Kongo 22 Tote bei Protesten gegen Staatschef Kabila

Im Kongo sind bei Demonstrationen gegen Staatschef Joseph Kabila mindestens 22 Menschen getötet worden. Die Polizei soll auch über die Feiertag weiter auf den Straßen bleiben und Proteste unterbinden.

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Montag war für Joseph Kabila der letzte Tag als Präsident der Demokratischen Republik Kongo - eigentlich. Seine zweite und laut Verfassung letzte Amtsperiode war ausgelaufen. Doch schon vorher war klar: Kabila will Staatschef bleiben, wenn nötig mit Gewalt.

Bei Demonstrationen gegen ihn sind seit Montag in mehreren Städten des Landes mindestens 22 Menschen getötet worden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch geht von mindestens 26 Toten aus. Zudem wurden mehr als 275 Menschen festgenommen, teilte die kongolesische Polizei am Mittwoch mit. Uno-Vertreter sprachen indes von 19 Toten und rund 45 Verletzten allein in der Hauptstadt Kinshasa.

Seit Wochenbeginn waren in mehreren Städten Protestierende, die Kabilas Rücktritt fordern, mit Sicherheitskräften zusammengestoßen, auch im Osten und Süden des Landes aus. In der südkongolesischen Bergbaustadt Lubumbashi wurden am Dienstag und Mittwoch nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation acht Menschen erschossen und 35 verletzt. Gewalttätige Demonstranten griffen demnach Verwaltungsbüros, Tankstellen und Gesundheitsstationen an, ein Polizist sei verletzt worden.

Ein Sprecher der Uno-Friedensmission im Kongo kritisierte "unverhältnismäßige Gewaltanwendung" durch Sicherheitskräfte und den Einsatz tödlicher Waffen gegen Demonstranten. Die Polizei kündigte an, die verschärften Sicherheitsmaßnahmen bis nach Weihnachten aufrechterhalten zu wollen. Bei Protesten in Oktober gegen den Präsidenten waren bereits mehr als 50 Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden.

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Kongo: Kabilas letzter legaler Tag

Als Vermittler bot sich am Donnerstag erneut die katholische Bischofskonferenz im Kongo an. "Genug ist genug", sagte der katholische Priester und Verhandlungsführer, Marcel Utembi. Eine Lösung müsse bald gefunden werden, hier sei besonders die Regierung in der Pflicht. Ein letzter Vermittlungsversuch der Kirche war wenige Tage vor dem Ende von Kabilas Mandat gescheitert.

Papst Franziskus rief die kongolesische Bevölkerung am Mittwoch erneut zu einer friedlichen Lösung auf. "Mögen jene, die politische Verantwortung tragen, ihrem Gewissen folgen und das entsetzliche Leiden ihrer Mitbürger erkennen", sagte der Papst.

Oppositionsführer Etienne Tshisekedi hatte die Bevölkerung und die internationale Gemeinschaft dazu aufgefordert, Kabila nicht länger als Präsidenten anzuerkennen.

Die für November geplante Präsidentenwahl war mit der Begründung unvollständiger Wahlvorbereitungen auf April 2018 verschoben worden. Kabila steht seit 2001 an der Spitze des zentralafrikanischen Landes. Die Führung übernahm er von seinem Vater, kurz nach dessen Ermordung. 2006 wurde Kabila erstmals vom Volk gewählt.

