Washington - Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang im Streit zwischen den politischen Führungen in Teheran und Washington - und er zeigt, wie ernst die USA den Konflikt mit Iran nehmen, der sich seit Wochen zuspitzt: US-Präsident Barack Obama hat laut einem Bericht der "New York Times" über geheime Kanäle eine direkte Warnung an den obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, übermitteln lassen.
Der Inhalt der Botschaft: Eine von Teheran angedrohte Blockade der wichtigen Seestraße von Hormus wäre für die USA die Überschreitung einer "roten Linie". Sie würde eine Reaktion Washingtons provozieren. "Rote Linie", so lautet bereits seit Tagen die Warnung der USA in Richtung Teheran, wenn es um Irans Drohung geht, die Straße von Hormus zu blockieren. Die direkte Warnung an den geistlichen Führer des Landes hat aber eine neue Qualität.
Der "New York Times" zufolge wollten US-Regierungsvertreter keine weiteren Angaben zu dem geheimen Kontakt machen. Es gab demnach auch keine Informationen dazu, ob Iran bereits auf die deutliche Botschaft Washingtons reagiert hat.
Martin E. Dempsey, Chef der Joint Chiefs und damit höchstrangiger Soldat der USA, hatte bereits am Wochenende gesagt, dass Washington die Seestraße im Fall einer Blockade wieder öffnen werde. Im Klartext: Es käme zum Einsatz militärischer Mittel.
Irans Drohung, die bedeutsame Seestraße zu blockieren, sorgt in Washington offenbar für Nervosität: "Wenn Sie mich fragen, was mich nachts wach hält, dann sind es die Straße von Hormus und das, was derzeit im Arabischen Golf passiert", sagte laut "New York Times" zuletzt US-Admiral Jonathan W. Greenert, Chief of Naval Operations. Durch die Straße von Hormus gehen rund 40 Prozent des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls.
Erst vor wenigen Tagen hatten die USA ein deutliches Zeichen ihrer militärischen Stärke Richtung Teheran geschickt, auch wenn offiziell von einer reinen Routinemaßnahme die Rede war: Washington beorderte zwei Kriegsschiffe in die Golfregion. Nach Angaben des US-Militärs traf die "USS Carl Vinson" mit knapp 80 Kampfflugzeugen und Hubschraubern an Bord bereits am Montag in der Golfregion ein. Der Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" war ebenfalls auf dem Weg vom Indischen Ozean ins Arabische Meer.
Die Spannungen zwischen beiden Länder haben sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Iran nahm zuletzt den Betrieb einer unterirdischen Urananreicherungsanlage auf und verurteilte einen US-Bürger wegen Spionage zum Tode.
Zusammen mit Europa versuchen die USA mit Sanktionen die iranische Ölindustrie zu treffen. Am Mittwoch warf Iran den USA und Israel vor, hinter einem tödlichen Attentat auf einen Atomwissenschaftler zu stehen.
Am Donnerstag hatte Teheran signalisiert, gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu den Vorwürfen bezüglich seines mutmaßlichen Atomwaffenprogramms Stellung beziehen zu wollen. Zwei Diplomaten sagten der Nachrichtenagentur AP, dass das Thema bei einem Besuch hochrangiger IAEA-Vertreter in Teheran Ende Januar im Zentrum der Gespräche stehen werde. Iran hat seit mehr als drei Jahren alle Versuche der IAEA, über die Vorwürfe zu diskutieren, abgeblockt und sie stets als unbegründet zurückgewiesen. Beobachter werten die Bereitschaft Teherans, nun zumindest darüber sprechen zu wollen, als Fortschritt in den Bemühungen um einen Dialog im Atomstreit mit Iran.
Zahlreiche Länder werfen Iran vor, an der Entwicklung der Atombombe zu arbeiten. Die Führung in Teheran bestreitet dies.
hen/dpa/Reuters/dapd
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