Kardinal des Kongo zur Silvestergewalt "Die Mittelmäßigen sollen sich verziehen"

Der Machtkampf im Kongo zwischen katholischer Kirche und Präsident Kabila spitzt sich zu: Ihr oberster Würdenträger verurteilt die Attacken auf Gläubige an Silvester nun als "Barbarei" und fordert Konsequenzen.

Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya, Erzbischof von Kinshasa
AFP

Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya, Erzbischof von Kinshasa


Der kongolesische Kardinal Laurent Monsengwo hat die brutale Gewalt gegen Demonstranten am Silvestertag in der Demokratischen Republik Kongo scharf kritisiert.

Er nannte den Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken in mehreren Kirchen während des Gottesdienstes staatliche "Barbarei". Als Erzbischof von Kinshasa und Kardinal ist Monsengwo wichtigster katholische Würdenträger des Landes.

In seiner Ansprache wiederholte er Teile einer Erklärung, die am Vortag vom Komitee katholischer Laien (CLC) veröffentlicht worden war. Das CLC hatte zum Jahresende zu Protesten gegen Präsident Joseph Kabila aufgerufen. Der Staatschef ist seit Ende 2016 ohne Legitimation im Amt, angekündigte Wahlen fanden nicht statt.

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Kabila geht gegen Proteste vor: Tränengas zu Silvester

Mit dem brutalen Polizeieinsatz hat sich der ohnehin schon unbeliebte Präsident Kabila nun neue mächtige Feinde gemacht: 40 Millionen Kongolesen sind katholisch, viele von ihnen tiefreligiös, und die Kirche hat ein großes Mobilisierungspotenzial. Zum Jahreswechsel waren nun Hunderte Gläubige Ziel staatlicher Gewalt. Die Regierung sprach von fünf Todesopfern, das CLC zählte zwölf Tote, Dutzende Verletzte und mehrere hundert Festnahmen.

"Zeit, dass wieder Friede und Recht den Kongo regieren"

Kardinal Monsengwo forderte auch personelle Konsequenzen: "Es ist Zeit, dass sich die Mittelmäßigen verziehen und dass wieder Friede und Recht in der DR Kongo regieren." Unklar blieb, wen Monsengwo damit genau meinte. Er kritisierte die Sicherheitskräfte scharf, beklagte aber auch die schlechte Führung und den schlechten Zustand seines Heimatlands.

Präsident Kabila regiert das Land seit 2001. Damals war sein Vater und Amtsvorgänger Laurent-Désiré Kabila von einem Leibwächter erschossen worden. 2006 wurde Kabila bei den ersten demokratischen Wahlen im Kongo im Amt bestätigt, auch 2011 gelang ihm eine umstrittene Wiederwahl.

Nach zwei Amtszeiten hätte Ende 2016 laut Verfassung ein neuer Präsident bestimmt werden müssen. Kabilas Regierung hatte das aber erst mit Verweis auf organisatorische Probleme, dann mit Hinweis auf die vom Staat mitverschuldete Eskalation der Gewalt in der Krisenregion Kasai mehrfach verschoben.

cht

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neanderspezi 03.01.2018
1. Harmonische Machtwechsel sind in Afrika nicht vorgesehen
Der Regierungschef von der DR Kongo, Kabila jun., scheint sich an der Droge Macht schon so voll gepumpt zu haben, dass er mit allen Mitteln verhindern will diese loslassen zu müssen und selbst das seine Macht verlängernde Manöver durch Terrorisierung der größten Glaubensgemeinschaft des Landes für einen allgemeinen Unruhezustand veranlasst hat. Polizeikräfte scheinen in dem Land außerhalb irgendwelcher Gesetze agieren zu dürfen und mit keiner Strafverfolgung rechnen zu müssen, besonders wenn sie vom autonomen Chef für Recht und Ordnung zu Gewalttaten mobilisiert wurden. Über die Intelligenz solcher Untaten wird der katholische Glaubensfürst des Landes zwar ein Urteil fällen dürfen, er wird vermutlich jedoch für seine Gläubigen keine streitbare Schutztruppe aufbieten können. So werden die Bewahrer spezieller Bereicherungseinrichtungen weiterhin an der Macht bleiben, verziehen werden sie sich wegen anklagender Worte des Kardinals mit großer Wahrscheinlichkeit nicht.
wauz 04.01.2018
2. Geld
Zitat von neanderspeziDer Regierungschef von der DR Kongo, Kabila jun., scheint sich an der Droge Macht schon so voll gepumpt zu haben, dass er mit allen Mitteln verhindern will diese loslassen zu müssen und selbst das seine Macht verlängernde Manöver durch Terrorisierung der größten Glaubensgemeinschaft des Landes für einen allgemeinen Unruhezustand veranlasst hat. Polizeikräfte scheinen in dem Land außerhalb irgendwelcher Gesetze agieren zu dürfen und mit keiner Strafverfolgung rechnen zu müssen, besonders wenn sie vom autonomen Chef für Recht und Ordnung zu Gewalttaten mobilisiert wurden. Über die Intelligenz solcher Untaten wird der katholische Glaubensfürst des Landes zwar ein Urteil fällen dürfen, er wird vermutlich jedoch für seine Gläubigen keine streitbare Schutztruppe aufbieten können. So werden die Bewahrer spezieller Bereicherungseinrichtungen weiterhin an der Macht bleiben, verziehen werden sie sich wegen anklagender Worte des Kardinals mit großer Wahrscheinlichkeit nicht.
Die Droge heißt: Geld und sie wird von außen verabreicht. In Kongo werden eine Menge interessante Bodenschätze geschürft. Und jede internationale Macht möchte etwas abhaben und bezahlt/duldet die Bezahlung einer Firmen-Privatarmee, meist "Rebellen" Aber die Kabilas sind eben die Vertreter der USA im Konzert und damit werden Kabila jr und seine Bande wohl noch einige Zeit an der Macht bleiben. Demokratie kann nämlich unheimlich lästig sein, wenn es um's Geschäft geht
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