Kolumbien: Viele Tote bei Kämpfen zwischen Rebellen und Armee

Farc-Rebellen in Caquetá (Archivbild): Friedensgespräche bedroht Zur Großansicht
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Farc-Rebellen in Caquetá (Archivbild): Friedensgespräche bedroht

Tote und Verletzte in Kolumbien: Farc-Rebellen und Regierungssoldaten haben sich heftige Gefechte geliefert. Die blutigen Vorfälle könnten die laufenden Friedensgespräche belasten - die Guerilla hatte zudem kürzlich angekündigt, eine US-Geisel freizulassen.

Bogotá - Bei Gefechten zwischen Farc-Rebellen und der Regierungsarmee sind am Wochenende in Kolumbien viele Menschen getötet worden. Mindestens 21 Soldaten sollen ums Leben gekommen sein. Die Armee bestätigte zunächst den Tod von vier Soldaten.

Die sechs Farc-Rebellen wurden am Samstag bei Gefechten in der südlichen Provinz Caquetá getötet, einer Hochburg der linksgerichteten Guerilla. Zudem gab es mehrere Verletzte. Die kolumbianische Zeitung "El País" berichtete, dass am Samstag zudem in dem an Venezuela angrenzenden östlichen Department Arauca 17 Soldaten bei Feuergefechten gefallen seien.

Die Kämpfe ereigneten sich demnach am Samstag in der Stadt El Doncello im Departamento Caquetá, dafür gab es aber zunächst keine offizielle Bestätigung. Unklar blieb, ob an den Gefechten in Arauca Mitglieder der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) oder der marxistischen Farc beteiligt waren.

Die Vorfälle dürften die seit Monaten laufenden Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und den Farc-Rebellen belasten. Die Verhandlungen mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) waren im vergangenen Oktober in Oslo aufgenommen worden.

Farc will US-Geisel freilassen

Am Samstag hatte die Farc-Guerilla erklärt, seit Ende Juni befinde sich ein US-Soldat in ihrer Gefangenschaft. Als Zeichen ihres guten Willens werde sie den "Kriegsgefangenen" freilassen. Damit werde ein Beitrag für Fortschritte bei den Friedensverhandlungen mit der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos geleistet, hieß es weiter.

Für die Freilassung des Soldaten schlug die Guerilla die Bildung einer Mission vor. Ihr sollten die frühere liberale Senatorin Piedad Córdoba und Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) angehören. Ein IKRK-Sprecher sagte, seine Organisation sei in Kontakt mit den Konfliktparteien und bereit, zur Freilassung des US-Soldaten beizutragen. Der US-Botschafter in Bogotá, Michael McKinley, erklärte unterdessen, bei der Geisel handele es sich um einen Touristen, der früher einmal bei den US-Marines gewesen sei. Mit dem bewaffneten Konflikt in Kolumbien habe der Mann nichts zu tun.

Die USA unterstützen Kolumbien seit mehr als zehn Jahren militärisch und logistisch im Zuge von Aufstandsbekämpfung und Anti-Drogen-Kampf. Die Gespräche zwischen den Rebellen und der Regierung sollen am 28. Juli fortgesetzt werden. Derzeit steht die Teilhabe der Farc-Guerilla am politischen Prozess im Mittelpunkt. Im Mai hatten beide Seiten in der zentralen Frage der Landreform eine Einigung erzielt. Neben der politischen Partizipation stehen noch Themen wie der Drogenhandel, der Verzicht auf den bewaffneten Kampf durch die Rebellen und Entschädigungen für Opfer des Konflikts auf dem Gesprächsprogramm.

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens wurden 1964 im Kampf gegen Großgrundbesitzer gegründet. Immer wieder gibt es in dem südamerikanischen Land bewaffnete Auseinandersetzungen um Landbesitz, Drogen- und Waffenhandel, häufig werden dabei Menschen als Geiseln genommen. In dem Konflikt mit der Regierung und ultrarechten Paramilitärs wurden nach amtlichen Angaben 600.000 Menschen getötet und fast vier Millionen Menschen vertrieben. Die Farc-Guerilla ist die größte Rebellengruppe in Kolumbien. Schätzungen zufolge verfügt sie über rund 8000 Kämpferinnen und Kämpfer. Die Guerillaorganisation Nationales Befreiungsheer (ELN) mit etwa 2500 Kämpfern hält sich derzeit abseits vom Friedensprozess.

lgr/dpa/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Kolumbien könnte die Schweiz Südamerikas werden,
ulli7 21.07.2013
wenn die Regierung die Probleme mit FARC und ELN in den Griff bekäme. Die Chancen stehen eigentlich nicht schlecht, weil sich das schöne Land im wirtschaftlichen Aufschwung befindet.
2. #1 @ulli7: Kompliziert
michaelkaloff 21.07.2013
Eine rein militärische Lösung wird es wohl kaum geben, das zeigt die Vergangenheit. Die Alternativen sind ebenfalls sehr komplex. Schließlich handelt es sich um einen Faktorenkomplex, der u.a. auch die Paramilitärs und den Drogenhandel beinhaltet. Was Kolumbien an sich angeht, gebe ich Ihnen völlig recht.
3. Falsche Fragestellung
Haywood Ublomey 21.07.2013
Zitat von ulli7wenn die Regierung die Probleme mit FARC und ELN in den Griff bekäme. Die Chancen stehen eigentlich nicht schlecht, weil sich das schöne Land im wirtschaftlichen Aufschwung befindet.
FARC und ELN sind ja nicht vom Himmel gefallen. Die Gründe, die zu ihrer Bildung führten, sind immer noch da, wenn auch vielleicht nicht mehr ganz so kraß wie vor fünfzig Jahren. In wenigen Ländern Amerikas vertreten die wechselnden Regierungen so ungeniert die Interessen der Oligarchie – deshalb können sie die Probleme gar nicht „in den Griff bekommen“. Sie bekämpfen zwar die Symptome mit militärischen Mitteln, von den Wurzeln des Konflikts lassen sie jedoch bestenfalls die Finger – wenn sie sie nicht sogar gießen und düngen.
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