Konflikte: USA machen Iran für Tod von 170 US-Soldaten im Irak verantwortlich

Schwere Vorwürfe gegen Iran: Hochrangige US-Militärs beschuldigen Teheran, Extremisten im Irak mit Panzerfäusten und Mörsergranaten zu unterstützen - mindestens 170 US-Soldaten seien im Irak durch solche Waffen getötet worden.

Bagdad/Washington - Bei einer Pressekonferenz am Sonntag in Bagdad legten die Militärs als Beweise Mörsergranaten und Panzerfäuste mit angeblich iranischen Seriennummern vor.

In den Waffenschmuggel seien iranische Sicherheitskräfte verwickelt, die ihre Befehle von der "höchsten Ebene" der Regierung in Teheran erhielten, sagten die US-Militärs. Die Waffen würden von Teilen der iranischen Revolutionsgarden, für die der oberste iranische Führer Ajatollah Ali Chamenei verantwortlich sei, an schiitische Gruppen im Irak geliefert, berichtete der US-Nachrichtensender CNN.

Durch diese Sprengkörper seien seit Juni 2004 mindestens 170 US-Soldaten im Irak getötet und mehr als 620 verwundet worden.

Nach den Angaben der "Washington Post" wies ein Diplomat der iranischen Botschaft in Bagdad Vorwürfe des Waffenschmuggels zurück. "Das ist nur Propaganda." "Wenn sie irgendwelche Dokumente oder Beweise haben, (...) können sie sie uns vorlegen", sagte der Diplomat, der aber anonym bleiben wollte.

Die Waffen sind nach den Worten der Experten in der Lage selbst Panzer vom Typ Abrams zu zerstören. Neben den Sprengsätzen seien auch Mörsergranaten vom Kaliber 81 Millimeter, die bei Anschlägen benutzt würden, zu Herstellern im Iran zurückzuverfolgen.

Die US-Militärangehörigen präsentierten auf zwei Tischen Mörsergranaten und Panzerfäuste mit deutlich sichtbaren Seriennummern. Dadurch seien die Waffen als Produkte von iranischen Fabriken identifizierbar. Zudem zeigten sie auch einen Sprengkörper, der sogar Panzerungen durchschlagen kann. Diese Kanisterbombe sei vielleicht die von den amerikanischen und irakischen Soldaten am meisten gefürchtete Waffe, schrieb die "New York Times".

Die drei Militärangehörigen bestanden nach US-Medienangaben auf Anonymität. Sie enthüllten gegenüber den Journalisten auch nicht ihren genauen Aufgabenbereiche. Vor dem Briefing hätten die Journalisten ihre Handys abgeben müssen. Auch hätten keine Film- oder Tonbandaufnahmen gemacht werden dürfen.

Wegen ihrer Besorgnis über die steigenden Opferzahlen durch die iranischen Waffen hätten sie sich zu dem ungewöhnlichen Schritt an die Öffentlichkeit entschlossen, sagten die Militärangehörigen laut "Washington Post". Die USA beschuldigen Teheran seit langem, die schiitischen Extremisten mit Waffen zu versorgen und damit zu versuchen die Lage im Irak weiter zu destabilisieren. Teheran hat dies immer wieder bestritten.

Schon einmal hatten die USA anhand von Fotos die gefährlichen Machenschaften eines Landes beweisen wollen: Im Februar 2003 rechtfertigte der damalige US-Außenminister Colin Powell vor dem Uno-Sicherheitsrat den geplanten Krieg gegen den Irak mit der Präsentation von Satellitenfotos, die Lastwagen mit angeblichen mobilen Biowaffen-Labors zeigten. Zudem hielt Powell ein kleines Reagenzglas hoch. Damit wollte er demonstrieren, welch kleine Menge Bakterien für einen verheerenden Biowaffenangriff ausreicht.

Nach der Invasion hatten US-Waffeninspekteure keinerlei Belege für die Existenz von atomaren, biologischen oder chemischen Waffen im Irak gefunden.

Powell distanzierte sich später hat sich von seiner Rede. Sie sei ein "Schandfleck" in seinem Lebenslauf, sagte er dem Sender ABC News.

hen/dpa

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