Von Raniah Salloum, Beirut
Es ist aus. Der Uno-Sonderbeauftragte Kofi Annan hat seine Mission abgebrochen. Damit wird nun auch offiziell das letzte bisschen Hoffnung beerdigt, dass zwischen dem syrischen Diktator Baschar al-Assad und seinen Gegnern doch noch eine politische Lösung ausgehandelt werden kann.
Das Scheitern der Mission ist vor allem für die Syrer selbst ein Desaster. Etliche Städte sind zerstört, das Land ist in weiten Teilen verarmt, Tausende sind bei Angriffen und Kämpfen ums Leben gekommen, Hunderttausende auf der Flucht. Und ein Ende des Konflikts scheint nun weiter entfernt als je zuvor. Es drohen weitere Monate des zermürbenden Bürgerkriegs. Ausgang: ungewiss.
Auch für Kofi Annan persönlich ist die misslungene Mission bitter. Er galt als angesehener und beliebter Diplomat, als der damalige Uno-Generalsekretär sich von der internationalen Bühne verabschiedete. Was die meisten nun mit ihm verbinden, ist das Syrien-Debakel. Dabei hat wohl kaum jemand Annan um seine Aufgabe beneidet. Es sollte ein letzter Versuch sein, für den Konflikt doch noch eine politische Lösung zu finden.
Stattdessen eskalierte die Gewalt seit Beginn der Mission weiter. Der Konflikt zwischen Machthaber Baschar al-Assad und der Opposition ist zum Bürgerkrieg mit zunehmend konfessionellen Zügen geworden. Dschihadistische Milizen mischen sich ein, sogar al-Qaida. Die Sorge vor einem Übergreifen des Konflikts auf die Nachbarländer wächst. Es haben sich fast alle der schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet.
International wurde Annans Hinschmeißen bedauert. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte, diese Entscheidung mache deutlich, "wie unselig es war, dass der Uno-Sicherheitsrat sich nicht auf eine Resolution einigen konnte, die zur Einhaltung des Sechs-Punkte-Plans beigetragen hätte". Außenminister Guido Westerwelle kritisierte Russland und China. "Es ist deutlich, dass Kofi Annan sein Amt auch wegen der Blockadehaltung im Sicherheitsrat niederlegt."
Zwar kündigte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon an, die Arbeit der Vereinten Nationen auch nach Annans Rücktritt fortsetzen zu wollen. Damit dürften jedoch vor allem Hilfslieferungen an Flüchtlinge gemeint sein, keine Friedensinitiativen. Der französische Uno-Botschafter Gérard Araud sagte, die Uno-Beobachtermission werde wohl nach Abschluss des aktuellen Mandats am 19. August beendet. Im Sicherheitsrat sei keine Einigung über das weitere Vorgehen absehbar, sagte Araud in New York.
Die Uno-Friedensmission ist auf ganzer Linie gescheitert, weil Fehler gemacht wurden - von allen Seiten:
Und nun? Die internationale Gemeinschaft betont weiterhin, es müsse eine politische Lösung geben. Ein direktes militärisches Eingreifen des Westens durch Bombardements oder Einmarsch gilt Experten nach wie vor als unwahrscheinlich - selbst wenn China und Russland im Uno-Sicherheitsrat ihre Blockadehaltung aufgeben würden. Stattdessen dürfte der Westen sein indirektes Militärengagement durch Bewaffnung, Ausbildung und Beratung der Opposition weiter ausbauen. Das könnte den Zerfall Syriens in Herrschaftsbereiche verschiedener Warlords vorantreiben. Als stärkster unter den neuen Machthabern wird daraus wohl Assad hervorgehen.
mit Material von dpa/AFP
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