Vorstoß des Palästinenser-Chefs Abbas nennt Holocaust abscheuliches Verbrechen

Erstmals hat Palästinenserchef Mahmud Abbas die Judenvernichtung als schlimmes Verbrechen kritisiert. Doch Israels Ministerpräsident Netanjahu nimmt ihm die Äußerung nicht ab. Die Fronten zwischen den beiden Staaten bleibt verhärtet.

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas: Mitgefühl für Opfer und Hinterbliebene
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Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas: Mitgefühl für Opfer und Hinterbliebene


Ramallah/Hamburg - Nach dem umstrittenen Versöhnungsabkommen mit der radikal-islamischen Hamas bemüht sich Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas um eine Besänftigung der internationalen Gemeinschaft. Vor führenden Vertretern seiner Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) beteuerte er am Wochenende, dass auch eine Regierung mit Hamas-Beteiligung das Existenzrecht des Staates Israel anerkennen werde.

Am Sonntag - unmittelbar vor dem Holocaust-Gedenktag in Israel - bezeichnete er den millionenfachen Mord an den Juden durch die Deutschen als "das abscheulichste Verbrechen" in der Neuzeit. Abbas drückte sein Mitgefühl mit den Hinterbliebenen der Opfer aus sowie "mit den vielen unschuldigen Menschen, die von den Nazis ermordet wurden". Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stellte jedoch sofort die Ernsthaftigkeit der Geste infrage.

Nach der Ankündigung einer Einheitsregierung zwischen Abbas' Fatah-Bewegung und der Hamas hatte Israel vor wenigen Tagen die Friedensverhandlungen ausgesetzt. Die USA haben angekündigt, ihre Millionenhilfen für die Palästinenser zu überprüfen.

Abbas betonte bei einem Strategietreffen der PLO in Ramallah, auch beim Zustandekommen einer gemeinsamen Regierung mit der islamistischen Hamas werde die Palästinenser-Regierung unter seiner Führung stehen und seine Politik vertreten. "Ich erkenne Israel an, und die Regierung würde Israel anerkennen. Ich lehne Gewalt und Terrorismus ab", sagte Abbas. Der Einfluss der Hamas werde sich auf innerpalästinensische Bereiche konzentrieren.

Die Hamas wird von der EU als Terrororganisation eingestuft

Die Hamas reagierte umgehend mit einer Bekräftigung ihrer gegensätzlichen Position. "Die Anerkennung Israels durch den Palästinenser-Präsidenten ist nicht neu. Wichtig ist, dass die Hamas Israel nie anerkannt hat und nie anerkennen wird", sagte Sprecher Sami Abu Zuchri der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Hamas ruft in ihrer Gründungscharta zur Vernichtung des jüdischen Staates auf und wird von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft. Die aus den ägyptischen Muslimbrüdern hervorgegangene Gruppe ist für zahlreiche Selbstmordanschläge und Raketenangriffe auf Israel verantwortlich. Sie regiert seit ihrem Wahlerfolg 2006 und einem Bürgerkrieg mit der Fatah seit 2007 den Gazastreifen.

Abbas fordert die Freilassung von 30 Häftlingen

Inhaltlich zeigte sich Abbas kompromisslos. Er beharrte auf der Erfüllung weiterer Bedingungen für eine Verlängerung der Friedensgespräche über den Stichtag 29. April hinaus. Israel müsse wie ursprünglich zugesagt 30 palästinensische Häftlinge freilassen, forderte er. Sie waren wegen schwerer Verbrechen, darunter Mord, zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Zudem müssten sich die verlängerten Gespräche in den ersten drei Monaten auf einen künftigen Grenzverlauf konzentrieren.

