Kolumbien Konservativer Kandidat Duque siegt bei Präsidentenwahl

Iván Duque hat sich in der Stichwahl durchgesetzt, er wird Kolumbiens neuer Präsident: Der Kandidat der rechten Partei Centro Democrático will das Farc-Friedensabkommen in wesentlichen Punkten ändern.

Iván Duque
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Der konservative Kandidat Iván Duque hat die Präsidentschaftswahl in Kolumbien gewonnen. Der Bewerber der rechten Partei Centro Democrático kam in der Stichwahl am Sonntag auf 53,95 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt nach der Auszählung fast aller Stimmen mitteilte. Sein Konkurrent Gustavo Petro von der linken Bewegung Colombia Humana erhielt demnach 41,83 Prozent.

Bei der Abstimmung ging es vor allem um die Zukunft des historischen Friedensabkommens mit der linken Guerillabewegung Farc. Der international bejubelte Friedensprozess ist in dem südamerikanischen Land selbst äußerst umstritten. Nach Einschätzung der Rechten hat der Staat den Rebellen zu viele Zugeständnisse gemacht. Beispielsweise müssen sie nur relativ milde Strafen fürchten und erhalten zehn garantierte Sitze im Parlament. Nach Ansicht der Linken hingegen erfüllt die Regierung ihre Zusagen an die Ex-Guerilleros wie Schutz vor Angriffen und Unterstützung bei der Rückkehr ins zivile Leben nicht.

Die Regierung und die Farc hatten den Bürgerkrieg im Herbst 2016 mit einem Friedensvertrag beigelegt. Duque kündigte an, den Vertrag in wesentlichen Punkten ändern zu wollen, er könnte damit die Ex-Rebellen zurück in den Untergrund treiben. "Der Frieden, nach dem wir streben, der Korrekturen erfordert, wird Korrekturen haben, damit die Opfer im Zentrum dieses Prozesses stehen, um Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu garantieren", sagte er nach seinem Sieg vor Anhängern in seiner Wahlkampfzentrale.

Petro räumte seine Niederlage ein und kündigte zugleich an, sich gegen grundlegende Änderungen am Friedensabkommen zu stellen. "Unsere Rolle besteht darin, nicht ohnmächtig zu sein und zuzusehen, wie es zerstört wird."

In dem mehr als 50 Jahre andauernden Konflikt waren mehr als 220.000 Menschen ums Leben gekommen und Millionen vertrieben worden. Die Farc haben inzwischen die Waffen niedergelegt und wollen künftig als politische Partei für ihre Ziele eintreten.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, der für das Abkommen den Friedensnobelpreis erhielt, scheidet am 7. August aus dem Amt. Zum Ende des Wahlkampfes hatte er an die Wähler appelliert, die "enorme Bedeutung" der Wahlen für Kolumbien zu bedenken und dazu aufgerufen, den Friedensprozess fortzuführen.

Was Duque nun angehen muss

Duque gilt als politischer Ziehsohn des rechten Ex-Präsidenten Álvaro Uribe. Ohne die Unterstützung seines prominenten Förderers wäre der bis vor Kurzem recht unbekannte Politiker nie so weit gekommen. "Er wird Präsident, weil ihn Uribe dazu gemacht hat", sagte Gimena Sánchez-Garzoli vom Forschungsinstitut Washington Office on Latin America. Uribe hat das Friedensabkommen wiederholt scharf kritisiert, das sein Nachfolger Santos mit der Farc ausgehandelt hatte.

Duque steht nun vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen: Er muss die große Armut im Land bekämpfen, die Friedensverhandlungen mit der kleineren Guerillaorganisation ELN zum Abschluss führen sowie gegen die sich ausbreitenden kriminellen Banden und den Drogenhandel vorgehen.

aar/dpa/AFP



insgesamt 5 Beiträge
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mig68 18.06.2018
1. Gott sei Dank
Ein Gegenpol zu Venezuelas Diktatur wurde gewählt. Glückwunsch an Colombia, der Weg der Entwicklung der letzten Jahre wird weiter beschritten. Colombia la patria grande de Simon Bolivar, que lo acogió después que Caracas lo traiciono.
mig68 18.06.2018
2. Noch besser
Colombia ist Nato Partner, die USA hat ihre Stützpunkte. Möglicherweise führt diese Wahl zu einem Ende der korrupten Narcoregierung in Venezuela. Am Ende Gerechtigkeit für das venezolanische Volk? Hoffentlich. Der Dank des venezolanischen Volkes wäre unendlich..
wolla2 18.06.2018
3. Armes Kolumbien
Ich hoffe, dass die FARC nun wieder in die Berge geht denn jetzt sind die Paramilitärs in Kolumbien an der Regierung und die Zeit der Straflosigkeit für Massenmörder findet wieder kein Ende.
florian29 18.06.2018
4. Danke Kolumbien!
Anders als wir 1989 beweist Kolumbien gesunden Menschenverstand: die kommunistischen Verbrecher wandern jetzt hoffentlich für lange Zeit in den Knast und nicht ins Parlament!
heavenstown 19.06.2018
5. Das Abkommen mit der FARC war die einzige Alternative...
... wenn das Abkommen gekündigt oder zu Ungunsten der ehemaligen FARC geändert werden sollte begibt man sich auf eine Stufe mit Trump..., das wird dann weiteres Blutvergießen und Bürgerkrieg bedeuten!
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