Königlicher Geburtstag Thailand bangt um seinen kranken Monarchen

Er ist der am längsten regierende Monarch der Erde: der thailändische König Bhumibol. Nun feiert er seinen 83. Geburtstag, und das ganze Volk jubelt mit. Denn der Herrscher gilt als einzige stabile Instanz in dem zerrissenen Land - sollte der kränkelnde Mann sterben, drohen Chaos und blutige Kämpfe.

Souvenir-Verkäufer: König Bhumibol wird wie ein Vater verehrt
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Souvenir-Verkäufer: König Bhumibol wird wie ein Vater verehrt

Von Freddy Surachai, Bangkok


Es soll das Fest der Feste werden, eine der "spektakulärsten Darbietungen in der Geschichte des Königreichs". Historisch nennt die Tageszeitung "The Nation" das Ereignis sogar, das an diesem Wochenende ganz Thailand im Bann hält: König Bhumibol feiert seinen 83. Geburtstag.

Schon am Freitag ehrte Bangkok den am längsten regierenden - und wohl auch reichsten - Monarchen der Welt mit einer gigantischen Laser-Lichtschau. Seit Tagen huldigen ihm Tausende Thailänder. Sie überbringen dem kränkelnden Herrscher Genesungswünsche, preisen ihn auf rührenden, selbst gemalten Plakaten als Vater des Vaterlandes. Auf Web-Seiten wie welovetheking.org entbieten die Thais ihrem Herrscher Respekt, Liebe und Verehrung. Über 2000 buddhistische Mönche ließen sich in einer Massenordination zum Königsgeburtstag weihen. Thailändische Künstler produzierten Musicals, Hymnen, Gedichte, malten Porträts, schufen Filme, um den Herrscher zu lobpreisen.

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist ein Boots-Korso auf dem Chao Phraya in Bangkok, wie ihn das Land noch nie gesehen hat: 587 festlich geschmückte Boote, die aus allen Teilen des Landes in die Hauptstadt gekommen sind, formieren sich auf dem "Fluss der Könige" zu einer kilometerlangen Prozession. 8000 schwimmende Laternen sollen den majestätischen Strom in ein Lichtermeer verwandeln. Die etwa 30.000 Thailänder, die zu diesem Schauspiel erwartet werden, wollen ihrem König mit brennenden Kerzen in den Händen ein Zeichen ihrer Verbundenheit senden. Und große Firmen veröffentlichen ganzseitige Anzeigen in den thailändischen Tageszeitungen, die nur eine Botschaft vermitteln sollen: "Lang lebe der König".

Stets mit Fotoapparat und Lieblingshund

Dabei ist der Herrscher erkennbar krank. Der greise Monarch muss die Huldigungen seiner Untertanen im Rollstuhl auf einem Bootsanleger am Siriraj-Krankenhaus entgegennehmen. Im September 2009 wurde er mit Atembeschwerden, Fieber und Schwächeanfällen ins Siriraj-Krankenhaus eingewiesen, in dem er seitdem stationär behandelt wird. Nur selten hat er sich seither noch öffentlich gezeigt, mitgenommen, zerbrechlich, zusammengesunken. Es waren anrührende Bilder: Im Rollstuhl sitzend, seinen geliebten Fotoapparat umgehängt, Lieblingshund Thong Daeng an der Seite, demonstrierte der König seinem Volk, dass er noch da ist.

Über Schwere und Art seiner Krankheit darf in Thailand nicht spekuliert werden. Aber die Sorge, dass Bhumibol seinen nächsten Geburtstag vielleicht nicht mehr wird erleben können, treibt die Thailänder um: Der König ist die zentrale Figur in dem zerrissenen Land. Er gibt der Nation den inneren Halt. Selbst in den verfallensten Blechhütten hat sein Porträt einen Ehrenplatz.

So sind die Feiern zu seinen Ehren auch alles andere als Massendemonstrationen etwa nach der Art, wie sie den Menschen in Nordkorea befohlen werden. Die Thailänder lieben ihren König fast abgöttisch. Die Schauspielerin Sinjai Plengpanich, die in einem der Kurzfilme zu seinen Ehren mitspielt, sagt: "Niemand hat mir je befohlen, den König zu respektieren und zu verehren. Aber es ging mir wie vielen anderen: Ich bekam allmählich ein Gefühl dafür, wie hart Ihre Majestät für unsere Nation gearbeitet hat." Boy Kosiyabong hat für das Jubelfest einen Song als Dank an Bhumibol komponiert: "Denn jedes Mal, wenn das Volk Thailands leidet, erleben wir die gütige Verbundenheit des Königs." Und Wannao Yuden, der schon zu Bhumibols 80. Geburtstag eine Gedichtsammlung herausgebracht hat, bekennt: "Ich betrachte ihn als einen Vater."