Israel müsse schließlich bis zu einer Verständigung in dieser Frage den Bau neuer Wohnungen im Westjordanland einstellen, forderte Abbas. Gleichzeitig beteuerte er, er sei zur Fortsetzung der Gespräche bereit. Die USA wollten ursprünglich bis Ende April ein Friedensabkommen ausgehandelt haben und setzen nun auf eine Verlängerung der Gespräche.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu betonte am Sonntag erneut, er werde nicht mit einer Regierung verhandeln, in der die Hamas maßgeblichen Einfluss habe. "Hamas leugnet den Holocaust und versucht gleichzeitig, durch die Zerstörung Israels einen neuen Holocaust zu verüben", sagte Netanjahu vor seinem Kabinett. Diese Hamas habe sich Abbas als Allianzpartner ausgesucht, sagte Netanjahu. Abbas solle den Pakt aufkündigen statt zu versuchen, die internationale Öffentlichkeit zu beschwichtigen.

mhu/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
Badischer Revoluzzer 27.04.2014
1. Die beiden könnten schon
längst Frieden gemacht haben - wenn sie denn wollten. Aber nicht auf unsere Kosten.
ziegenzuechter 27.04.2014
2. schoene geste
Zitat von sysopGetty Images/ PPOErstmals hat Palästinenserchef Mahmud Abbas die Judenvernichtung als schlimmes Verbrechen kritisiert. Doch Israels Ministerpräsident Netanjahu nimmt ihm die Äußerung nicht ab. Die Fronten zwischen den beiden Staaten bleibt verhärtet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/konflikt-zwischen-israel-und-palaestina-abbas-nennt-holocaust-verbrechen-a-966410.html
doch mit netanjahu wird es keinen frieden geben. weil er keinen will.
gandhiforever 27.04.2014
3. Es ist doch irrelevant,
Zitat von sysopGetty Images/ PPOErstmals hat Palästinenserchef Mahmud Abbas die Judenvernichtung als schlimmes Verbrechen kritisiert. Doch Israels Ministerpräsident Netanjahu nimmt ihm die Äußerung nicht ab. Die Fronten zwischen den beiden Staaten bleibt verhärtet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/konflikt-zwischen-israel-und-palaestina-abbas-nennt-holocaust-verbrechen-a-966410.html
ob Netanjahu Abbas seine Holocaust-Erklaerung abnimmt oder nicht. Haette Abbas den Holocaust allerdings geleugnet, dann waere Herr Netanjahu aus der Haut gefahren (sich innerlich freuend ueber die gute Vorlage). Netanjahu braucht die Palaestinenser, um die eigene Propaganda wach zu halten. Wenn Abbas erklaert, dass eine Fath/Hamas Regierung natuerlich die Existenz Israels anerkenne, freute sich Netanjahu nicht. Er braucht Hamas als Blockadeargument. wie wuerde der Herr wohl reagieren, wenn Abbas erklaerte, nur mit Vertretern einer israelischen Regierung verhandeln zu koennen, der kein Vertreter der Lieberman/Benett Ecke angehoere. Herr Netanjahu wuerde das zu Recht als Einmischung bezeichnen. Nein, Netanjahu geht es nicht um Frieden. Ihm geht es um Herauszoegerung einer schmerzlichen Kehrtwendung in der israelischen Politik, weil er es nicht ueber sich bringt.
gandhiforever 27.04.2014
4. ????????????????????????
Zitat von Badischer Revoluzzerlängst Frieden gemacht haben - wenn sie denn wollten. Aber nicht auf unsere Kosten.
Also, ich spreche ja meist nicht Deutsch, aber Ihr Beitrag ist so abgefasst, dass - meiner Meinung nach - er bedeutet, dass die beiden Seiten nicht auf ihre bzw. Deutschlands kosten Frieden machen sollten.
said.sahin 27.04.2014
5. Netanjahu ist misstrauisch
Abbas sagt: "Ich erkenne Israel an, und die Regierung würde Israel anerkennen. Ich lehne Gewalt und Terrorismus ab" und Sie sind misstrauisch? Wie schön wenn man als krimmeneller Staat die USA hinter sich hat! Es lebt sich gut als Saudi Arabien und Israel im Nahen Osten!!!! Abbas kann sagen und tun was er will!!! Israel will keinen frieden!!!!! Warum auch? so lange man die Opfer rolle hat gibt es eine Menge Geld, Waffen und Respekt!!! und Landraub aller Russland Krim wird niemals kritisiert oder gar mit Sanktionen geahndet!! Ich persönlich finde es nicht schlimm nur sollte man ehrlich sein und die Wahrheit sagen anstatt zu heucheln!!!!!!!!
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