Lebenslange Haft Milizionäre im Kongo wegen rituellen Kindesmissbrauchs verurteilt

Im Ostkongo sind Ex-Milizionäre wegen Massenvergewaltigungen von Kindern schuldig gesprochen worden. Auch ein Politiker muss lange in Haft. Menschenrechtsgruppen feiern einen "historischen Sieg".

Ostkongolesische Rebellen (Archivbild)
AFP

Ostkongolesische Rebellen (Archivbild)


Männer der bewaffneten Gruppe Jeshi la Jesu (Jesus-Armee) hatten zwischen 2013 und 2016 in mindestens 37 Fällen teils sehr junge Mädchen vergewaltigt. Nun sind zehn ihrer Milizionäre und ein verantwortlicher Provinzpolitiker im Ostkongo dafür und wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden.

Laut Angaben des örtlichen Uno-Blauhelmkommandos (Monusco) waren die Opfer der Jesus-Armee zwischen acht und zwölf Jahren alt, mindestens zwei Kinder starben an den Folgen. Uno-Ermittler berichteten aus der Region, es soll auch Vergewaltigungsopfer im Kleinkindalter gegeben haben. Die Taten wurden in und um die Ortschaft Kavumu in der Provinz Südkivu begangen. Dort erging am Mittwoch auch das Urteil gegen die elf Täter.

Die Jesus-Armee wurde damals von Frédéric Batumike Rugimbanja, zur Tatzeit Abgeordneter des Provinzparlaments, befehligt. Der Politiker hatte den Männern laut Zeugenaussagen, die Uno-Ermittler dokumentierten, einen angeblichen Wunderheiler zur Seite gestellt. Der habe den Männern geraten, sich durch rituelle Vergewaltigungen möglichst junger Opfer gegen die Gewehrkugeln ihrer Feinde zu schützen.

Menschenrechtsaktivisten feiern "Sieg" gegen Straflosigkeit

Seit Jahren gibt es im Ostkongo immer wieder sexuelle Gewalt und Gruppenvergewaltigungen. Aberglaube und die fast immer ausbleibende Strafverfolgung begünstigen die extrem grausamen Übergriffe auf Zivilisten durch rund 120 ostkongolesischen Milizen. Hunderttausende Menschen wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten vergewaltigt und ermordet.

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Das Urteil hat wichtige Signalwirkung, weil es zeigt, dass lokale Gerichte in der Lage sind, Verbrechen gegen die Menschlichkeit selbst und hart zu ahnden. Nichtregierungsorganisationen und Menschenrechtsaktivisten feierten das Urteil als "historischen Sieg" über die Unkultur der Straflosigkeit bei sexueller Gewalt.

"Zu lange haben Vergewaltiger im Kongo gedacht, dass sie unbesiegbar sind", erklärte die Nichtregierungsorganisation Ärzte für Menschenrechte. "Vor einigen Jahren wäre ein solcher Prozess noch unvorstellbar gewesen."

cht/dpa/AFP/Reuters

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