Demonstrationen gegen Kabila Human Rights Watch meldet Tote bei Protesten im Kongo

Bei Protesten gegen Präsident Kabila in Kongos Hauptstadt Kinshasa soll es zwei Tote gegeben haben. Sie wurden offenbar vor einer Kirche erschossen, die Polizei soll Gottesdienstbesucher mit Tränengas auseinandergetrieben haben.

Polizeiblockade in Kinshasa (Archivbild vom 20. Dezember 2017)
AP

Polizeiblockade in Kinshasa (Archivbild vom 20. Dezember 2017)


Die kongolesische Polizei geht brutal gegen Regierungskritiker vor. Laut Human Rights Watch wurden zwei Demonstranten vor der Kirche St. Alphonse erschossen. Polizisten trieben Gottesdienstbesucher mit Tränengas auseinander und feuerten Schüsse in die Luft ab.

Zuvor hatte die katholische Kirche des Landes zu friedlichen Protesten gegen Präsident Joseph Kabila aufgerufen. Ein Gottesdienstbesucher der Kirche in der Hauptstadt Kinshasa sagte der Nachrichtenagentur AFP, Polizisten und Soldaten seien während der Messe in die Kirche eingedrungen und hätten Tränengas verschossen.

Die Kirche hatte für Sonntag zu einem Marsch durch Kinshasa aufgerufen, um an den Jahrestag der Unterzeichnung eines Abkommens zu erinnern, das für 2017 die Wahl eines Nachfolgers für Kabila vorsah. Die gesamte Opposition schloss sich dem Aufruf an, die Behörden haben den Protestmarsch verboten.

Auch in einer Kathedrale im Stadtteil Lingwala setzte die Polizei am Sonntagmorgen Tränengas ein, als Oppositionsführer Felix Tshisekedi dort eintraf. Bereits in der Nacht war vor den Kirchen der Stadt Polizei und Armee aufmarschiert, Straßensperren wurden eingerichtet. Das Internet wurde "aus Gründen der staatlichen Sicherheit" abgeschaltet.

Kabila regiert seit Dezember ohne Mandat des Volkes, seine Zeit als Staatschef ist nach zwei Amtszeiten abgelaufen. Vermittler der katholischen Kirche hatten sich Ende März aus den Verhandlungen zwischen Kabilas Anhängern und der Opposition zurückgezogen.

Auch die von Dezember 2016 auf Ende 2017 verschobene Wahl wird es wohl nicht geben: Der Chef der Wahlkommission hatte Anfang Juli erklärt, Wahlen könne sich das Land finanziell nicht leisten - und die Unruhen in Kasai stünden einer Durchführung zusätzlich entgegen. Zuletzt war die Rede von einem Wahltermin im Dezember 2018.

cte/Reuters/AFP



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