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Kampf um Kobane: USA rechnen mit weiterem Vormarsch des IS

Vormarsch des IS: Kampf um Kobane, kühler Kerry Fotos
AFP

Kobane? Ist kein "strategisches Ziel". Kühl reagiert US-Außenminister John Kerry auf die wohl bevorstehende Eroberung der Stadt durch den IS. Das Pentagon rechnet damit, dass die Dschihadisten weitere Orte einnehmen.

Washington - Aus den Worten des US-Außenministers sprach kühles Kalkül. "So schrecklich es ist, in Echtzeit zu verfolgen, was in Kobane passiert: Sie müssen einen Schritt zurücktreten und die strategischen Ziele verstehen", sagte John Kerry nach einem Treffen mit seinem britischen Amtskollegen Philip Hammond in Washington.

Während in der eingeschlossenen Stadt an der syrisch-türkischen Grenze noch immer Hunderte kurdische Kämpfer gegen die Milizionäre des "Islamischen Staats" kämpfen, spielt Kerry die strategische Bedeutung der Stadt herunter.

"Ungeachtet der Krise in Kobane: Die ursprünglichen Ziele unserer Mission waren die Kommandozentralen und die Infrastruktur", sagte der US-Außenamtschef. "Wie versuchen, den 'Islamischen Staat' insgesamt zu schwächen, nicht nur in Kobane, sondern überall in Syrien und dem Irak."

Zuvor hatte Pentagon-Sprecher John Kirby angekündigt, dass die USA den Fall Kobanes hinnehmen würden. "Die Leute müssen verstehen, dass wir hier ein wenig strategische Geduld brauchen. Diese Gruppe wird nicht morgen einfach verschwinden und Kobane wird wahrscheinlich fallen. Das können wir nicht vorhersagen", sagte Kirby.

Der Armeesprecher stellte die Öffentlichkeit auf weitere Erfolge des IS ein: "Sie werden weitere Städte bedrohen und sie werden weitere Städte erobern. Das wird alles noch eine Weile dauern", sagte Kirby.

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IS setzt Selbstmordattentäter ein

Die Außenminister Kerry und Hammond äußerten sich zurückhaltend über die von der Türkei vorgebrachte Idee einer Pufferzone, in der Flüchtlinge auf syrischem Gebiet Zuflucht finden könnten. "Wir schließen so etwas definitiv nicht aus, müssen aber erstmal prüfen was genau damit gemeint ist und wie das funktionieren würde", sagte der britische Außenamtschef. Das Pentagon teilte mit, derzeit sei eine Pufferzone keine Option.

Während westliche Politiker die nächsten Schritte planen, versuchen die Kurden in Kobane verzweifelt, ihre Stadt zu halten. Am Mittwoch gelang es den Kämpfern der Volksverteidigungseinheiten (YPG) die Dschihadisten aus Teilen der Stadt zurückzudrängen. Die US-geführte Koalition unterstützte die Kurden mit sechs Luftschlägen. Nach Angaben aus Washington wurden dabei fünf IS-Fahrzeuge und zwei Artilleriegeschütze zerstört.

Der IS setzte erstmals einen Selbstmordattentäter in der Stadt ein. Die Dschihadisten teilten mit, der Mann sei mit einem sprengstoffbeladenen Fahrzeug in einen YPG-Stützpunkt gerast und habe viele Kurden getötet. Die Gegenseite behauptet, der Sprengsatz sei detoniert, bevor der Attentäter sein Ziel erreichte.

Mit Einbruch der Dunkelheit rückten die IS-Kämpfer wieder weiter vor. Ihr Vorteil: Sie besitzen Nachtsichtgeräte, die Kurden nicht.

syd/Reuters/AP

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insgesamt 141 Beiträge
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1. Ziemlich menschenverachtend
deb2011 08.10.2014
In Syrien kämpfen Kurden in Kobane buchstäblich ums nackte Überleben, und da stellt sich jemand hin und sagt, dass man Geduld haben muss. Geduld? Warten? Worauf denn? Dass alle Bewohner von Kobane massakriert werden? Manchmal bin ich doch fassungslos über derart menschenverachtende Kommentare von Politikern.
2. Das soll er den Kurden bitte live sagen:
Andreas_// 08.10.2014
"Sie müssen einen Schritt zurücktreten und die strategischen Ziele verstehen" --- tretet einen Schritt zurück, laßt Euch grausig abschlachten und versteht dann unsere strategischen Ziele; wie zynisch ist DAS denn??? Diese Menschen brauchen HILFE und kein GELABER!!
3. Ein Armutszeugnis
alex2k14 08.10.2014
Die IS Truppen kämpfen mit türkischen Waffen, Demonstranten werden getötet und Deutschland und Europa gucken in aller Ruhe zu. Es ist erbärmlich, wie die ganze Welt einfach nur zusieht, anstatt zu handeln. Es ist an der Zeit deutsche Soldaten zu senden, Infanteristen, die gut ausgebildet sind. Nur zuzusehen ist und darüber zu palavern is scheinheilig.
4. Warum
Hank Hill 08.10.2014
die stuendlichen Wasserstandsmeldungen ueber die Lage in Kobane und speziell dabei die Rolle der USA ? SPON schuert nur weiter den ohnehin hier vorhandenen Anti-Amerikanismus. Warum nicht mal detaillierte Berichte ueber die Untaetigkeit von EU oder von Deutschland ? Ich hoffe nur die USA senden keine Bodentruppen. Sollen sich doch die Soldaten der EU mit der ISIS befassen.
5. #deb2011
mka1983 08.10.2014
So ist das nun einmal. Prinzipiell ist es wohl auch ehr eine Aufgabe der dortigen Staaten, insbesondere der Türkei, diese Region und Religion in den Griff zu kriegen. Für die Kultur und den Umgang der Menschen im Nahen Osten untereinander sind die USA, wenn auch an dieser Situation nicht völlig unbeteiligt, ehr unschuldig. Der Auslöser ist vor allem in der dortigen Kultur und Religion zu suchen. Die Ehre hat Millionen getötet, jedoch nicht einen gerettet.
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Schlacht gegen IS: Hoffnung für Kobane

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