In den sechziger Jahren hatte er auch Fans in Deutschland

Es war ein langer Weg, bis der in den USA geborene und in der Schweiz aufgewachsene junge Monarch die Herzen seines Volkes erobert hatte. Lange Zeit galt er als Glamour-Prinz. Er studierte in Lausanne, liebte Jazz, schnelle Autos - und die thailändische Diplomatentochter Sirikit. Sein Playboy-Leben änderte sich schlagartig am 9. Juni 1946: Sein Bruder, der designierte König Ananda, wurde erschossen in seinem Bett in Bangkok aufgefunden. Nun war er der Thronfolger.

Bhumibol übernahm zwar die Königswürde, kehrte aber schnell nach Lausanne zurück, um fernab vom strengen und dem aufgeklärten jungen Prinzen fremden Hofzeremoniell weiter zu studieren. Erst am 5. Mai 1950 wurde er offiziell zum König Rama IX. gekrönt. Ein Jahr später kehrte er dann endgültig in seine Heimat zurück.

Es waren schwierige Anfangsjahre für den jungen Monarchen: Der damalige Regierungschef Phibun Songkram ist ein offener Gegner der Monarchie. Erst als 1957 Feldmarschall Sarit Thanarat an die Macht kommt, tritt Bhumibol aus seinem Schattendasein heraus und führt die konstitutionelle Monarchie in Thailand zu neuer Blüte.

1960 macht er weltweit Schlagzeilen: Bei einem Staatsbesuch in den USA führt ihn sein erster Weg in die Hollywood-Studios. Er trifft Elvis Presley und lästert über den Hollywood-Schinken "Der König und ich", in dem Yul Brynner und Deborah Kerr seiner Ansicht nach das Zerrbild eines thailändischen Königs und seines Landes gezeichnet haben. Der Produzent entschuldigt sich. In New York spielt Bhumibol mit Benny Goodman Jazz. Die Amerikaner sind begeistert von diesem jungen, unkonventionellen König und der schönen Königin Sirikit. Auch die anschließende Reise durch 14 europäische Staaten wird zum Triumphzug für das fernöstliche Traumpaar. Deutschland versinkt acht Tage lang geradezu in einem Bhumibol- und Sirikit-Taumel. Noch Jahre danach sind Sirikit-Frisuren in bei jungen deutschen Frauen.

Auf dem alten König ruhen alle Hoffnungen

Zu Hause widmet sich Bhumibol rastlos dem Aufbau seines Landes. Er lässt Staudämme und Straßen bauen, gibt die Entwicklung widerstandsfähiger Reissorten in Auftrag und zeigt den Bauern Alternativen zum Opiumanbau. Kreuz und quer reist er durchs Land, immer begleitet von Sirikit. Um über 1000 Projekte kümmert er sich ganz persönlich. Er ist ein König zum Anfassen, spricht mit den Menschen, hört ihnen zu. Oft ist er auch zu Fuß unterwegs in den abgelegenen Gegenden seines Reiches.

In einer Volksabstimmung bekommt er den Titel "Der Große". Im von inneren Krisen geschüttelten Thailand wird er zur einzigen Konstante. Als Premierminister Suchinda Kraprayoo 1992 brutal auf Demonstranten gegen sein Regime schießen lässt und Hunderte sterben, öffnet Bhumibol die Tore seines Palastes für die Fliehenden und zwingt die Militärs, die Waffen niederzulegen.

Dem König wächst eine fast gottgleiche Verehrung zu, er gilt als unantastbar. Schon die leiseste Kritik an ihm oder der königlichen Familie gilt als Majestätsbeleidigung und wird streng bestraft. Aber Bhumibol und Sirikit werden bis in das entfernteste Bauerndorf als Vater und Mutter aller 65-Millionen Thailänder geliebt, bewundert und geehrt. "Seine Majestät ist das Symbol der Güte, der Fels in der Brandung politischer wirtschaftlicher und kultureller Veränderungen", schwärmt der Künstler Aditya Assarat.

