Kolumbien Ex-Minister entkommt nach sechs Jahren Geiselhaft

Sechs Jahre wurde der kolumbianische Ex-Minister Fernando Araújo von Rebellen gefangen gehalten – jetzt gelang ihm die abenteuerliche Flucht: Mit bloßen Händen kämpfte er sich durch den Dschungel, fünf Tage lang, ohne Essen und Trinken.


Bogotà - Der stark abgemagerte Politiker berichtete vor Journalisten von seiner Flucht. Auslöser für seinen mutigen Schritt war ein Angriff der kolumbianischen Armee am vergangenen Sonntag auf das Rebellenlager. Araújo gehörte zu einer Gruppe von 58 Geiseln der Rebellenorganisation Farc, zu denen auch die einstige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt zählt.

Colombian Freude über seine Rückkehr aus sechs Jahren Gefangenschaft: Fernando Araújo
REUTERS

Colombian Freude über seine Rückkehr aus sechs Jahren Gefangenschaft: Fernando Araújo

"Als ich am Sonntag merkte, dass die Hubschrauber das Lager überflogen und es angriffen, habe ich mir gesagt: Entweder ich haue jetzt ab, oder sie töten mich. Es war also eine Entscheidung auf Leben und Tod", berichtete Araújo. Es sei nicht so einfach gewesen, aus dem Lager in der Nähe von San Juan Nepomuceno im nördlichen Verwaltungsgebiet Bolivar zu entkommen. Dort hätten sich etwa 200 Rebellen aufgehalten. Nachdem ihm die Flucht gelungen sei, habe er sich tagelang versteckt gehalten und nur mit den Händen durch dichtes Gestrüpp gekämpft.

Die Armee hatte das Lager am Sonntag angegriffen, um Araújo zu befreien. Nach Angaben von Präsident Alvaro Uribe wurden bei der Aktion sechs Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) und ein Soldat getötet. Araújo war unter dem Ex-Präsidenten Andres Pastrana (1998-2002) Entwicklungsminister. Er wurde am 4. Dezember 2000 am Strand von Cartagena entführt. Der Politiker gehörte zu einer Gruppe von 58 Geiseln, durch die die Farc die Freilassung von 500 ihrer Mitglieder aus dem Gefängnis erpressen will. Unter diesen Geiseln sind neben Betancourt auch drei US-Bürger sowie zahlreiche weitere Politiker und 34 Soldaten und Polizisten.

"Ich bete zu Gott, dass die anderen Geiseln auch bald freikommen", sagte der sichtlich abgemagerte Araujo in einem Fernsehinterview. Die Farc-Rebellen kämpfen nach eigenen Angaben für einen Ausgleich zwischen Arm und Reich in dem Land. Vor allem der Anbau und der Schmuggel von Kokain hilft der Farc bei der Finanzierung des bewaffneten Aufstands. Präsident Alvaro Uribe, der gerade im Amt bestätigt wurde, hat der Armee unlängst ein hartes Durchgreifen gegen die Rebellen befohlen. Bei der jüngsten Militäroffensive wurden sechs Guerillas und ein Soldat getötet.

reh/Reuters/AP



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