Konflikt mit Iran: Energieagentur warnt vor Turbulenzen auf dem Ölmarkt

Kaum hat sich die EU auf ein Öl-Embargo gegen Iran geeinigt, stellt Teheran die Stacheln auf. Man werde eine strategisch wichtige Meerenge blockieren, drohen Militärs. Im Gespräch mit dem SPIEGEL warnt der Chefökonom der Internationalen Energieagentur vor Turbulenzen am Ölmarkt.

US-Flugzeugträger "John C. Stennis" in der Straße von Hormus: Zuspitzung am Golf Zur Großansicht
REUTERS/ U.S. Navy/ Kenneth Abbate

US-Flugzeugträger "John C. Stennis" in der Straße von Hormus: Zuspitzung am Golf

Hamburg/Teheran - Am Mittwoch hatten sich die EU-Mitgliedstaaten in Brüssel grundsätzlich auf ein Importverbot geeinigt. Während der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi erklärte, er sei nicht beunruhigt, nannte Wirtschaftsminister Schamseddin Husseini den EU-Beschluss "einen Wirtschaftskrieg".

Angesichts der politischen Zuspitzung am Golf rechnet der Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, nun mit Unwägbarkeiten auf dem Ölmarkt. Sollte es nach der Verhängung eines US-Ölembargos, dem sich die EU-Außenminister bei ihrem Treffen am 30. Januar anschließen wollen, zu Engpässen kommen, hätten die Golfstaaten zwar Kapazitäten zum Ausgleich.

"Vor allem Saudi-Arabien, das ich als die Zentralbank des Ölhandels bezeichnen möchte, hat sich in solchen Situationen stets sehr verantwortungsvoll verhalten", sagte Birol dem SPIEGEL. Auch verfüge die IEA selbst, zu deren Mitgliedstaaten die USA, viele europäische Staaten und andere wichtige Industrieländer gehören, über strategische Reserven.

Er bezweifle aber, dass die Ölmärkte auch mittelfristig so gut und stabil funktionieren, wie die Konsumenten sich das wünschten. "Mehr als 90 Prozent des Wachstums in der globalen Ölförderung wird in den kommenden zehn Jahren im Nahen Osten und Nordafrika erzielt werden", so Birol. Deshalb werde der Ölmarkt künftig noch stärker von geopolitischen Interessen beeinflusst sein als bisher - zum Nachteil der Europäer: Bereits im Jahr 2015 werde Europa mehr Öl importieren müssen als Amerika.

Die EU ist nach China der größte Abnehmer von iranischem Öl. Peking bezieht mit 2,2 Millionen Barrel pro Tag knapp ein Viertel aller Exporte - und lehnt einen Boykott bisher ab. Weitere Abnehmer sind Indien, Japan und Südkorea; wie sie sich verhalten werden, ist bisher unklar. Die Türkei importiert 30 Prozent ihres Öls aus Iran, ist aber als Nicht-EU-Mitglied nicht an eventuelle Sanktionen gebunden.

Bislang habe sich Washington für die Stabilität im Nahen Osten zuständig gefühlt, sagte Birol. Künftig werde diese Region für die USA weniger Bedeutung haben als für Europa und China, erwartet Birol: "Europa wird sich an der vordersten Front der Mächte finden, die für die Sicherheit des Ölnachschubs verantwortlich sind."

Währungskrise durch US-Sanktionen

Die US-Sanktionen sind bereits zu einer beträchtlichen Gefahr für die Währungsstabilität in Iran geworden - auch wenn Teheran dies bestreitet. Die iranische Zentralbank interveniert derzeit massiv, um zu verhindern, dass der Rial weiter an Wert verliert. In einer Sitzung zur Währungskrise verhängte der Gesetzgeber am Sonntag Sanktionen für Geldwechsler, die Fremdwährungen außerhalb der offiziellen Wechselstuben und Banken tauschten.

Experten zufolge hat die steigende Angst vor Inflation zu der Währungstalfahrt geführt. Die Inflationsrate liegt demnach bei 20 Prozent - Tendenz steigend.

Die von US-Präsident Obama an Silvester verhängten Sanktionen schließen jede Bank weltweit vom US-Bankensystem aus, die mit der iranischen Zentralbank Geschäfte macht.

Mit mehr als 105 Dollar pro Barrel ist der Ölpreis schon jetzt auf Rekordniveau - obwohl die Nachfrage in Deutschland angesichts des bisher milden Winters geringer ist als sonst. Sollte die EU ein Embargo gegen Iran beschließen, wird der Preis mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigen.

