Konflikt der Religionen Terroristen töten mehr als 120 Menschen in Nigeria

Bei den Terroranschlägen in Nigeria sind deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen als bisher bekannt. Krankenhäuser in der Stadt Kano melden mindestens 120 Todesopfer. Zu den Attacken auf mehrere Polizeiwachen hat sich die radikalislamische Sekte Boko Haram bekannt.

Brennendes Polizeirevier: "Panik und Chaos"
REUTERS

Brennendes Polizeirevier: "Panik und Chaos"


Kano - Zahlreiche Gebäude standen in Flammen, noch am Samstagmorgen waren in den Straßen von Kano Schüsse zu hören. Die radikalislamische Sekte Boko Haram hat im Norden Nigerias mehrere Attentate verübt. Dabei kamen deutlich mehr Menschen ums Leben, als die Behörden bisher gemeldet haben. Nach Angaben örtlicher Kliniken muss von mindestens 120 Toten ausgegangen werden.

Am Freitagabend hatten offizielle Stellen noch von sieben Todesopfern gesprochen. Die koordinierte Serie von Anschlägen auf das Polizeihauptquartier sowie drei weitere Polizeistationen in der zweitgrößten Stadt Nigerias habe "Panik und Chaos" ausgelöst, sagte der Leiter des örtlichen Katastrophenschutzes, Abu Gabriel.

Unter anderem war ein Selbstmordattentäter mit seinem Auto auf das Gelände des regionalen Polizeihauptquartiers gefahren und hatte dort einen Sprengsatz gezündet. Die Behörden verhängten ein 24-stündiges Ausgehverbot für Kano.

Die Sekte Boko Haram bekannte sich dem nigerianischen Fernsehen zufolge zu den Anschlägen und bezeichnete sie als "Vergeltungsmaßnahmen" nach jüngsten Verhaftungen von Mitgliedern der Terrororganisation. Sie fordert die Einführung der Scharia im ganzen Land.

Ein Korrespondent des Fernsehsenders Channel Television wurde am Freitagabend erschossen, als er in Kano über die Anschläge der Sekte berichtete. Der 31-Jährige habe Menschen am Tatort gefilmt und nicht gewusst, dass es sich bei ihnen um bewaffnete Mitglieder von Boko Haram gehandelt habe.

Das Komitee zum Schutz von Journalisten mit Sitz in New York teilte zudem am Samstag mit, ein Nachrichtenredakteur des staatlichen Radiosenders Highland FM sei am Donnerstag in der Stadt Jos tot aufgefunden worden. Kollegen gingen davon aus, dass der 46-Jährige ermordet worden sei.

Sekte stellte Christen ein Ultimatum

Nigeria wird immer wieder von Terroranschlägen der Islamisten erschüttert, die ihre Basis im überwiegend islamischen Norden des bevölkerungsreichsten Staates Afrikas haben. An den Weihnachtstagen und Anfang Januar waren bei mehreren Bombenanschlägen und Überfällen auf christliche Kirchen im Norden Nigerias Dutzende von Menschen getötet und viele andere verletzt worden.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan hatte vorübergehend den Ausnahmezustand über vier Regionen verhängt und die Grenzen zu Nachbarländern schließen lassen.

Vor drei Wochen hatten die Islamisten den Christen im Norden Nigerias ein Ultimatum gestellt. Sie sollten innerhalb von drei Tagen die Region verlassen. Die islamistische Sekte Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil und das Christentum strikt ab. Mindestens 10.000 Christen waren nach Angaben des Roten Kreuzes aus dem Norden geflohen.

jok/dpa/Reuters/dapd



insgesamt 22 Beiträge
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Orthoklas 21.01.2012
1. Lieber SpOn
"Konflikt der Religionen" heißt es in der Überschrift. Ganz ehrlich: Das ist ein Konflikt zwischen einer menschenverachtenden islamistischen Sekte und friedliebenden Bürgern!
maipiu 21.01.2012
2. Heuchler
Was mich an Selbstmordanschlägen jeglicher Art am meisten ärgert, ist, dass diejenigen, die hinter diesen Taten stecken, nicht im Traum daran denken, sich für die Religion oder was auch immer zu opfern. Aber junge Leute, die kaum bis drei zählen können und jeglicher Bildung abhold sind, lassen sich von diesen Feiglingen das Blaue vom Himmel, sprich das Paradies versprechen und zu Todesmaschinen missbrauchen. Die Drahtzieher, wie z. B. bin Laden und Konsorten halten es mit den religiösen Vorschriften alles andere als genau, Konsum von Pornoheften inbegriffen.
unterländer 21.01.2012
3.
Zitat von sysopBei den Terroranschlägen in Nigeria sind deutlich mehr Menschen getötet worden als bisher bekannt. Krankenhäuser in der Stadt Kano melden*mindestens 120 Todesopfer. Zu den Attacken auf mehrere Polizeiwachen hat sich*die*radikalislamische Sekte Boko Haram bekannt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810569,00.html
Wesen eines Konflikts ist es ja, dass zwei Seiten um eine Sache streiten. Im vorliegenden Fall überzieht jedoch lediglich die eine (islamische) Seite alle Andersdenkenden, seien es Christen oder Muslime, mit Terror, ohne dass die Anderen irgendwie reagieren könnten. Es sei denn mit totaler Unterwerfung. Es ist ja zu begrüßen, dass man Sachverhalte nicht mit parteinehmerischer Überschrift darstellen will. Hier ist solche Rücksichtnahme jedoch fehl am Platze.
General_Turgidson 21.01.2012
4. Hilflose Christen
Wieder eine dieser Fronten, auf der die eine Seite unmittel- und mittelbar durch Pedrodollars und Spenden (natürlich nicht aus Deutschland, weil hier gemäß diverser Statistiken 134% der Anhänger der angreifenden Religionsgruppe integriert sind und so ) aus dem Vollen schöpfen kann. Und die andere Seite steht nicht nur allein, sondern wird auch noch aufgrund von Waffenembargos für Krisengebiete zusätzlich daran gehindert werden, sich wirksam zu verteidigen. Folge wird sein der nächste Christenexodus, nachdem nun schon die christlichen Bevölkerungsgruppen diverser nahöstlicher Staaten massenhaft nach Europa und Amerika fliehen mußten. Schade eigentlich, aber halt Zeitgeist.
chico 76 21.01.2012
5. Einberufung
des zuständigen UNO - Gremiums und UN - Truppen hinsenden ist das Gebot. Wie lange will die Weltgemeinde noch zusehen, wie verteidigungsunfähige Menschen von religiösen Fanatikern ermordet werden ? Die Regierung scheint den Konflikt nicht lösen zu können ( wollen ).
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