Gerade jetzt, sechs Monate nach den blutigen Unruhen, ruhen auf dem König alle Hoffnungen Thailands. Viele hatten von ihm auch bei den Mai-Unruhen dieses Jahres eine ähnliche, versöhnende Geste erwartet, wie bei dem Massaker von 1992. Vergeblich. Dennoch klingt es wie eine Beschwörungsformel, wenn die Thailänder zu seinem Geburtstag auf Plakaten, in Grußbotschaften, Anzeigen, im Internet, in Reden, Hymnen und Symphonien den Wunsch und die Hoffnung formulieren: "Lang lebe Ihre Majestät."

Denn der Tod des kranken Königs könnte sein Land schnell in eine neue, eine schreckliche und blutige Zerreißprobe stürzen.

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skepti 04.12.2010
1. Verrückter Personenkult in Thailand und Nordkorea
Es ist doch ganz erstaunlich, dass der extreme Personenkult um König Rama und den Geliebten Fühler von westlichen Journalisten ganz unterschiedlich beurteilt wird. Man schaue sich doch nur mal die Lebensverhältnisse im Isan und in der nordkoreanischen Provinz an: - Gesundheitversorgung Thailand 0 : 0 Nordkorea - Bildungswesen Thailand 0 : 0 Nordkorea - Aufstiegschancen Thailand 0 : 0 Nordkorea ... irgendwie ein sehr Torloses spielt ... - Transparenz in der Poltik Thailand 0 : 0 Nordkorea - Arbeiterrechte Thailand 0 : 0 Nordkorea - Frauenrechte Thailand 0 : 0 Nordkorea irgendwie ein sehr unergiebiger Vergleich. Thailand war mal sowas wie ein Schwellenland und gehörte zu den "Tigerstaaten" Südostasiens. Während es Länder wie Südkorea, Taiwan, Malaysia aber zu Demokratie und Wohlstand brachten, wird Thailand eher wieder ein Entwicklungsland. Im Aktikel steht: "Die Schauspielerin Sinjai Plengpanich, die in einem der Kurzfilme zu seinen Ehren mitspielt, sagt: "Niemand hat mir je befohlen, den König zu respektieren und zu verehren. Aber es ging mir wie vielen anderen: Ich bekam allmählich ein Gefühl dafür, wie hart Ihre Majestät für unsere Nation gearbeitet hat." " aber "Schon die leiseste Kritik an ihm oder der königlichen Familie gilt als Majestätsbeleidigung und wird streng bestraft." Die Thailänder lieben ihren König also freiwillig, Kritik wird aber trotzdem bestraft, an welches Land erinnert mich das noch gleich? Man frage die Menschen in Pjöngjang auf der Straße mal, ob sie den "Geliebte Führer" denn tatsächlich lieben und dann frage man sie, ob sie ihn denn auch freiwillig lieben und dann ob sie ihn denn auch wirklich freiwillig lieben. Die jeweilige Antwort kann man sich sicher denken. Ferner frage man mal einen nordkoreanischen Offiziellen nach den Errungenschaften Kim-Il-Suns und Kim-Jong-Ils. Da wird man auch hören, dass Kim-Il-Sun die Amerikaner quasi im Alleingang vertrieben hat und mit seinem Sohn das Land eigenhändig wieder aufgebaut. Ich bin wirklich nicht erfreut darüber, wie man im Westen bestimmte Herrscher immernoch gutredet und versucht sie im positiven Licht darzustellen - wie früher den Shah. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,732915,00.html
karin.nahm 04.12.2010
2. Bewunderte Monachie...?
Das Land ist auf dem Niveau eines Entwicklungsland und wird von Touristen ausgebeutet und auch oft missbraucht.. Leiderh herrscht dort ein Monarch wie in einer Seifenoper,steinreich aber nicht in der Lage seinem Volk ein besseres Leben zu bieten. Denn solange Frauen und Mädchen sich bei geilen Touristen prostituieren müssen, um zu überlegen, ist das skandalös!! Und das Volk bangt um seine Gesundheit, weil ohne ihn das Land im Chaos versinken kann. Hier offenbart sich schon der grösste Fehler einer Monachie, nämlich zu Lebzeiten keine Vorsorge für eine Zeit,wenigstens nach der Feudalherrschaft getroffen zu haben. Es bleibt dabei, eine Monachie ist eine Parasiten-Struktur, die überall überflüssig ist, es aber selbst nicht verstehen will.
Wattläufer 04.12.2010
3. Thailand
