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G7-Gipfel ohne Putin: Ein mächtiger Fehler

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Russlands Präsident Putin: Ausschluss stärkt ihn innenpolitisch

Im oberbayerischen Schloss Elmau tagen am Wochenende die Anführer der mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt. Wladimir Putin darf nicht dabei sein - obwohl er der wichtigste Gast gewesen wäre.

Wie kann man nur. Im Osten der Ukraine wird weiter gekämpft und gestorben, und da wagt es jemand, Verständnis für Wladimir Putin zu äußern?

Gerade wurde bekannt, dass 89 Politiker aus der Europäischen Union nicht mehr nach Russland einreisen dürfen, eine offensichtliche Retourkutsche für die europäischen Einreiseverbote und Wirtschaftssanktionen gegen Russland, und da soll man dem russischen Alleinherrscher etwa einen roten Teppich ausrollen?

Rauchender Schlot und säuselnder Sozi

Es fällt leicht, all jene verächtlich zu machen, die jetzt kritisieren, dass der russische Präsident Wladimir Putin nicht zum Gipfel der Mächtigen nach Deutschland geladen worden ist.

Helmut Schmidt? Ein rauchender Schlot aus der Vergangenheit, stecken geblieben im alten Denken, besser sollte er sich aus der Öffentlichkeit heraushalten, seine Zeit ist abgelaufen.

Der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft und ihr Vorsitzender Eckhard Cordes? Eine Bande von Geschäftemachern, die nur ihren Profit im Sinn haben, denen das Völkerrecht egal ist und das Schicksal der Menschen in der Ukraine gleich mit.

Matthias Platzeck, der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums? Noch so ein säuselnder, Putin-verstehender Sozi, der nicht begriffen hat, dass der Russe nur mit Härte zu beeindrucken ist.

Und Thomas Schwarzenberger von der CSU, der gesagt hat, er hätte Putin gern in seiner Gemeinde begrüßt? Ja mei, ein Provinzbürgermeister halt. Der soll froh sein über die neuen Handymasten und frisch betonierten Straßen, die ihm der Gipfel beschert, und ansonsten möglichst schweigend für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

G7-Tagungsort Schloss Elmau: Schön gemütlich ohne den bösen Russen Zur Großansicht
Schloss Elmau

G7-Tagungsort Schloss Elmau: Schön gemütlich ohne den bösen Russen

Putin kann sich weiter einigeln

Das kann man alles sagen - und doch bleibt es dabei: Putin hätte eingeladen werden müssen. Man muss sich, um diesen Standpunkt zu begründen, nicht wie Helmut Schmidt ein historisches Verständnis für Russlands aggressive Hegemonialpolitik abringen. Es ist auch nicht nötig, sich dafür auf unter den Sanktionen leidende deutsche Unternehmen zu berufen. Man muss nicht einmal darauf verweisen, dass ohne Russland kaum ein Problem auf diesem Globus zu lösen ist, ob nun der Klimawandel, der Terrorismus, die Verbreitung von Atomwaffen oder die Konflikte in Syrien, Irak oder dem Nahen Osten.

Es reicht, festzustellen, dass der Ukraine nicht geholfen ist, wenn der russische Präsident sich weiter einigeln kann. Putin wurde wegen des Krieges in der Ostukraine nicht eingeladen - als Strafe dafür, dass er die Separatisten mit Waffen und wohl auch Soldaten unterstützt. Er destabilisiert die Ukraine, weil er Russlands Interessen vom Heranrücken der Nato bedroht sieht. Er sieht darin einen Beleg dafür, dass Russland vom Westen nicht für voll genommen wird, dass dieser riesigen Nation nicht der ihr gebührende Respekt entgegengebracht wird. Nach seiner Logik hat man seinem Land nie eine echte Partnerschaft geboten, darum lässt er alle Rücksicht fahren.

Wird ihn die Nichteinladung nun zur Einsicht bringen? Selbstverständlich nicht. Während im schönen Elmau die G7-Staatschefs ganz unter sich und einig in ihrer Ablehnung Russlands dinieren, kann Putin in Moskau nach Westen blicken und sich bestätigt fühlen: Sie wollen uns nicht. Darum wollen wir auch nicht. Sein Ausschluss, als Russlands Ausschluss aus der Weltgemeinschaft erzählt, wird daheim den Rückhalt für Putins Politik stärken. Mehr noch: Er macht es ihm innenpolitisch praktisch unmöglich, Zugeständnisse zu machen, selbst wenn er das denn wollte.

