Kolumbien Farc benennen sich um - und heißen immer noch gleich

Die frühere Rebellengruppe Farc hat sich in der kolumbianischen Hauptstadt erstmals als politische Partei präsentiert. Zum Auftakt baten die Ex-Guerilla um Vergebung. An ihrem Kürzel wollen sie aber festhalten.

Farc-Unterstützerin
AFP

Farc-Unterstützerin


Der berüchtigte Farc-Kommandeur Jorge Briceño drohte seinen Feinden mal: "Wir sehen uns auf dem Bolívar-Platz." Der Rebellenführer wurde später bei einem Militäreinsatz getötet, doch seine einstigen Kameraden standen jetzt tatsächlich auf dem symbolträchtigen Platz im Herzen der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Dort stellten sie sich als politische Partei vor.

"Wir lassen die Waffen ruhen, um auf friedlichem und legalen Wege Politik zu machen, wir wollen mit Euch allen ein anderes Land aufbauen", sagte Parteichef Rodrigo Londoño alias Timochenko am Freitag vor Tausenden Anhängern.

Zuvor hatten die linken Rebellen den kolumbianischen Staat ein halbes Jahrhundert lang erbittert bekämpft. Seit Mitte der Sechzigerjahre bekriegten sich die Farc mit staatlichen Sicherheitskräften und rechten Paramilitärs.

Laut eines Friedensabkommens von 2016 sind den Farc in den kommenden zwei Legislaturperioden jeweils fünf Sitze im Senat und in der Abgeordnetenkammer garantiert. Ab 2026 müssen sie ihre Sitze regulär bei den Wahlen erringen. Fraglich ist, ob die Kolumbianer den Farc Anschläge, Entführungen und Drogenhandel verzeihen und sie als politische Kraft akzeptieren. Vor allem in den Städten können sie bislang kaum mit Unterstützung rechnen.

"Wollen keinen einzigen Tropfen Blut mehr vergießen"

Unweit des Bolívar-Platzes, wo am Freitag die Kundgebung stattfand, liegt der Präsidentenpalast, den die Farc 2002 mit Bomben angegriffen hatten. Londoño bat um Vergebung für die von den Guerillakämpfern begangenen Verbrechen während ihres blutigen Kampfes, bei dem mehr als 220.000 Menschen ums Leben kamen.

Zuschauer der Kundgebung auf dem Bolívar-Platz in Bogotá
REUTERS

Zuschauer der Kundgebung auf dem Bolívar-Platz in Bogotá

Überdies sprach der Parteichef sich erneut für eine Übergangsregierung aus. Bei der Präsidentschaftswahl 2018 müsse ein Kandidat unterstützt werden, der die Umsetzung des im November unterzeichneten Friedensabkommens garantiere.

Die ehemalige Guerilla "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) tritt nun als politische Partei unter dem Namen "Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes" (Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común) auf. Die Abkürzung "Farc", die an den jahrzehntelangen Kampf erinnert, bleibt damit bestehen. Eine Mehrheit der Delegierten hatte bei einem Gründungskongress am Donnerstag für den neuen Namen gestimmt.

"Wir wollen keinen einzigen Tropfen Blut mehr vergießen für die Politik", sagte Londoño. "Wir wollen ein Kolumbien ohne Hass." Die größte Herausforderung dürfte die Wiedereingliederung der rund 6800 Farc-Kämpfer in das zivile Leben sein. Bei der Demobilisierung der rechten Paramilitärs Mitte der 2000er Jahre ging das schon einmal gründlich daneben. Zahlreiche Ex-Mitglieder schlossen sich damals kriminellen Banden an.

        Farc-Parteichef Londoño, daneben ein Vertreter der indigenen Völker mit Friedenspfeife
REUTERS

Farc-Parteichef Londoño, daneben ein Vertreter der indigenen Völker mit Friedenspfeife

Nach Londoños Rede begrüßten Vertreter der indigenen Völker die Farc als neuen Akteur auf der politischen Bühne. Sie rauchten eine Friedenspfeife, verbrannten Räucherwerk und reinigten die früheren Rebellen symbolisch. "Die Prophezeiung sagt, dass der Adler und der Kondor sich wieder vereinen werden und dass der Frieden blüht", sagte ein Stammesältester.

"Wenn sie sich als breite, inklusive Partei aufstellen, die an die Zukunft, die städtische Bevölkerung und politische Bündnisse denkt, könnten sie sich in eine bedeutende Kraft verwandeln", so der Ex-Guerillero und politische Analyst León Valencia.

cst/dpa/AFP



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