Konferenz in Marrakesch: 130 Länder erkennen syrische Opposition an

Noch regiert Machthaber Assad in Syrien - doch die internationale Gemeinschaft bereitet sich schon jetzt auf die Zeit nach seinem Sturz vor. 130 weitere Länder akzeptierten in Marrakesch die Opposition als Vertreter des Landes. An den Diktator schickten sie eine deutliche Warnung.

Syrische Demonstranten mit Flagge der Opposition: Anerkennung in Marrakesch Zur Großansicht
REUTERS

Syrische Demonstranten mit Flagge der Opposition: Anerkennung in Marrakesch

Marrakesch - Seit rund zwei Jahren tobt der blutige Bürgerkrieg in Syrien, ein Ende scheint derzeit nicht in Sicht. Trotzdem stellen viele Länder bereits die Weichen für die Phase nach dem Abgang von Präsident Baschar al-Assad. Das syrische Oppositionsbündnis wird von immer mehr Ländern international als legitime Vertretung des Landes anerkannt.

Bei einem Treffen von Vertretern aus 130 Staaten im marokkanischen Marrakesch am Mittwoch beschlossen diese, nach dem Vorbild der USA und europäischer Staaten die Opposition offiziell anzuerkennen.

Zugleich forderten die Länder einem Reuters vorliegenden Entwurf zufolge den Rücktritt von Präsident Assad. Die Länder warnten den Staatschef eindringlich vor einem Einsatz von Chemiewaffen gegen die Bevölkerung.

Zuvor hatten schon Großbritannien und Frankreich das Oppositionsbündnis anerkannt. Auch die Europäische Union (EU) hat erklärt, sie betrachte das Bündnis als legitime Vertretung der syrischen Bevölkerung.

Am Dienstag waren die USA nachgezogen. Das Oppositionsbündnis sei der "legitime Vertreter der syrischen Bevölkerung", hatte US-Präsident Barack Obama dem Fernsehsender ABC News gesagt. Das ist ein großer Schritt", so Obama. "Die Anerkennung bedeutet natürlich auch Verantwortung", unterstrich der Präsident.

Wie ABC unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, gehe mit der Anerkennung nicht die Aufnahme von Waffenlieferungen an die Gegner des syrischen Präsidenten Assad einher. Jedoch sei damit eine Tür in diese Richtung geöffnet worden.

Kritik an der Entscheidung Washingtons kam aus Russland. "Ich war etwas überrascht, herauszufinden, dass die USA über ihren Präsidenten die nationale Koalition als legitimen Vertreter des syrischen Volkes anerkannt haben", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow laut russischen Nachrichtenagenturen. Die USA hätten sich damit offenbar entschieden, "alles auf einen bewaffneten Sieg dieser Koalition zu setzen".

Am Montag hatten die EU-Außenminister das im November gebildete Oppositionsbündnis Syrische Nationale Koalition anerkannt. Der Konflikt zwischen der Regierung von Präsident Assad und der Opposition dauert seit März 2011 an. Vor allem um die Metropolen des Landes toben immer wieder blutige Auseinandersetzungen. Seit Beginn des Krieges wurden Schätzungen zufolge mehr als 42.000 Menschen getötet.

jok/Reuters/AP

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1. da ist er
tobilino 12.12.2012
schon am horizont zu erkennen,der nächste islamische gottesstaat. wieder gefördert von den ungläubigen,die dann später von diesen staaten bekämpft werden. wenn das bin laden noch erlebt hätte.
2. ...und dann...
mabo08 12.12.2012
ist wieder jedermann erstaunt wenn sich ein clanchef den ganzen Scheiß unter den Nagel reißt... siehe Ägy.Alg.Tun. etc...
3.
gbk666 12.12.2012
130 Länder..darunter Deutschland erkennen also Islamisten als legitime Opposition an. Bis sie diese dann in ein paar Jahren bekriegen da sie "Horte des Terrors" wurden. Bzw sie gerne zu solchen gemacht werden. Der Islam wird sich als großes Damoklesschwert für die arabischen/muslimischen Nationen herausstellen.
4. der anfang vom ende
lebenslang 12.12.2012
damit geht das assad-regime in die letzte runde, in den finalen verzweiflungskampf eines international geächteten outlaws. schade, das einige despoten diesen finalen verzweiflungskampf bis zum bitteren ende auf dem rücken der eignen bevölkerung ausfechten müssen (wir deutschen kennen das). was für ein segen wäre es für syrien gewesen wenn assad vor 2 jahren den reformbekundungen seiner bevölkerung stattgegeben hätte und nicht als antwort auf sie geschossen hätte. jetzt ist das land ruiniert, tummelplatz für alle die gerne eine waffe tragen, tummelplatz für bigotte fanatiker aller schattierungen, das land ist ethnisch gespalten, wirtschaftlich ausgeblutet, zivilgesellschaftlicher zusammenhalt brutaler willkür gewichen. je länger assad an der macht festhält desto schlimmer wird es, gewinnen kann er nicht mehr. es wäre - wenn er noch einen funken verantwortung für sein volk und sein land hätte - jetzt zeit für den letzten versuch die machtübergabe doch noch einigermaßen geordnet über die bühne zu bringen, bevor ein beißen und stechen über die verteilung des felles des bären die zukunft des landes ersetzt.
5. Ein Fortschritt
trackerdog 12.12.2012
Ein Diktator wird geächtet und Al Qaida als rechtmäßige Opposition anerkannt. Das moslemische Länder, in denen selbst die Islamisten regieren, damit kein Problem haben kann ich verstehen. Aber warum der Westen seine ärgsten Feinde aufwertet und unterstützt, das werde ich nie verstehen. So langsam habe ich das Gefühl, dass in der westlichen Welt alles verlorengeht, was uns noch vor Jahrzehnten als Werte und Kultur wichtig war.
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

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