Kolumbien Regierung und Farc unterzeichnen historischen Friedensvertrag

Kolumbiens Präsident und der Chef der Farc-Rebellen haben nach rund 50 Jahren Frieden geschlossen, das historische Abkommen ist offiziell unterschrieben. Nun steht noch die Volksabstimmung bevor.


"Eure Opferbereitschaft und euer Mut haben uns zu diesem großen Tag geführt. Der Friede ist der Sieg", schrieb Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos bei Twitter - und bedankte sich damit bei dem Militär und der Polizei im Land. Kurz darauf besiegelte er mit seiner Unterschrift ein historisches Abkommen: den Friedensvertrag mit den Rebellen der Farc-Guerilla.

Santos und Farc-Chef Rodrigo Londoño alias Timochenko trafen sich in der Hafenstadt Cartagena, um den Vertrag zu unterzeichnen - mit einem aus einer Gewehrkugel gefertigten Kugelschreiber. Darauf war zu lesen: "Unsere Vergangenheit wurde mit Kugeln geschrieben, die Bildung wird unsere Zukunft schreiben." Santos sagte nach der Unterzeichnung, fortan solle es keinen Krieg, keine Intoleranz und keine Gewalt mehr geben. "Die schreckliche Nacht ist vorüber. " Farc-Chef Timochenko rief eine "neue Ära" für das Land aus und bat erstmals alle Opfer des Konfliktes um Verzeihung.

Zahlreiche Politiker waren für den historischen Moment nach Cartagena gereist, darunter US-Außenminister John Kerry, Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, Friedensnobelpreisträger Kofi Annan und IWF-Chefin Christine Lagarde.

In dem mehr als 50 Jahre anhaltenden Konflikt zwischen den Streitkräften, rechten Paramilitärs und linken Guerillagruppen in Kolumbien sind mehr als 220.000 Menschen getötet worden, 45.000 Menschen gelten als vermisst. Mehr als sechs Millionen wurden vertrieben.

Was im Friedensvertrag steht

Der Friedensvertrag sieht eine Landreform, neue Ansätze im Kampf gegen den Drogenhandel und eine Entschädigung der Opfer vor. Innerhalb von sechs Monaten sollen die Rebellen nun unter Aufsicht der Vereinten Nationen ihre Waffen niederlegen. Künftig wollen die Farc politisch für ihre Ziele eintreten. In den kommenden zwei Wahlperioden bekommen sie zehn Abgeordnetenmandate garantiert.

In den fast vierjährigen Friedensverhandlungen in Kuba vereinbarten beide Seiten zudem ein eigenes Justizwesen zur Aufarbeitung der Verbrechen des Konflikts. Für politische Straftaten wird eine weitreichende Amnestie gewährt. Wer seine Beteiligung an schweren Verbrechen einräumt, muss mit einer Freiheitsstrafe von höchstens acht Jahren rechnen.

Das Abkommen muss am kommenden Sonntag noch in einer Volksabstimmung gebilligt werden. Umfragen zufolge liegen die Befürworter des Vertrags vorn. Die Gegner kritisieren vor allem, dass die Guerillakämpfer mit relativ milden Strafen davonkommen.

"Wir sagen Nein zu den Terroristen, Nein zu diesem schlechten Vertrag", sagte beispielsweise der frühere kolumbianische Staatschef Alvaro Uribe bei einer Demonstration in Cartagena. Während seiner Amtszeit von 2002 bis 2010 starteten die Sicherheitskräfte eine massive Offensive gegen die Farc. Uribe macht die Rebellen für die Ermordung seines Vaters verantwortlich und wirbt öffentlich für eine Ablehnung des Friedensvertrags.

EU will Farc von Terrorliste streichen

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini kündigte an, zeitgleich mit der Vertragsunterzeichnung die Farc von der Terrorliste zu nehmen. Gegen Personen und Körperschaften auf der Liste sind unter anderem Vermögenssperren in Kraft. "Heute sendet Kolumbien eine Botschaft der Hoffnung an den Rest der Welt", erklärte Mogherini.

Zudem kündigte sie die Gründung eines Treuhandfonds mit einem Umfang von 600 Millionen Euro an, an dem sich viele EU-Staaten beteiligen wollten. Die EU wolle bei der Umsetzung der Vereinbarung helfen, sobald das kolumbianische Volk sie abgesegnet hat, sagte Mogherini. "Dies würde die machtvolle Botschaft senden, dass alle Konflikte ein Ende finden können."

aar/dpa

insgesamt 3 Beiträge
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butzibart13 27.09.2016
1. Geht da später mehr?
Santos, der ehemalige Kaffee- und Zeitungsmanager und jetzige Präsident Kolumbiens, ein Kandidat für einen späteren Friedensnobelpreis? Auf alle Fälle ist er einer der wenigen, die sich zur Zeit positiv aus der Menge der Staatschefs dieser Welt hervorhebt.
msvanessacheng 27.09.2016
2.
Zitat von butzibart13Santos, der ehemalige Kaffee- und Zeitungsmanager und jetzige Präsident Kolumbiens, ein Kandidat für einen späteren Friedensnobelpreis? Auf alle Fälle ist er einer der wenigen, die sich zur Zeit positiv aus der Menge der Staatschefs dieser Welt hervorhebt.
Der Friedensvertrag ist nur dank Kuba Realität geworden. Ohne den Beitrag Santos herunterzuspielen, denke ich, dass Castro "Jr." den Nobelpreis verdient, auch für seine Öffnung des Landes.
cemalaslan01 27.09.2016
3. Respekt
Den Mut aufzubringen und über Kopfe hinweg mit dem Feind einen Krieg zu beenden der fast zwei Generationen dauerte verdient die höchste Anerkennung und ist mal was positives in diesem alltäglichen Wahnsinn den man sonst überall liest und hört. Alle beteiligten für den Nobelpreis vorschlagen.
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