Bogotá - Der konservative Regierungskandidat Juan Manuel Santos hat die Stichwahl um das kolumbianische Präsidentenamt am Sonntag wie erwartet klar gewonnen. Für den 58-jährigen früheren Verteidigungsminister stimmten nach Auszählung von knapp 60 Prozent der abgegebenen Stimmen 69,21 Prozent der Wähler. Sein Kontrahent, der unabhängige Kandidat der kleinen grünen Partei, Antanas Mockus, erhielt nach Angaben der zentralen Wahlkommission 27,37 Prozent. Der Vorsprung von Santos galt als uneinholbar.
Santos hatte schon in der ersten Wahlrunde am 30. Juni mehr als doppelt so viele Stimmen wie Mockus erzielt und fast im ersten Anlauf gewonnen. Ihm kommt vor allem zugute, dass er die Politik des populären Amtsinhabers Uribe fortsetzen will, vor allem dessen kompromisslosen Kampf gegen die linke Rebellen-Organisation Farc; ebenso wie Uribes unternehmerfreundliche Politik. Darüber hinaus versprach Santos mehr Arbeitsplätze. Gegenkandidat Mockus hatte hingegen vor allem die Bedeutung von Bildung und Ethik in der Politik hervorgehoben.
Die Wahl wurde von Gewalt überschattet; die Beteiligung war extrem niedrig, sie lag bei nur etwa 40 Prozent. Farc-Mitglieder erschossen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Provinz Meta drei Soldaten, die Wahlunterlagen in einen abgelegenen Ort transportieren sollten.
Weitere sieben Polizisten seien in einem Minenfeld in der Provinz Norte de Santander nahe der Grenze zu Venezuela getötet worden. Acht Beamte, die dort zunächst als vermisst gemeldet wurden, seien wohlauf. Ebenfalls in Meta erschoss das Militär sechs Farc-Rebellen, die nach Angaben der Behörden Anschläge auf Wahllokale planten. Insgesamt waren 350.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz, um einen geordneten Wahlverlauf zu sichern.
Von den knapp 30 Millionen Wahlberechtigten gingen jedoch nur etwa 12 Millionen zur Abstimmung. Die Einschätzung, dass Santos ohnehin gewinnen würde, nannten politische Beobachter als wichtigsten Grund für die Wahlmüdigkeit. Zudem habe trübes Regenwetter und die Übertragung des WM-Spiels Brasilien-Elfenbeinküste viele Menschen von der Wahl abgehalten.
Der neue Präsident übernimmt am 7. August für vier Jahre das Amt von Uribe, der nicht mehr zur Wahl antreten durfte. Santos gilt als enger Vertrauter des bisherigen Präsidenten.
otr/Reuters
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