Teheran droht mit Blockade wichtiger Meerenge

Kurz nachdem sich die EU grundsätzlich auf ein Öl-Embargo gegen Iran geeinigt hatte, revanchierte sich Teheran mit einer weiteren Drohgebärde: Man werde die Straße von Hormus blockieren, sagte ein hochrangiger Kommandeur der Revolutionsgarden am Sonntag. Diese strategische Entscheidung sei von der Staatsspitze gefällt worden, berichtete die iranische Zeitung "Chorasan" unter Berufung auf den Kommandeur Ali Aschraf Nuri. In der Vergangenheit drohten iranische Politiker verschiedene Male mit der Schließung der wichtigen Meerenge.

Eine weitere schlechte Nachricht: Iran hat in einer vor potentiellen Luftangriffen geschützten unterirdischen Atomanlage offenbar mit der Urananreicherung begonnen. Wie die regierungsnahe Tageszeitung "Kajan" am Sonntag berichtete, wurde die Anreicherung an hochmodernen Zentrifugen in der Einrichtung Fordo aufgenommen.

Dieser Schritt wird nach Ansicht von Experten voraussichtlich den seit Jahren schwelenden Atomstreit zwischen dem Westen und Iran weiter anheizen Der Westen wirft dem Iran vor, mit seinem Nuklearprogramm die Entwicklung von Atombomben zu verfolgen. Teheran hat das stets zurückgewiesen.

"Die Anlage Fordow zur nuklearen Anreicherung wird in naher Zukunft betriebsbereit sein ... 20 Prozent, 3,5 Prozent und vier Prozent angereichertes Uran kann in diesem Werk dann produziert werden", sagte der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Fereydoun Abbasi Davani, laut Angaben der Zeitung Kaythan.

Der nahe der Stadt Kom gelegene Standort galt lange als geheim. Die größte iranische Atomanlage befindet sich am Standort Natans im Zentrum des Landes.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem Fernsehsender CBS, der Iran sei vermutlich noch nicht dabei, eine Atombombe zu bauen. Allerdings lege das Land derzeit die Grundlagen für ein solches Vorhaben. Die internationale Gemeinschaft müsse daher den diplomatischen und wirtschaftlichen Druck aufrechterhalten, um Teheran von diesem Schritt abzuhalten.

Panetta warnte hingegen erneut vor einem unilateralen militärischen Angriff auf die iranischen Atomanlagen, etwa durch Israel. Ein solcher könne leicht zu Racheakten des Regimes in Teheran führen, sagte er. Diese könnten auch die in der Region stationierten US-Truppen betreffen.

Ahmadinedschad besucht Verbündete in Lateinamerika

Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist am Sonntag zu einer fünftägigen Reise nach Lateinamerika aufgebrochen, offenbar um Verbündete um sich zu scharen. In Venezuela, Nicaragua, Kuba und Ecuador wolle er Gleichgesinnte besuchen, die ebenso wie der Iran eine "antikolonialistische Haltung" einnähmen, sagte er vor seinem Abflug in Teheran mit Blick auf die USA. Während der Reise werde er mit seinen Partnern über Washingtons "Absichten zur Intervention in Angelegenheiten anderer Staaten" sowie über die "militärische Präsenz" der USA diskutieren.

Ahmadinedschads erste Station ist Venezuela, wo er mit Staatschef Hugo Chávez zusammenkommen will. Beide pflegen seit Jahren enge Beziehungen. In Nicaragua will der Präsident an der Amtseinführung des wiedergewählten Präsidenten Daniel Ortega teilnehmen. Anschließend sind Aufenthalte in Kuba und Ecuador geplant.

Iran lobt Rettung iranischer Fischer durch USA

Der Iran hat auf die Befreiung von 13 Fischern aus der Gewalt von Piraten durch die US-Marine überwiegend positiv reagiert. Die Rettung sei eine "humanitäre Geste" der Besatzung des amerikanischen Militärschiffs gewesen, zitierte der staatliche Fernsehsender "Al Alam Arabic" den Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Ramin Mehmanparast. "Das begrüßen wir", sagte er.

