Komplott gegen Mugabe: Wie Milliardär Branson Simbabwes Diktator schassen wollte

Simbabwes Diktator Robert Mugabe klammert sich seit mehr als 30 Jahren an die Macht. Um den Despoten loszuwerden, wollte sich der Milliardär Richard Branson 2007 mit einer Gruppe afrikanischer Staatsmänner zusammentun. Der Plan scheiterte, nun berichtet der Brite von den Details.

Machtkampf in Simbabwe: Branson und der Abtrittsplan Fotos
AP

Harare/Los Angeles - Der Brite Richard Branson ist eine schillernde Figur. Der Milliardär will Touristen in den Weltraum bringen, plant Tauchgänge in die Tiefsee und kämpft gegen die Ausrottung bedrohter Haie. Der Gründer des Virgin-Imperiums liebt Herausforderungen - auch politische, wie sich jetzt herausgestellt hat. Er räumt ein, 2007 Pläne gemacht zu haben, um Diktator Robert Mugabe endlich aus dem Amt zu drängen. Der herrscht seit 1980 in Simbabwe.

Die Verhandlungen in Afrika waren in einer US-Depesche beschrieben worden, die die Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht hatte. Branson selbst bestätigte dies nun dem britischen "Independent": Er habe damals Gespräche zwischen einem ehemaligen Mugabe-Minister und einigen respektablen afrikanischen Staatsmännern organisiert, sagte Branson laut der Zeitung. Zudem will er mit einem direkten Vertrauten des Diktators über einen Plan gesprochen haben, wie Mugabe aus dem Amt zu locken sei.

Branson berichtet von mehreren Treffen vor vier Jahren. Beteiligt sollen gewesen sein:

  • Jonathan Moyo: Einst scharfer Kritiker von Mugabe, war er 2000 bis 2005 Informationsminister in Simbabwe. Derzeit ist er Parlamentsabgeordneter.
  • Gideon Gono: Ein enger Vertrauter Mugabes, er leitet seit November 2003 die Zentralbank von Simbabwe.

Branson will sich mit Gono 2007 in einem Flughafen in Südafrika getroffen haben, ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen in Simbabwe. Es habe mehrere Ideen gegeben, wie man den Diktator aus dem Amt locken könne, sie seien bei einem späteren Treffen in Johannesburg mit Moyo besprochen worden.

Der Plan des Briten und der zwei Simbabwer sah laut der Zeitung Folgendes vor: Nelson Mandela, Südafrikas Ex-Präsident, und andere Persönlichkeiten der Region sollten mit Mugabe sprechen. Nach Bransons Vorstellungen sollten das Mitglieder der Gruppe "The Elders" sein - ein Zusammenschluss aus prominenten Politikern, Wirtschafts- und Kirchenvertretern um Mandela. Sie sollten dem Diktator taktvoll vermitteln, dass sie sein Vermächtnis und die Zukunft seines Landes sichern würden, indem sie einen friedlichen Machtwechsel organisieren würden, dem Mugabe "in Würde" zustimmen könne.

Außerdem sollten sie dem Diktator Immunität zusichern und ihm die Möglichkeit anbieten, selbst einen Ministerpräsidenten für den Übergang zu ernennen. Im Gegenzug sollte sich der mittlerweile 87-jährige Despot an einem Versöhnungsprozess nach dem Vorbild Südafrikas beteiligen.

Doch am Ende platzte der Deal. Moyo schien Branson und seinen Leuten zu unseriös: Es habe "ernste Bedenken" gegeben, ob der frühere Minister und seine Unterstützer die Richtigen seien, um einen Staat nach Mugabe in Simbabwe aufzubauen, sagte der Brite der Zeitung.

Gono will sich zu den Veröffentlichungen nicht äußern. Moyo spricht von einer netten einmaligen Plauderei mit Branson, 2007 beim Check-in am Johannesburger Flughafen - mehr sei nicht gewesen.

Branson bestritt allerdings, er habe Mugabe rund 7,4 Millionen Euro für einen Rücktritt bieten wollen. Der britische Milliardär, geschätztes Vermögen 2,5 Milliarden Euro, sagte: "Das wäre noch günstig gewesen, aber es stimmt einfach nicht."

heb

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