Gewalt im Kongo an Silvester Präsident Kabila greift die Kirche an

Tränengas in Gottesdiensten, Schüsse auf Demonstranten: Kongos Präsident Joseph Kabila hat sich in der Silvesternacht neue Feinde gemacht. Es ist ein Kampf, den der störrische Herrscher verlieren könnte.

AFP

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Kongos ohnehin schon unbeliebter Präsident Joseph Kabila hat sich zum Neujahrstag selbst ein großes Problem geschaffen: viele tausend, wenn nicht Millionen neue Gegner.

Menschen, die bislang nur unzufrieden mit der miserablen Wirtschaftslage, mit dem Ausbleiben von Wahlen oder mit Willkür der Behörden waren, wurden über Nacht zu Oppositionellen. "Kabila dégage" - Kabila hau ab - es könnte 2018 der Schlachtruf im ganzen Land werden.

Auf einen Aufruf zum Protest durch das Komitee katholischer Laien (CLC) zu Silvester antwortete der Staat mit brutaler Repression: Polizisten verschossen Tränengas in Kirchen, in der Hauptstadt und weiteren Orten wurden mehrere Menschen erschossen. 40 Millionen Kongolesen sind katholisch - zum Jahreswechsel wurden viele von ihnen Ziel staatlicher Gewalt.

In der Gemeinde Saint Alphonse im Osten Kinshasas starben zwei Menschen an Schussverletzungen. Viele Gläubige verschanzten sich aus Angst vor der Polizei in ihrer Kirche. Daraufhin schlugen Beamte die Fenster kaputt und drangen in den Gebetssaal ein, berichtete Abt Hugues Ndongizila dem französischen Auslandssenders RFI. "Sie entrissen den Gemeindemitgliedern die Handys, ihr Geld und schlugen sie zusammen", sagte der Abt einer Reporterin.

Die Wahlbehörde ruft ein Wahljahr aus - wie schon 2016 und 2017

Laut Uno starben am Jahreswechsel landesweit mindestens acht Menschen, die CLC zählte zwölf Tote, Dutzende Verletzte und Hunderte Festnahmen bei den Protesten vor und nach den Silvestermessen.

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Kabila geht gegen Proteste vor: Tränengas zu Silvester

Anlass für die Demonstrationen ist der politische Stillstand im Land. Ende 2016 hatten katholische Bischöfe zwischen Kabila und der Opposition einen Kompromiss ausgehandelt: Bis Ende 2017 sollten die längst überfälligen Präsidentschaftswahlen abgehalten werden. Seit mehr als einem Jahr ist Kabila schon ohne Mandat an der Macht - doch außer immer noch mehr Gewalt und Repression ist seither nichts geschehen.

Zum ersten Jahrestag der Übereinkunft am 31. Dezember, rief der CLC die Menschen auf die Straße. Vorsorglich hatte Kabilas Regime vor dem Jahreswechsel Internet und Mobilfunknetze abschalten lassen, was die Proteste aber nicht verhindern konnte. Am Montagabend waren die Verbindungen noch nicht wieder hergestellt.

In seiner Neujahrsrede erwähnte Kabila die Proteste mit keinem Wort. 2017 sei "das Jahr der Eröffnung eines neuen Wahlzyklus" gewesen, sagte Kabila. Die Wahlkommission habe die Wahlregister aktualisiert und dabei "Gigantisches" geleistet. Die Behörde selbst erklärte 2018 zum "Wahljahr" - allerdings tat sie das auch schon Anfang 2016 und 2017.

Gerade wegen der Gewalt in der Silvesternacht geben sich die katholischen Laien aber unversöhnlich. "Wir sagen Stopp zum Leid des kongolesischen Volkes", heißt es in einer neuen Erklärung. Die Staatsmacht habe nicht gezögert, scharf zu schießen und Tränengas in Kirchen während der Messe einzusetzen. Dem hätten sich Millionen im ganzen Land mit friedlichem Protest furchtlos entgegengestellt. "Nichts fühlt sich stärker an, als wenn wir alle geeint sind."

Schon Ende November hatte die katholische Bischofskonferenz den Präsidenten aufgerufen, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten. Doch ob es überhaupt zu einer Wahl kommt, ist angesichts immer neuer Krisen fraglich: Neben den kriegsähnlichen Zuständen in der Kasai-Region und den Rebellengefechten im Ostkongo macht sich Kabilas Regime durch exzessive Gewalt an noch mehr Orten noch mehr Feinde. Einige halten auch das für Kalkül des Präsidenten. Denn die Gewalt im Land diente schon bisher als beliebter Grund, erst gar keine Wahlen anzusetzen.

insgesamt 2 Beiträge
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DerNachfrager 02.01.2018
1. Kabila. Sagen wir doch einfach:
Mobutu 2.0
/egal/ 02.01.2018
2. Mal sehen...
Zitat von DerNachfragerMobutu 2.0
Mobutu ging ins Exil. Kabila...ich sags mal so: wenn es in Kinshasa Laternenpfähle gibt, würde ich mir an seiner Stelle ernsthafte Sorgen machen. Die religiösen Gefühlen der Leute sind ziemlich mächtige Waffe...zeigt sich rund um den Globus
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