Konfrontationskurs Israel droht mit Erstürmung von Gaza-Hilfsschiff

Militäraktion im Mittelmeer: Israelische Streitkräfte haben die mit Hilfsgütern beladene "Rachel Corrie" abgefangen und zu einer Kursänderung aufgefordert. Doch die Besatzung steuert weiter in Richtung Gaza. Das Schiff werde notfalls aufgebracht, kündigte die Armee in einer letzten Warnung an.


Gaza - Der irische Frachter wurde am Samstagmorgen etwa 35 Seemeilen vor der Küste des Gaza-Streifens abgefangen, wie ein Sprecher einer palästinensischen Hilfsorganisation sagte, die das Schiff in Gaza erwartet. Die "Rachel Corrie" sei von mehreren israelischen Schiffen eingekreist worden, so der Sprecher des palästinensischen Empfangskomitees für die Hilfslieferung, Amdschad al Schawa. "Nach unseren Informationen gab es keine Gewalt und keine Schüsse."

Die Besatzung des unter irischer Flagge fahrenden Frachters sei dann mehrfach aufgefordert worden, den israelischen Hafen von Aschdod anzulaufen, teilte ein Armeesprecher am Samstag mit. Dort sollten die rund 1200 Tonnen Hilfsgüter gelöscht werden. Doch die rund 20 pro-palästinensischen Aktivisten widersetzten sich den Anweisungen der Armee und hielten weiter Kurs auf Gaza.

Inzwischen hat die israelische Armee der Besatzung eine letzte Warnung gegeben. "Unsere Soldaten werden bei Ihnen an Bord gehen, wenn Sie sich weigern abzudrehen", sagte Armeesprecherin Avital Leibovitsch am Samstagmorgen in einer Funkbotschaft an die "Rachel Corrie". Die Armee sei "bereit, unsere Waffen zu benutzen, um uns zu verteidigen, wenn die Notwendigkeit zu spüren ist".

An Bord der "Rachel Corrie" befinden sich auch die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire und der ehemalige hohe Uno-Vertreter Denis Halliday. "Wir wollen die Blockade des Gaza-Streifens durchbrechen. Wir haben keine Angst", so Maguire.

Am Montag hatten israelische Marine-Einheiten eine aus sechs Schiffen bestehende Gaza-Hilfsflotte gewaltsam gestoppt. Die Militäraktion, bei der neun Menschen getötet wurden, hatte international einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die "Rachel Corrie" sollte ursprünglich Teil der Hilfsflotte sein.

Israel blockiert den Gaza-Streifen zu See und an Land, seit die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas im Sommer 2007 die Macht dort übernahm. Die 1,5 Millionen Menschen im Gaza-Streifen haben Schwierigkeiten, sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Israel begründet die Blockade mit dem Schutz vor Waffenschmuggel und Attentätern, die aus Gaza nach Israel kommen könnten. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte Israel am Mittwoch aufgefordert, die Blockade umgehend aufzuheben.

jdl/AFP/dpa

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