Konflikte Türkei droht Israel mit Abbruch der Kontakte

Das angespannte Verhältnis zwischen Israel und der Türkei steht vor einer weiteren Belastungsprobe: Ankara verlangt eine Entschuldigung Jerusalems für die Aktion gegen die Gaza-Hilfsflotte - oder die Zustimmung zu einer internationalen Untersuchung. Andernfalls droht ein Ende der diplomatischen Kontakte.

Türkischer Außenminister Davutoglu: "Israel hat drei Möglichkeiten"
AFP

Türkischer Außenminister Davutoglu: "Israel hat drei Möglichkeiten"


Ankara - Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu hat Israel mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen gedroht. Wie die Tageszeitung "Hürriyet" berichtete, fordert Davutoglu eine Entschuldigung Israels für die Kommandoaktion gegen die Gaza-Hilfsflotte Ende Mai oder die Zustimmung zu einer internationalen Untersuchung. "Israel hat drei Möglichkeiten: Entweder es entschuldigt sich, oder lässt eine internationale unabhängige Untersuchung zu. Andernfalls werden wir die diplomatischen Beziehungen abbrechen".

Bei dem Militäreinsatz gegen die Gaza-Hilfsflotte waren acht Türken und ein türkischstämmiger US-Bürger ums Leben gekommen. Die Äußerung Davutoglus ist die bislang deutlichste von einem hochrangigen türkischen Vertreter. Davutoglu sagte, Israel müsse auf die Forderungen eingehen, wenn es die angespannten Beziehungen beider Länder verbessern wolle.

Die Türkei sperrte zudem den Luftraum für israelische Militärflüge. Dabei handele es sich um ein generelles Flugverbot für die israelische Luftwaffe, sagte Davutoglu dem Zeitungsbericht zufolge. Das Verbot könne auch auf zivile Flüge ausgeweitet werden. Die türkischen Behörden hatten in der vergangenen Woche zwei israelischen Militärflugzeugen den Überflug verweigert, allerdings betont, es handele sich nicht um ein generelles Flugverbot. Die Türkei hat bereits aus Protest über den Vorfall ihren Botschafter abberufen und gemeinsame Militärmanöver abgesagt.

Der türkische Außenminister war bereits in der vergangenen Woche mit dem israelischen Industrieminister Benjamin Ben Elieser zu einem Geheimtreffen in Brüssel zusammengetroffen um die Beziehungen beider Länder zu entspannen. Israel beharrt darauf, dass sich seine Soldaten bei der Aktion nur gegen propalästinensische Aktivisten verteidigt hätten. Die Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte zwar eine eigene Untersuchung des Vorfalls an. Der Türkei reicht das aber nicht. Sie will eine unabhängige internationale Untersuchung.

hen/dpa/apn



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