Zitat von karin.nahmDas Land ist auf dem Niveau eines Entwicklungsland und wird von Touristen ausgebeutet und auch oft missbraucht.. Leiderh herrscht dort ein Monarch wie in einer Seifenoper,steinreich aber nicht in der Lage seinem Volk ein besseres Leben zu bieten. Denn solange Frauen und Mädchen sich bei geilen Touristen prostituieren müssen, um zu überlegen, ist das skandalös!! Und das Volk bangt um seine Gesundheit, weil ohne ihn das Land im Chaos versinken kann. Hier offenbart sich schon der grösste Fehler einer Monachie, nämlich zu Lebzeiten keine Vorsorge für eine Zeit,wenigstens nach der Feudalherrschaft getroffen zu haben. Es bleibt dabei, eine Monachie ist eine Parasiten-Struktur, die überall überflüssig ist, es aber selbst nicht verstehen will.
Die Thais lassen sich um des Tourismus und des schnellen Geldes willen freiwillig "ausbeuten" und die Mädels gehen lieber mit einem Farang als sich das Gleiche mit einem thailändischen Firmenboss ( oder sollte ich wohl besser schreiben - einem chinesischen ? ) antun zu müssen. Der Farang zahlt besser. Die Story "von dem armen Mädchen aus dem Isaan" - ich kann sie nicht mehr hören. Und mal ehrlich : Vielen Mädels macht das "easy living" durchaus Spaß. Die Königsfamilie, besonders ein bestimmter Sohn, stehen dem in nichts nach. Unverständlich ist daß bei der thail. Königsfamilie die ältere Tochter sich nicht durchsetzen kann. Die war als Naturfreundin ("Die Prinzessin im Watt") schon häufiger hier oben bei uns - unerkannt.
counterstrike 04.12.2010
4. Unglaublich!
Zitat von karin.nahmDas Land ist auf dem Niveau eines Entwicklungsland und wird von Touristen ausgebeutet und auch oft missbraucht.. Leiderh herrscht dort ein Monarch wie in einer Seifenoper,steinreich aber nicht in der Lage seinem Volk ein besseres Leben zu bieten. Denn solange Frauen und Mädchen sich bei geilen Touristen prostituieren müssen, um zu überlegen, ist das skandalös!! Und das Volk bangt um seine Gesundheit, weil ohne ihn das Land im Chaos versinken kann. Hier offenbart sich schon der grösste Fehler einer Monachie, nämlich zu Lebzeiten keine Vorsorge für eine Zeit,wenigstens nach der Feudalherrschaft getroffen zu haben. Es bleibt dabei, eine Monachie ist eine Parasiten-Struktur, die überall überflüssig ist, es aber selbst nicht verstehen will.
Das ist mal wieder typisch linke Arroganz. Man merkt an diesem Kommentar die absolute Unwissenheit und Abgehobenheit des Kommentators und sein fehlendes Wissen über fremde Länder. Alles nur mit den Augen eines weltfremden Linksintellektuellen sehen und schon ist die Welt wie im Kindergarten in Gut und Böse zu unterteilen. Glauben Sie wirklich wenn ich im Schwarzwald Urlaub mache, dann beute ich das Land Baden-Württemberg aus? Und wenn ich dann in Stuttgart in den Puff gehen habe ich dann das Land missbraucht? Der König in Thailand hat übrigens eine tiefe symbolische und religiöse Bedeutung. Aber das werden sie als weltfremder Linker wohl nie in Erfahrung bringen was das bedeutet.
cr8 04.12.2010
5.
Sicherlich ist Thailand weder politisch noch wirtschaftlich das glänzende Vorbild, aber Vergleiche mit Nordkorea sind absurd bis lächerlich, in Ihrem speziellen Fall auch faktisch falsch, vor allem weil Bumibhol nicht der Staatschef ist. Als Deutscher mag man am Anfang, wie ich übrigens auch, verwirrt und amüsiert sein von der Verehrung, die dem König entgegengebracht wird. Wenn man sich mit dem Thema aber beschäftigt, bzw. wenn man auch öfter mit Thais spricht, weiß man, dass die Verehrung bis sogar Liebe aus dem Herzen kommt. Verboten ist übrigens nur die Majestätsbeleidigung, nicht die Majestätsnichtverehrung. Leider wird dieses Gesetz oft mißbraucht, um politische Gegner auszuschalten, ohne dass der König das gutheißt. Der meinte nämlich sinngemäß in einer Rede, dass auch er nur ein Mensch ist und hinterfragt werden muss. Grüße an den Tellerrand.
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