Aus Tawang berichtet Padma Rao
Seine Militärs bleiben dennoch skeptisch. Sie fühlen sich der chinesischen Armee in jeder Hinsicht unterlegen, und das werde sich nicht ändern, so ein Brigadegeneral, solange federfuchsige Hauptstadt-Bürokraten die Modernisierung des Waffenarsenals behinderten: "Die Welt ist fixiert auf einen möglichen Konflikt mit Pakistan, obwohl wir dort alles im Griff haben. Dagegen wären wir für China eine leichte Beute."
Zurzeit herrscht allenfalls ein Krieg der Nadelstiche: Premier Singh besuchte Arunachal Pradesh wegen der Regionalwahlen am 13. Oktober - Peking protestierte gegen diese Reise in ein "umstrittenes Gebiet".
Auch weiterhin blockiert die Pekinger Regierung Indiens Aufnahme als ständiges Mitglied in den Uno-Sicherheitsrat. Regionale Pläne, wie zum Beispiel die Finanzierung von Wasserprojekten in Arunachal Pradesh durch die Asian Development Bank, versuchte Peking zu verhindern. Das gemeinsam geplante Projekt einer Erdbeben-Messstation am Fuße des Mount Everest haben die Chinesen ohne Indien begonnen. Indien unterstellt, dass die Chinesen, die noch eine weitere seismografische Station in Grenznähe betreiben, nach indischen Nukleartests spüren wollen.
Ohnehin ist Indien umzingelt. In Burma, Sri Lanka und Pakistan baut China Häfen, Kohlekraftwerke, Straßen und Eisenbahnlinien, um seine Präsenz am Indischen Ozean zu erhöhen. Für fast alle indischen Nachbarn ist die Volksrepublik wichtigster Waffenlieferant, nicht zuletzt für Pakistan. "Mit aller Kraft" sollte gerade diese Kooperation "gebrochen werden", fordert der frühere Justizminister Subramanian Swamy.
Während sich Indiens Soldaten im Himalaja auf den eisigen Winter vorbereiten, beten die Mönche des Klosters in Tawang, dass der Dalai Lama seine Reise nicht womöglich in letzter Minute stornieren möge. Denn Peking hat schon in schärfsten Tönen dagegen protestiert - woraufhin Indiens Außenminister Somanahalli Mallaiah Krishna unverzüglich betonte, der Exilant habe "die Freiheit, in Indien zu reisen, wohin er will".
"Der chinesische Drache ist ein sehr cleverer Drache", sagt der Mönch Thubten Shastri und macht sich auf dem Weg, um für den "Gottkönig" mit der Brille ein Bündel Räucherstäbchen zu entzünden und zu beten. "Dem Drachen kann man niemals trauen."
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