Krieg in Syrien Türkei lässt Peschmerga-Kämpfer nach Kobane

Die Türkei will die Verteidiger von Kobane nun offenbar doch unterstützen - aber zu ihren eigenen Bedingungen. Ankara bietet an, kurdische Peschmerga aus dem Nordirak in die umkämpfte Stadt zu bringen.


Kobane/Ankara - Die türkische Regierung ändert ihre Politik gegenüber den Kurden in Syrien: Die Türkei helfe den Peschmerga aus dem Nordirak dabei, nach Kobane zu gelangen, sagte Außenminister Mevlut Cavusoglu überraschend auf einer Pressekonferenz.

Die Peschmerga sind die Sicherheitskräfte der kurdischen Autonomieregion im Nordirak. Sie haben sich im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) bewährt: Im Sommer gelang es den Kurden, den Vormarsch der Dschihadisten zu stoppen. Die Peschmerga werden bei ihrem Kampf seit Monaten vom Westen unterstützt, auch die Bundeswehr beteiligt sich an der Ausbildung der Kämpfer - an Panzerfäusten und Gulaschkanonen.

Dabei hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Haltung gerade erst noch einmal unmissverständlich klargemacht: "Manche wollen eine Front gegen den 'Islamischen Staat' aufmachen, in dem sie die YPG bewaffnen. Aber für uns ist die YPG dasselbe wie die PKK - eine Terrorgruppe", sagte der türkische Staatschef am Sonntag. Deshalb werde Ankara eine Aufrüstung der kurdischen Volksverteidigungseinheiten, eben der YPG, niemals gutheißen.

USA warfen Waffen über Kobane ab

Nur wenige Stunden später zeigte sich, dass die USA die türkischen Bedenken ignorieren. US-Flugzeuge vom Typ C-130 warfen 27 Pakete mit Waffen, Munition und Verbandsmaterial über Kobane ab. Das Material hatte die Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak bereitgestellt. Unter anderem soll das US-Militär Kalaschnikows und Panzerfäuste über der umkämpften Stadt abgeworfen haben.

Das eigenmächtige Handeln Washingtons hat nun offenbar auch die Regierung in Ankara zu einer Politikkorrektur veranlasst.

Außenminister Cavusoglu betonte, dass eine türkische Unterstützung der YPG nicht in Betracht komme, solange die Gruppe dafür kämpfe, einen bestimmten Teil Syriens zu kontrollieren. Deshalb legte der Außenminister auch Wert auf die Feststellung, dass die US-Armee bei dem Abwurf der Waffen für die kurdischen Kämpfer nicht den türkischen Luftraum genutzt habe. Angesichts der Tatsache, dass die Lieferungen in der Grenzstadt nur wenige Meter vom Grenzzaun entfernt abgeworfen wurden, erscheint diese Behauptung allerdings fraglich.

Die Türkei will nun aber doch Vorwürfen entgegentreten, sie lasse die Verteidiger von Kobane im Stich. Die Hilfe für die Peschmerga ist der Versuch, die Anti-IS-Koalition zu unterstützen ohne gleichzeitig die mit Ankara verfeindete YPG zu stärken. Deshalb sollen nun irakische Kurden nach Kobane gelassen werden, türkische Kurden dagegen weiterhin nicht.

syd/Reuters

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insgesamt 56 Beiträge
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herrmannwolf 20.10.2014
1. Türkischer Eiertanz
Was für eine gehampel. Diese Gescharrere soll enden. Ganz oder gar nicht. Waffen, Essen, Medizin und Soldaten nach Kobane. Alles andere ist braucht es nicht.
sirgentlemen 20.10.2014
2. Da bin ich gespannt
Was danach kommt, ob die Kurden sich von Syrien abspalten. Weil dann kracht es da richtig, dank USA/ BRD/ GB und FR.
turmalinfriend 20.10.2014
3. Erdogans unsäglicher Eiertanz
Gratulation an die USA, die gerade mit den Abwürfen von Nachschub an die Kurden ihren angeschlagenen Ruf retten. Bei Erdogan dagegen ist nichts mehr zu retten. Solange die Türken diesem Führer huldigen, hat die Türkei im westlichen Bündnis nichts verloren, weder in der Nato und schon gar nicht in der EU.
adal_ 20.10.2014
4. Der Eiertanz hat eine lange Tradition
Zitat von herrmannwolfWas für eine gehampel. Diese Gescharrere soll enden. Ganz oder gar nicht. Waffen, Essen, Medizin und Soldaten nach Kobane. Alles andere ist braucht es nicht.
Die feine Unterscheidung zwischen YPG-Kämpfern und Peschmerga - besonders lächerlich: zwischen irakischen Kurden, die nach Kobane geschleust werden und türkischen Kurden, die nicht nach Kobane reisen dürfen - hilft der türkischen Regierung -nach zwei Seiten hin - ihr Gesicht zu wahren. Die zwei Seiten sind der Westen und der türkische Nationalismus, der ohne das Feindbild PKK offenbar nicht existieren kann.
Raita 20.10.2014
5. Fehler...
Die Türkei sollte der YPG keine Hilfe zukommen lassen. Diese Organisation kämpft seit Jahrzehnten gemeinsam mit der PKK gegen die Türkei. Somit sollte sie aus Sicht der Türkei jegliche Legitimität verloren haben. Einfach raushalten...Soll die YPG und PKK doch zeigen ob sie so potent sind wie sie immer tun. Ohne US Luftschläge wären die schon längst aufgelaufen und dann will die PKK/YPG ein eigenes Land verteidigen. Na dann.... Papa USA wird nicht immer da sein. Mal davon abgesehen, wäre erst die Türkei angegriffen worden dann würde die YPG/PKK noch mit draufhauen anstatt sich rauzuhalten....nur mal so eim Denlanstoß....
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