Der Krieg ist nicht mit Schweigen zu beenden. Wer, wenn nicht die sieben mächtigsten Menschen dieses Planeten, hätte die Möglichkeit, Wladimir Putin vereint zur Vernunft zu bringen? Sie hätten die Chance gehabt, von Angesicht zu Angesicht. Sie haben sie vertan.

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G7 ohne Putin - ein Fehler?

In Elmau treffen sich die mächtigsten Staatschefs der Welt - Wladimir Putin darf wegen der russischen Intervention in der Ostukraine nicht dabei sein. Finden Sie das richtig?

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Jeannette Corbeau
Stefan Kuzmany leitet den Bereich Meinung und Debatte bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Stefan_Kuzmany@spiegel.de

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1.
tolate 02.06.2015
Wie nennt man das, wenn etwas auf der Hand liegt, aber partout nicht gesehen werden kann? Pseudodebiles Verhalten, sofern eine massive Drohung als Beweggrund für die Begriffsstutzigkeit ausgeschlossen ist. Als Verhaltensstörung gewissermaßen ansteckend, und nur schwer zu behandeln, wenn ein sekundärer Krankheitsgewinn mit im Spiel ist.
2. schon alles Gesagt
stefan.p1 02.06.2015
Eigentlich ist ja schon alles über diesen Konflikt geschrieben worden. Eigentlich sollten sich auch alle westlichen Politiker darüber klar sein das es ohne Rußland keine Lösungen der weltweiten Krisen geben wird. Leider haben Merkel,Obama und Co nicht die Größe über den Schatten der Antipatie gegenüber Putin zuspringen. Deshalb wird es erst eine Lösung mit neuem Regierungspersonal geben. PS. Mit Schröder oder auch Kohl als Bundeskanzler wäre der Konflikt nie so eskaliert.
3. G 7 oder G 8
kosu 02.06.2015
Die angeblichen mächtigsten Industrienationen? Die Wirtschaftsleistung von China - die 1 Milliarde in Indien. Ganz Europa und die USA Ihre angeblichen Vertreter Ca. 900 Millionen wollen 6 Milliarden erklären es wird gemacht was wir beschließen. Deren Wohlstand beruht aus 500 Jahren Ausbeutung -Eroberung - Unterdrückung und Krieg gegen die Menschheit. Und jetzt auf einmal sind diese Menschen und Länder das Gute wo kam der Sinneswandel her? Es geht um Machterhalt und wie kann man die 6 Milliarden unten halten und weiter Ausbeuten und mit Krieg überziehen. Der Export der großartigen Westlichen Werte wie Diktatur-Mord-Ausbeutung-Zins und Zinessystem mus s. Erhalten bleiben damit die 6 Milliarden den Wohlstand sichern als billigste Lohnsklaven. Wer soll sonst unsere Klammotten nähen und unseren Konsumschrott zu sammenbasteln? In der BRD Max. Gastarbeiter oder Flüchtlinge aus Afrika. Der normale Deutsche nicht. 350 Millionen teuro dafür bezahlen die deutschen Werktätigen damit ein paar geistig Verwirrte 3-4 schöne Tage haben um zu beraten wie Erhalten Sie Ihr Schuldsystem damit ein paar Bankster und Arbeitsfoule mit Ihren Zinsen die Welt weiter ausbeuten können.
4. Es ist im Prinzip. ...
joG 02.06.2015
.....egal, ob er da ist, soweit es sich um internationale Sicherheit geht. Er war die ganze Zeit dabei als Georgien geschah. Er war bei den Meetings vor Syrien oder Ukraine. Es is eine nette Selbsttäuschung, dass es nützt einen solchen Autokraten einzuladen. So löst man das Problem nicht und anderes zu glauben ist nicht nur naiv. Es ist hochgradig gefährlich.
5. Sinnvoll?
AllesnureinWitz 02.06.2015
Nach drei Tassen Kaffee blinzelt der russische Präsident etwas verschämt in die Runde und sagt: "Upsi, das mit der Krim und der Ostukraine war vielleicht ein wenig überzogen. Dreifaches Sorry!" Dann fallen sich alle G7+1 -Teilnehmer in die Arme und haben sich wieder lieb. Auch in der Ukraine ist alles wieder beim besten. Längst haben Kämpfer beider Seiten alles schon wieder vergessen. Die über 6000 Toten steigen aus ihren Gräbern hervor und die Häuser sind noch vor dem Abendbrot wieder aufgebaut. Ja, hätte man Putin doch nur zu den G7 eingeladen - dann wäre dieses Szenario total realisitsch.
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