kobane zuletzt ausgeweitet.

Der US-Präsident nannte auch die westirakische Provinz Anbar als Schwerpunkt für den Militäreinsatz. "Die Luftangriffe der Koalition werden in diesen beiden Gegenden weitergehen", sagte er. Die USA und ihre Verbündeten hätten bereits "wichtige Erfolge" beim Kampf gegen den IS verzeichnen können, darunter die Rückeroberung des Mossul-Staudamms. Obama schloss zudem erneut den Einsatz von Bodentruppen gegen die Terrormiliz aus.

US-Armee darf wohl doch von der Türkei aus angreifen

Spitzenmilitärs aus 22 Ländern waren zum Wochenbeginn der Einladung von US-Generalstabschef Martin Dempsey zum Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington gefolgt, um das weitere Vorgehen gegen den IS zu diskutieren. Viele Staaten hatten ihre Generalstabschefs zu dem ersten derartigen Treffen seit Bildung der internationalen Allianz im September geschickt, auch Deutschland war vertreten.

Ein wichtiges Ergebnis der Beratungen ist offenbar, dass die internationale Militärkoalition nun wohl doch Militäreinrichtungen in der Türkei nutzen kann. Dies erklärte US-Außenminister Kerry - eine entsprechende Vereinbarung mit Washington hatte die türkische Regierung zuletzt noch dementiert. Nun habe Ankara "mit Sicherheit die Nutzung bestimmter Einrichtungen erlaubt", sagte Kerry nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Paris. Es gebe in dieser Frage "keinerlei Unstimmigkeiten" mit der türkischen Regierung. Einzelheiten nannte er aber nicht. Die Türkei spiele "eine sehr wichtige Rolle in diesem Prozess", betonte Kerry.

An anderer Stelle stockt die Ausweitung des Anti-IS-Einsatzes hingegen weiterhin: Die von Australien entsandten Armeeeinheiten können nicht in den Irak einreisen. Die Regierung in Bagdad habe notwendige rechtliche Garantieerklärungen noch nicht abgegeben, sagte der australische Premierminister Tony Abbott. Er fordere für die 200 Angehörigen von Spezialeinheiten die Befreiung von Strafverfolgung im Irak. Derzeit warten die australischen Truppen noch in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf den Beginn ihres Einsatzes gegen den IS.

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Überblick: Topografie von Kobane

mxw/dpa/AFP/AP/Reutrers

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