cht/dpa/Reuters/AP

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allessuper 22.12.2016
1. Vorsicht, dieser Beitrag ätzt.
Das macht nichts. Solange in Kongo die Minenarbeiter (Familienväter) täglich sterben, während sie die Rohstoffe wie Coltan aus dem Boden holen, damit wir ein neues Handy unter dem Weihnachtsbaum vorfinden, kümmert uns das nicht. Nur nicht alle herkommen! http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/451011/rohstoffe-im-kongo-der-krieg-und-unsere-handys#gallery&34457&0&451011. und wenn dann Apple jault, sie wollten nur noch aus konfliktfreien Regionen beziehen, dann rollt mir mein Auge aus Rührung aus der Fassung raus.
pelayo1 22.12.2016
2.
Zitat von allessuperDas macht nichts. Solange in Kongo die Minenarbeiter (Familienväter) täglich sterben, während sie die Rohstoffe wie Coltan aus dem Boden holen, damit wir ein neues Handy unter dem Weihnachtsbaum vorfinden, kümmert uns das nicht. Nur nicht alle herkommen! http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/451011/rohstoffe-im-kongo-der-krieg-und-unsere-handys#gallery&34457&0&451011. und wenn dann Apple jault, sie wollten nur noch aus konfliktfreien Regionen beziehen, dann rollt mir mein Auge aus Rührung aus der Fassung raus.
Stimmt, die kongolesische Regierung müsste dringend etwas gegen diese Zustände unternehmen.
Koana 22.12.2016
3. Glauben Sie......
Zitat von pelayo1Stimmt, die kongolesische Regierung müsste dringend etwas gegen diese Zustände unternehmen.
... die Menschen im Kongo könnten sich eine demokratische, dem Volk verpflichtete Regierung wählen? Sie sind in ihrer konsumdebilen Wolke nicht nur ignorant, sondern auch noch zynisch! Wir haben das "Glück" statt der Peitsche die Kaufkraftration zu erhalten, bleiben dafür ganz harmlos und freiwillig willige Untertanen. Wer in einem Land wie dem Kongo für Freiheit und Gerechtigkeit das Wort erhebt, hat sich praktisch selbst entlebt! Der Schlächter Kabila darf die Verfassung des Kongo ignorieren, da so alles bleibt wie es ist. Es gibt genügend Menschenmaterial vor Ort, man kann ruhig statt 22 auch 22.000 erschießen - notfalls müssen halt die Frauen in die Gruben (so man die nicht auch ermordet.) Für die Konzerne wäre ein menschenleeres Afrika das Beste - so könnte man vollmechanisiert und roboterisiert die Rohstoffe ausplündern, einmal kurz so richtig massakrieren und danach ist alles "sauber". So hätte sich nebenbei auch die Problematik mit den Menschen erledigt, die dieser Hölle entkommen möchten. Wohl bekomms - bleiben Sie in ihrer rosa Wolke, solange sie können, bzw. man es ihnen gestattet.
Meineserachtens 22.12.2016
4. Conflict minerals
Die SEC (Finanzaufsicht der USA) hat 2013 innerhalb von Börsenbestimmungen auch den Dodd/Frank Act erlassen. Der schreibt den US-Unternehmen vor keine Konfliktmineralien aus dem Gebiet Kongo (Warum nicht auch China) in Produkten zu verwenden. Da natürlich alle großen Unternehmen weltweite Lieferketten haben, bekommen auch wir hier in Europa diese Anforderung. Wenn man diesen CMRT-Fragebogen nicht beantwortet, wird darauf verwiesen, dass das evtl. Folgen für den Lieferanten haben kann. D.h., die Amis spielen mal wieder Weltretter und die Arbeit wird auf die Lieferkette abgewälzt. Ein gut Teil meiner Arbeitszeit geht mittlerweile für diese Verwaltung drauf. Ich habe nicht unsere gesamte Lieferkette abgefragt, das war mir zu doof. Aber jedes größere Unternehmen hat 100.000 von Lieferanten und alle müssten lt. US-Gesetz abgefragt werden, ob sie Konfliktmineralien verwenden. Und wir laufen hier blind hinterher. Neben Gold, Wolfram und Tantal wird auch Zinn abgefragt. Zinn wird halt in jeder Baugruppe verwendet, also muß man diesen Fragebogen ausfüllen. Das ist nichts anderes als ein riesiges Bürokratiemonster. Wer will denn ernsthaft vom Schreibtisch aus beurteilen, welche Mineralien aus welchen Minen, in einem Bürgerkriegsgebiet kommen. Die Mineralien aus den guten Minen (Kabila´s und seiner Familie) sind erlaubt, nur die aus den bösen Minen (Rebellen) sind verboten. Es gibt mittlerweile einen Verordnungsentwurf der EU diese Prüfungen den Schmelzen und Verarbeitern vor Ort zu überlassen. Das ist der wesentlich bessere Ansatz.
epiktet2000 22.12.2016
5. Aber immerhin
Zitat von allessuperDas macht nichts. Solange in Kongo die Minenarbeiter (Familienväter) täglich sterben, während sie die Rohstoffe wie Coltan aus dem Boden holen, damit wir ein neues Handy unter dem Weihnachtsbaum vorfinden, kümmert uns das nicht. Nur nicht alle herkommen! http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/451011/rohstoffe-im-kongo-der-krieg-und-unsere-handys#gallery&34457&0&451011. und wenn dann Apple jault, sie wollten nur noch aus konfliktfreien Regionen beziehen, dann rollt mir mein Auge aus Rührung aus der Fassung raus.
Das ist einer der wenigen Berichte, die in unseren Medien über die Situation im Kongo immerhin einmal informieren. Wenn es nicht gerade zu Massakern kommt, die auch unsere Presse nicht ignorieren kann, gibt es hier doch keinerlei Interesse für die von Ihnen angesprochene Problematik. So als wäre das menschliche Leid, nicht nur im Kongo, auch anderswo, teilbar, in solches das dem Westen berichtenswert - aus welchen Gründen auch immer - erscheint und solches, welches die westlichen Erzählungen stört.
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