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Nuklearstreit mit Teheran: Die iranische Bombe tickt wieder

Ein Kommentar von Ralf Neukirch

Atomanlage in Iran: Stockende Verhandlungen Zur Großansicht
REUTERS

Atomanlage in Iran: Stockende Verhandlungen

Bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm läuft an diesem Montag eine wichtige Frist ab. Alles deutet auf eine abermalige Verlängerung hin. Sie wäre ein fatales Signal - denn die Chancen auf Einigung schwinden.

Sie reden über Zentrifugen, Schwerwasserreaktoren und Urananreicherung, über eine Menge komplizierter technischer Details. Dabei geht es, wenn die Gespräche der Veto-Mächte des Uno-Sicherheitsrats plus Deutschland mit dem Iran heute in die entscheidende Phase treten, im Kern um eine politische Frage: Ist Teheran bereit, sein Atomprogramm so weit herunterzufahren, dass der Iran zum Bau einer Bombe mindestens ein Jahr benötigen würde?

Heute läuft in Wien die Frist für eine Verhandlungslösung aus. Es spricht viel dafür, dass sich die sieben beteiligten Außenminister auch zehn Jahre nach Beginn der Gespräche nicht einigen werden. Die Positionen sind immer noch weit auseinander. Es fehlt Vertrauen, vor allem zwischen den USA und dem Iran. Warum also die Gespräche nicht noch einmal vertagen? Auf ein Jahr mehr oder weniger, so argumentieren viele, kommt es nicht an.

Eine Verlängerung der Verhandlungen, wie es sie im Juli bereits gegeben hat, wäre eine hochriskante Entscheidung. Eine Lösung würde in den kommenden Monaten nicht einfacher, im Gegenteil. Wenn Wien jetzt keine Einigung bringt, dann rückt ein Atom-Deal in weite Ferne. In Washington nimmt im Januar ein Kongress die Arbeit auf, dessen beide Kammern von den Republikanern dominiert werden. Die Iraner fragen sich schon jetzt, ob Barack Obama für eine Verhandlungslösung zu Hause überhaupt eine Mehrheit fände. Selbst neue Sanktionen sind denkbar. Sie wären ein fatales Signal.

Auch für den iranischen Präsidenten Hassan Rohani dürfte die Lage in den nächsten Monaten nicht einfacher werden. Er braucht eine Aufhebung der Sanktionen, damit sich die wirtschaftliche Lage im Land verbessert. Sonst droht ein Triumph seiner konservativen Widersacher bei der anstehenden Parlamentswahl. Die sehen jedes Zugeständnis an die Amerikaner ohnehin skeptisch.

Sollten die Gespräche in Wien kein Ergebnis bringen, dann wäre die Chance auf eine Einigung wohl für längere Zeit dahin. Umso wichtiger, dass die Außenminister heute bis zur letzten Sekunde für ein Abkommen kämpfen. Die Situation im Nahen Osten ist schlimm genug. Ein Signal der Hoffnung könnte die Welt gut gebrauchen.

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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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