Friedensgespräche in Kolumbien Erste Einigung zwischen Regierung und Rebellen

Es war das erste Kapitel bei den Friedensgesprächen in Havanna: Die kolumbianische Regierung und die linken Farc-Rebellen haben sich über die Landreform geeinigt. Opfer von Landraub und Vertreibung werden demnach entschädigt. Ab 11. Juni sollen weitere Themen angegangen werden.

Farc-Anführer Rodrigo Granda (M.), alias "Ricardo Tellez": Wegweisender Erfolg
DPA

Farc-Anführer Rodrigo Granda (M.), alias "Ricardo Tellez": Wegweisender Erfolg


Havanna - Die Themenagenda ist lang: Um den Kampf gegen den Drogenhandel in Kolumbien soll es gehen, die politische Beteiligung der Guerilla-Gruppen steht ebenso auf dem Plan wie eine Entwaffnung der Rebellen. Seit Monaten befinden sich die kolumbianische Regierung und die linken Farc-Rebellen in Friedensgesprächen. Jetzt haben sie einen ersten Erfolg erzielt: Beide Parteien einigten sich über die Landreform. Demnach sollen Opfer von Landraub und Vertreibung entschädigt werden, teilte der kubanische Diplomat Carlos Fernández de Cossio am Sonntag in Havanna mit.

Endgültig ist diese Regelung allerdings noch nicht. Das zeichnete sich in den Stellungnahmen direkt nach der gemeinsamen Erklärung ab. Der Delegationsleiter der Rebellen, Luciano Marín (alias Iván Márquez), sprach von "punktuellen Ausnahmen" bei der Vereinbarung, "die notwendigerweise noch vor Ende der Verhandlungen aufgegriffen werden müssen". Die Regierung bekräftigte, dass die Vereinbarung erst endgültig sei, wenn eine Einigung bei allen Punkten der Friedensagenda erreicht sei.

Der jetzige Friedensdialog hatte im November vergangenen Jahres begonnen. In dem knapp 50 Jahre dauernden Konflikt zwischen der Regierung und den Rebellen wurden Schätzungen zufolge 600.000 Menschen getötet und fast vier Millionen Menschen vertrieben.

In Kolumbien war in den vergangenen Wochen die Ungeduld aufgrund mangelnder Ergebnisse in den Verhandlungen gestiegen. Die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos forderte diese Woche erneut, die Gespräche noch vor Ende 2013 zum Abschluss zu bringen.

Bislang war fast ausschließlich über die Landreform gesprochen worden. Die Agrar-Frage ist der erste von fünf Punkten der vereinbarten Friedensagenda und gilt als wegweisend für den weiteren Erfolg der Gespräche. Nach einer mehrtägigen Pause soll am 11. Juni das nächste Kapitel, die politische Beteiligung der Rebellen, angegangen werden.

Auch während der Verhandlungen hatte die Gewalt im Anden-Staat kein Ende gefunden. Noch am Donnerstag waren vier Menschen bei einem Angriff der Guerilla auf ein Fahrzeug getötet worden. Der Direktor der regionalen Einwanderungsbehörde, sein Fahrer und zwei Polizisten kamen dabei in Nordkolumbien in einem Hinterhalt von Rebellen um.

vks/dpa/AFP

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