Konflikt mit dem Westen Iran meldet Abschuss von US-Drohne

Der Konflikt zwischen Iran und dem Westen spitzt sich massiv zu. Das iranische Militär will im Osten des Landes eine amerikanische Drohne abgeschossen haben. Das berichtet ein TV-Sender aus Teheran. Das Regime droht mit weiteren Schlägen außerhalb der Landesgrenzen.

AFP/ Liberation/ Secret Defense

Hamburg - Das iranische Militär hat einem Fernsehbericht zufolge in einer östlichen Provinz eine US-Drohne abgeschossen. "Das iranische Militär hat eine eindringende US-Drohne vom Typ RQ-170 im Osten Irans abgeschossen", zitierte der staatliche TV-Sender al-Alam am Sonntag einen Militärvertreter, dessen Name nicht genannt wurde. "Die Spionage-Drohne, die mit geringem Schaden abgeschossen wurde, wurde von den iranischen Streitkräften beschlagnahmt." Die USA äußerten sich bislang nicht zu dem angeblichen Abschuss.

Auch die halbstaatliche iranische Nachrichtenagentur Fars meldete den Abschuss eines unbemannten US-Spionageflugzeugs. Nach ihren Angaben will Iran auch außerhalb der eigenen Landesgrenzen auf die angebliche Verletzung des Luftraums reagieren.

Die RQ-170 Sentinel gilt als eines der modernsten Spionage-Instrumente der USA. Die Drohne des Herstellers Lockheed Martin ähnelt dem Tarnkappen-Flugzeug Stealth Bomber, ist aber deutlich kleiner. Erst vor zwei Jahren hatte das US-Militär die Existenz der RQ-170 bestätigt. Zuvor war ein unscharfes Foto der Drohne aus Afghanistan aufgetaucht. Weil sie stets im Umfeld einer US-Basis in Kandahar gesichtet wurde, bekam die RQ-170 den Beinamen "Biest von Kandahar".

Die Spannungen zwischen Iran und westlichen Staaten hatte sich in den vergangenen zwei Wochen deutlich verschärft. Weil die iranische Regierung eine Kontrolle ihres Atomprogramms verweigert und nach Ansicht des Westens an Nuklearwaffen arbeitet, verhängten die USA und andere Länder umfangreiche Sanktionen.

Am Dienstag hatten regierungstreue Demonstranten die britische Botschaft in Teheran gestürmt, Büros verwüstet und Dokumente verbrannt. Großbritannien reagierte mit der Ausweisung aller iranischen Diplomaten, auch Deutschland und Frankreich zogen ihre Gesandten ab.

Iran droht dem Westen mit Ölpreis von 250 Dollar

Während Parlamentspräsident Ali Laridschani den Angriff der Demonstranten verteidigte, verurteilten ranghohe geistliche Würdenträger den Vorfall am Wochenende. Ayatollah Ahmed Chatami, ein Vertrauter vom staatlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei, bezeichnete den Angriff auf die britische Botschaft am Sonntag als "illegal". Dieser laufe "den Interessen des Landes zuwider". Die Besetzung einer Botschaft komme der Besetzung eines anderen Landes gleich. "Ich sage ganz klar, dass ich Angriffe auf ausländische Botschaften und deren Besetzung ablehne." Am Samstag hatte bereits einer der höchsten geistlichen Würdenträger in Iran, Großayatollah Nasser Makarem Shirasi, den Angriff kritisiert.

Auch das iranische Außenministerium hatte den Angriff zunächst verurteilt und eine strafrechtliche Verfolgung der Täter angekündigt. Parlamentspräsident Laridschani, ein Ultra-Konservativer und Vertrauter Chameneis, äußerte aber kurz darauf Verständnis für die "Wut der Studenten" angesichts der jahrelangen "dominanten Politik" Großbritanniens. In den iranischen Medien wurden die Studentenverbände, welche die Erstürmung organisierten, in den vergangenen Tagen dagegen gelobt.

Ein Sprecher des Außenministeriums warnte den Westen am Sonntag davor, auch Öl-Importe seines Landes zu stoppen. "Sobald eine solche Sache ernsthaft vorangetrieben wird, wird der Ölpreis auf mehr als 250 Dollar hochschnellen", sagte er. Das wäre mehr als das Doppelte des heutigen Preises.

Nato-Mitarbeiter erheben in vertraulichen Analysen schwere Vorwürfe gegen Iran und den pakistanischen Geheimdienst ISI. Gemeinsam sollen sie den gewaltsamen Widerstand gegen die Isaf-Schutztruppe in Nordafghanistan unterstützen, heißt es in den Dokumenten, über die "Bild" berichtete. Demnach gibt es Hinweise auf ein von Pakistan und Iran finanziertes Trainingslager für Aufständische.

In einem der Papiere heißt es, die iranische Regierung habe "den Wunsch, die Geschicke Afghanistans zu kontrollieren. Um dieses Ziel zu erreichen, kollaborieren die Iraner mit Pakistan. Sie unterstützen die Aufständischen mit Training, Waffen und Geld." Der iranische Geheimdienst soll sogar Mitglieder der afghanischen Sicherheitskräfte als Agenten angeworben haben. Aus Nato-Kreisen in Nordafghanistan erfuhr SPIEGEL ONLINE, dabei handele es sich um einen hochrangigen Lokalpolitiker, der als Strohmann für Teheran agiere.

dab/AFP/Reuters/AP

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insgesamt 120 Beiträge
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Seite 1
...und gut ist`s 04.12.2011
1. Also wenn,
dann stellt sich die Frage, was eine amerikanische Drohne über dem Iran zu suchen hat.
batmanmk 04.12.2011
2. Plan B
Wenn der Iran sich nicht unglaubwürdig machen will, so sollte er umgehend die Überreste der Drohne von einer internationalen Kommission begutachten lassen. Sollte die Herkunft zweifelsfrei sein, so muss die UN diese kriegerischen Maßnahmen verurteilen.
hermes69 04.12.2011
3. ...
Ihr gutes Recht. Man stelle sich vor eine iranische "Drohne" kreise über den USA. Da wär sofort Schicht im Schacht.
ofelas 04.12.2011
4. The Empire strikes back
Der Konflikt spitz sich zu Iran schiesst eine US Drohne ab und das ist eine Eskalation welcher Seite bitte
mr_smith 04.12.2011
5. UN-Saktionen gegen USA
Zitat von sysopDer Konflikt zwischen Iran und dem Westen spitzt sich massiv zu. Das iranische Militär will im Osten des Landes eine amerikanische Drohne abgeschossen haben. Das berichtet ein TV-Sender aus Teheran. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801619,00.html
Sollte das wahr sein, sollte die UN sofort Sanktionen gegen die USA beschließen. + ein Öl-Embargo und das Einreiseverbote für US-Diplomaten. Die Souverenität der Staaten muss respektiert werden. US-Konten einfrieren dürfte bei 15 Billionen Schulden nicht viel bringen ;) hehe
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