Bogotá/Berlin - Die kolumbianische Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN) hat nach eigenen Angaben zwei Deutsche entführt. Bei den beiden Männern handele es sich offenbar um Spione, behaupten die Rebellen auf ihrer Internetseite. Man habe die Männer - "angeblich deutscher Staatsbürgerschaft" - schon vor zwei Wochen in der Umgebung von Catatumbo im ostkolumbianischen Departement Santander rund hundert Kilometer vor der Grenze nach Venezuela gefangen genommen.
Die Rebellen bezeichnen ihre Gefangenen als Spione. "In den Wochen, in denen sie festgehalten werden, haben sie ihre Anwesenheit in diesem Gebiet nicht rechtfertigen können, weshalb sie vorerst als Geheimagenten betrachtet werden", heißt es im Kommuniqué der pro-kubanischen Guerilla. Spione stünden nicht unter dem Schutz des internationalen Völkerrechts. Niemand habe die Männer bislang als vermisst gemeldet, teilte die ELN weiter mit.
Die Bundesregierung hat sich in den Fall eingeschaltet, konnte die Entführung zunächst aber nicht bestätigen. "Das Auswärtige Amt geht den Hinweisen nach, dass zwei Deutsche in Kolumbien entführt seien, und steht mit allen relevanten Stellen in Kontakt", sagte ein Sprecher.
ELN hat auch andere Ausländer in ihrer Gewalt
Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos forderte die unverzügliche Freilassung der zwei Ausländer. "Wem könnte es einfallen, dass zwei Deutsche hier in Kolumbien spionierten? Das ist nur eine Ausrede, die niemand mit klarem Verstand akzeptiert", sagte Santos. Der Präsident machte die Guerillagruppe ELN für das Leben der beiden Gefangenen verantwortlich.
Die ELN hatte bereits am 18. Januar einen Kanadier, zwei Peruaner und zwei Kolumbianer entführt, die für ein Bergbauunternehmen im nordkolumbianischen Departement Bolívar arbeiteten. Die Rebellen erklärten damals, es gehe um "die Verteidigung der Ressourcen" Kolumbiens.
Die Sicherheitskräfte wüssten genau, wo diese fünf Entführten gefangen gehalten werden, sagte Staatschef Santos. "Wir bieten ihnen an, das Rote Kreuz (zur Übergabe) hinzuschicken, da wir nicht das Leben der Entführten mit einer Militäraktion aufs Spiel setzen wollen."
Die ELN ist nach der Farc die zweitgrößte Guerillaorganisation des südamerikanischen Landes. Sie besteht aus rund 3000 Kämpfern. Die USA und die Europäische Union halten ELN für eine Terrorgruppe.
Die Organisation hat mehrfach bekanntgegeben, dass sie bereit sei, an den in Kubas Hauptstadt Havanna laufenden Friedensverhandlungen der Regierung mit der Farc-Guerilla teilzunehmen.
Seit fast 50 Jahren bekämpfen sich in Kolumbien kommunistische Guerilleros und bürgerliche Regierungen. Mehr als 200.000 Menschen kamen dabei ums Leben - es ist einer der längsten bewaffneten Konflikte der Welt.
als/dpa/AFP/Reuters
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