Satellitenbilder Was der Krieg mit Kobane macht

Seit Wochen tobt die Schlacht um Kobane, mit drastischen Folgen für die syrische Grenzstadt. Satellitenbilder der Uno belegen die Zerstörung in Wohngebieten - und die eskalierende Flüchtlingslage.

Grenzübergang zwischen Syrien und der Türkei (15. Oktober): Flucht vor dem IS
2014 DigitalGlobe/ UNITAR/ UNOSAT

Grenzübergang zwischen Syrien und der Türkei (15. Oktober): Flucht vor dem IS


Kobane - Jeden Tag gehen diese Bilder um die Welt: Rauchwolken über Kobane, Resultat der US-Luftangriffe oder der Gefechte zwischen den kurdischen Verteidigern und Angreifern des "Islamischen Staats" (IS). Aufgenommen werden diese Fotos meist von jenseits der türkischen Grenze, aus großer Entfernung. So dramatisch die Bilder wirken mögen - über die tatsächlichen Folgen in Kobane selbst sagen sie wenig aus.

Die Vereinten Nationen haben nun eine Bilderserie veröffentlicht, die per Satellit einen Einblick in die umkämpfte Stadt und die umgebende Grenzregion erlaubt.

Dort versucht die Terrormiliz IS seit Ende September, ins Zentrum vorzurücken. Bisher scheitern die Islamisten-Kämpfer am Widerstand der meist kurdischen Bewohner. Auch die Luftschläge einer von den USA geführten Allianz haben teilweise geholfen, den Vorstoß der Dschihadisten zu bremsen. Zuletzt hieß es, der IS kontrollierte nur noch 15 bis 20 Prozent des Ortes.

Die Uno-Bilderserie schneidet Aufnahmen vom 6. September, also vor der ersten Attacke durch den IS, gegen Bilder vom 15. Oktober.

Auf dem Bild unten erkennt man ein Wohngebiet im östlichen Teil von Kobane. Die Aufnahme ist am 6. September entstanden.

2014 DigitalGlobe/ UNITAR/ UNOSAT

Anderthalb Monate später ist dieses Satellitenfoto aufgenommen worden. Deutlich zu sehen sind die Schäden an zahlreichen Gebäuden. Wie genau diese entstanden sind - ob durch IS-Beschuss oder fehlgeleitete US-Bomben - verraten die Aufnahmen nicht.

2014 DigitalGlobe/ UNITAR/ UNOSAT

Noch drastischer belegen die Uno-Fotos die Fluchtbewegungen der Bewohner von Kobane und den umliegenden Regionen. Aus Angst vor nahenden IS-Horden haben Tausende Menschen ihre Heimat verlassen. Die meisten von ihnen retten sich über die nur wenige hundert Meter entfernte Grenze in die Türkei.

Auf der Aufnahme vom 6. September ist ein verwaister Abschnitt des Grenzzauns zwischen syrischem und türkischem Gebiet zu erkennen.

2014 DigitalGlobe/ UNITAR/ UNOSAT

Eine dramatisch veränderte Lage zeigt sich am 15. Oktober. Hunderte Fahrzeuge sind auf der syrischen Seite der Grenze geparkt. Am Übergang ist ein Posten eingerichtet. Auf türkischer Seite sind offenbar Straßenbauarbeiten vorgenommen worden, um einen Fahrzeugtransfer einfacher zu machen. Die meisten Autos dürften von Menschen zurückgelassen worden sein, die schließlich zu Fuß über die rettende Grenze gekommen sind.

2014 DigitalGlobe/ UNITAR/ UNOSAT

Doch wohin mit all den Flüchtlingen, die sich vor dem IS in die Türkei gerettet haben? Insgesamt sollen bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen ins Nachbarland ausgereist sein. Besonders hart trifft es natürlich die Gebiete unmittelbar hinter der Grenze. Dort haben die türkischen Behörden diverse Auffanglager errichtet. Die Entwicklung in einem dieser Camps belegen die Uno-Satellitenbilder.

Das Bild vom 6. September zeigt ein menschenleeres Areal:

2014 DigitalGlobe/ UNITAR/ UNOSAT

Wenige Wochen später ist auf dem Gelände, nur wenige Kilometer vom Grenzübergang entfernt, ein Flüchtlingslager entstanden. Tausende von geflohenen Syrern sind dort untergekommen. Die Lage in Kobane ist weiter unübersichtlich. Daher ist noch unklar, ob und wann sie wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

2014 DigitalGlobe/ UNITAR/ UNOSAT

jok

insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
Sandman 18.10.2014
1.
Was ne panik hier.... Ist doch alles in Ordnung, da reicht ein bissel Solidaritätsbekundung aus..... ( lt. Die LINKE)
undog 18.10.2014
2. Die Kurden
hätten sich einschl. aller Zivilisten aus Kobane zurückziehen sollen. Leben zu retten ist keine Feigheit, sondern klug. Je mehr Waffen wir den Kurden geben, desto länger dauert dieser Krieg und desto weniger bleibt von Kobane übrig.
schnabelnase 18.10.2014
3. Lässt sich gut ergänzen.
Zitat von SandmanWas ne panik hier.... Ist doch alles in Ordnung, da reicht ein bissel Solidaritätsbekundung aus..... ( lt. Die LINKE)
Was die Kurden jetzt benötigen, sind warme Worte und auf keinen Fall Waffen. In dieser Gegend gibt es genug Waffen. Die Kurden müssen sie sich nur von den IS-Terroristen holen.
Herb_G 18.10.2014
4. Schon interessant
wovon es alles Satelittenphotos gibt. Von der Buk-Luftabwehrstation in der Ukraine die MH-17 abgeschossen haben soll, gibt es nix zu sehen - und die selbstgezüchtete IS-Sache reicht, um was aus dem Nähkästchen zu holen. Eine Farce. Auch das, dass dieser Kommentar sicher nicht gebracht wird.
wiesnase111 18.10.2014
5.
Zitat von undoghätten sich einschl. aller Zivilisten aus Kobane zurückziehen sollen. Leben zu retten ist keine Feigheit, sondern klug. Je mehr Waffen wir den Kurden geben, desto länger dauert dieser Krieg und desto weniger bleibt von Kobane übrig.
du hast nicht verstanden ,warum die Kurde ihre Stadt vereidigen
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