Terrorverdacht in Köln Islamist hortete mehr als 3000 Rizinussamen

Der von Spezialkräften in Köln festgenommene Islamist hatte weit mehr giftige Rizinussamen beschafft als bisher bekannt. Sief Allah H. wird verdächtigt, damit einen Biowaffenanschlag geplant zu haben.

BKA-Beamter in Schutzkleidung in Köln-Chorweiler
DPA

BKA-Beamter in Schutzkleidung in Köln-Chorweiler


Neues Detail im Fall des terrorverdächtigen Kölner Islamisten Sief Allah H.: Der Mann hatte in seiner Wohnung laut Generalbundesanwalt weit mehr Rizinussamen gelagert als bislang bekannt. Im Rahmen der Durchsuchung von H.s Wohnung in Köln-Chorweiler habe man insgesamt 3150 Rizinussamen sowie 84,3 mg Rizin sichergestellt.

Bislang ist nur von 1000 Samen die Rede gewesen. In handelsüblichen Packungen finden sich normalerweise nur acht Samen, aus denen der bis zu zwei Meter große Rizinus oder Lebensstrauch gezogen werden kann.

Die Samen enthalten das tödliche Gift Rizin, es unterliegt als biologische Waffe dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Der Tatverdächtige H. soll damit an einem perfiden Sprengsatz gearbeitet haben, in den womöglich auch hohe Dosen des Giftstoffes Rizin eingearbeitet werden sollten.

Samen des Rizinus oder Wunderbaums (Archivbild)
DPA

Samen des Rizinus oder Wunderbaums (Archivbild)

Der Bundesgerichtshof hatte vor einer Woche Haftbefehl gegen den 29-Jährigen erlassen, auch wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Außerdem ermittelt die Behörde auch wegen des Anfangsverdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Sief Allah H. hatte offenbar bei einem Internetversandhändler mehrere Stoffe bestellt, die zur Herstellung einer Bombe geeignet gewesen wären. Auch soll der Tunesier eine Chemikalie gekauft haben, die zur Gewinnung des Giftstoffes notwendig ist.

Die Bestellungen H.s orientierten sich offenbar an einer Anleitung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zur Herstellung einer Rizinbombe, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Allerdings fanden Spezialkräfte der Kölner Polizei keinen funktionsfähigen Sprengsatz in dem Mehrfamilienhaus, in dem H. mit seiner Familie lebte.

Die Bundesanwaltschaft hatte den Fall wegen seiner besonderen Bedeutung an sich gezogen. Die mögliche Kombination einer Splitterbombe mit biologischen Kampfstoffen alarmiert die Karlsruher Ermittler. Vor einigen Wochen waren in Frankreich zwei Brüder festgenommen worden, die nach Überzeugung der Behörden Rizinbomben herstellen wollten.

cht/dpa/AFP



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