In einem Bericht der halbamtlichen Nachrichtenagentur FARS hieß es hingegen, die USA hätten einen Routinefall im Hollywood-Stil zu einer Rettungsoperation dramatisiert. Piratenangriffe seien in der Region nicht ungewöhnlich und die iranische Marine habe selbst schon viele Geiseln befreit, ohne damit an die Öffentlichkeit zu treten.

ala/Reuters/AP/dpa

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1. Uninteressant
Klaschfr 08.01.2012
Zitat von sysopKaum hat sich die EU auf ein Öl-Embargo gegen Iran geeinigt, stellt Teheran die Stacheln auf. Man werde eine strategisch wichtige Meerenge blockieren, drohen Militärs. Im Gespräch mit dem SPIEGEL warnt der Chefökonom der Internationalen Energieagentur vor Turbulenzen am Ölmarkt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807864,00.html
Darum werden sich doch die USA und England kümmern! Der Bundesbürger muss halt mehr zahlen (auch für die Militäreinsatz der Beiden), wen interessiert das schon. Auch egal, wer zündelt und wer provoziert. Irgendetwas wird schon dran sein, wie beim Irak-Krieg. Und dann ist es allemal besser, die Deutschen kümmern sich um Wulff, als um solche Lappalien .
2. Tja, wer zündelt hier?
opar 08.01.2012
Zitat von KlaschfrDarum werden sich doch die USA und England kümmern! Der Bundesbürger muss halt mehr zahlen (auch für die Militäreinsatz der Beiden), wen interessiert das schon. Auch egal, wer zündelt und wer provoziert. Irgendetwas wird schon dran sein, wie beim Irak-Krieg. Und dann ist es allemal besser, die Deutschen kümmern sich um Wulff, als um solche Lappalien .
Bis jetzt höre ich regelmäßig alle paar Wochen bösartiges Geschrei aus dem Iran, kombiniert mit einer fragwürdigen Gier nach Atombomben. Ein Embargo ist etwas, das erlaubt sein muss, denn noch muss jeder Staat selbst entscheiden dürfen, mit wem er Geschäfte macht und mit wem nicht. Mich zum Beispiel ärgert es schon lange, dass der Westen mit einem Regime wie dem Iran dermaßen viele Geschäfte macht. Der Iran hätte überhaupt nicht das Geld, hinter Atombomben her zu sein, wenn er das Ölgeld nicht hätte. Dann sähe das da so aus wie im Jemen oder Afghanistan.
3. Jobangebot für junge Männer: Soldat
n0 by 08.01.2012
Zitat von KlaschfrDarum werden sich doch die USA und England kümmern! Der Bundesbürger muss halt mehr zahlen (auch für die Militäreinsatz der Beiden), wen interessiert das schon. Auch egal, wer zündelt und wer provoziert. Irgendetwas wird schon dran sein, wie beim Irak-Krieg. Und dann ist es allemal besser, die Deutschen kümmern sich um Wulff, als um solche Lappalien .
Bei einer jugendlichen Bevölkerung ohne Berufsaussichten ist die Gefahr von Revolten groß. Besser als einen Bürger- oder Drogenkrieg im eigenen Land ist daher, dass die Mächtigen aus Politik und Religion gegen feindliche Ungläubige aus anderen Ländern, Regionen Erdteilen hetzen. Krieg als Karriere, zumindest als Angebot einer Karriere, bringt -vornehmlich - jungen Männern die Aufstiegschancen, welche bei hoher Arbeits- und Aussichtslosigkeit im eigenen fehlen.
4. Warum soll man Angst bekommen?
Duisburg2005 08.01.2012
Lass doch das Öl auf 1.000 Dollar steigen, dann lohnen sich die Alternativen und die OPEC Staaten haben sich selber ins Knie geschossen. In 10 Jahren gibt es nur noch die Solarbranche und Iran, Irak, Syrien und Co. können sich balgen wie sie wollen und keiner interessiert sich mehr für Sie........
5. Strategische Fehler
martin-gott@gmx.de 08.01.2012
Zitat von sysopKaum hat sich die EU auf ein Öl-Embargo gegen Iran geeinigt, stellt Teheran die Stacheln auf. Man werde eine strategisch wichtige Meerenge blockieren, drohen Militärs. Im Gespräch mit dem SPIEGEL warnt der Chefökonom der Internationalen Energieagentur vor Turbulenzen am Ölmarkt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807864,00.html
der nahe Osten wird auf Jahre hinaus instabil sein. Daher sollte man sich so unabhängig wie möglich vom Erdöl aus dieser Region machen. In dieser Hinsicht war der schnelle Atomausstieg genauso ein strategischer Fehler wie der Libyenkrieg.
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Iranisches Manöver: Muskelspiele zur See

Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.