Machtwechsel im Kongo Oppositionskandidat Tshisekedi gewinnt Präsidentenwahl

Félix Tshisekedi hat überraschend die Präsidentenwahl im Kongo gewonnen. Erkennen die unterlegenen Kandidaten ihre Niederlage an, wäre es der erste friedliche Machtwechsel seit rund 50 Jahren.

Félix Tshisekedi
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Félix Tshisekedi


Im Kongo hat der Oppositionskandidat Félix Tshisekedi überraschend die Präsidentenwahl gewonnen. Damit wird er den seit 17 Jahren regierenden Joseph Kabila als Staatschef ablösen. Erkennen die unterlegenen Kandidaten ihre Niederlage an, wäre es der erste friedliche Machtwechsel im Kongo seit rund fünfzig Jahren.

Die Wahlkommission erklärte am Donnerstag in Kinshasa unter Berufung auf die vorläufigen Endergebnisse, Tshisekedi habe mehr als 7 Millionen der 18 Millionen abgegebenen Stimmen bekommen. Auf dem zweiten Platz landete demnach mit über 6 Millionen Stimmen der zweite Oppositionskandidat Martin Fayulu. Er zweifelte das Ergebnis allerdings bereits an und nannte die veröffentlichten Resultate in einem Radiointerview "einen wahren Wahlputsch".

Der Kandidat der Regierungspartei, Emmanuel Ramazani Shadary, kam laut der Wahlkommission nur auf gut 4 Millionen Stimmen. Für den Sieg bei der Präsidentenwahl vom 30. Dezember genügte eine einfache Mehrheit.

Von links: Tshisekedi, Shadary und Fayulu
AFP

Von links: Tshisekedi, Shadary und Fayulu

Der neue Präsident soll bereits am 18. Januar vereidigt werden. Der 55-jährige Tshisekedi ist der Sohn des früheren Ministerpräsidenten und langjährigen kongolesischen Oppositionsführers Etienne Tshisekedi, der 2017 starb. Der jüngere Tshisekedi versprach den Wählern, Korruption und Armut zu bekämpfen und das instabile Land zu befrieden, das immer noch von zahlreichen bewaffneten Konflikten erschüttert wird.

Sorge vor Protesten

Die Opposition hatte vor der Bekanntgabe der Ergebnisse Wahlbetrug zugunsten Shadarys befürchtet. Viele Beobachter rechneten ebenfalls mit einem Sieg des Regierungskandidaten. Die im Kongo sehr einflussreiche katholische Kirche hingegen hatte unter Berufung auf Tausende freiwillige Wahlbeobachter Fayulu zum Sieger erklärt.

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der instabilsten Länder Afrikas. Seit dem Ende der belgischen Kolonialherrschaft 1960 gab es noch nie einen friedlichen Machtwechsel. Die Präsidentenwahl hätte laut Verfassung eigentlich schon vor zwei Jahren stattfinden müssen. Da sich Kabila jedoch weigerte, wie vorgesehen nach zwei Amtszeiten abzutreten, wurden die Wahlen mehrfach verschoben. Proteste dagegen wurden blutig niedergeschlagen.

Der Kongo ist flächenmäßig sechsmal so groß wie Deutschland und hat rund 80 Millionen Einwohner. Trotz reicher Vorkommen von Mineralien wie Kobalt, Kupfer und Gold gehört der zentralafrikanische Staat zu den ärmsten Ländern der Welt.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß der Vater des Oppositionskandidaten Tshisekedi Felix.

aar/dpa/AFP



insgesamt 2 Beiträge
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Papazaca 10.01.2019
1. Hört sich erstmal gut an.
Ich schicke mal voraus, das ich mich in der kongolesischen Innenpolitik nicht auskenne. Das die die Opposition gewonnen hat, ist erstmal sicher gut. Weil der "Kabila-Kandidat" offensichtlich unterlegen war? Das Problem, das sich oft und immer wieder in vielen Staaten Afrikas stellt: Die politische Klasse insgesamt ist das Problem. Oft ist die Opposition nicht besser als die Regierung. Oft ist sie sogar schlimmer, weil sie alle möglichen Anhänger mit Posten in der Verwaltung versorgt. Und die machen sich dann erstmal ihre Taschen voll. Also, erstmal abwarten. Wenn ein so krankes Land wie der Kongo (wir reden hier von dem großen Kinshasa-Kongo, es gibt ja noch den kleinen Brazzaville-Kongo) gesund werden will, braucht es vieles.
jj2005 10.01.2019
2. So what?
Jemand hat mal geschrieben, dass die Macht der Regierung im Kongo auf einen Radius von zehn Kilometern rund um Kinshasa beschränkt ist - der Rest des riesigen Landes wird von zahllosen Warlords kontrolliert. Dass also der Kandidat X gewonnen hat, ist wohl hauptsächlich von Bedeutung für diejenigen, die in der Hauptstadt leben und irgendwie von "Entwicklungshilfe" profitieren.
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