Kongo Schießereien und Stichwahl

Im Kongo kommt es im Oktober zu einer Stichwahl über den neuen Präsidenten. Amtsinhaber Joseph Kabila und sein schärfster Konkurrent Jean-Pierre Bemba lagen in der ersten Runde gleichauf. Die Bekanntgabe des Ergebnisses wurde von heftigen Schießereien in der Hauptstadt Kinshasa überschattet.


Kinshasa - Mit 44,81 Prozent habe der amtierende Staatschef Kabila die absolute Mehrheit verfehlt, teilte die Wahlkommission mit. Gegen ihn tritt sein Vize Bemba an, der mit 20,03 Prozent auf den zweiten Platz kam.

In einer Fernsehansprache zeigte sich Kabila überzeugt, aus der zweiten Runde siegreich hervorzugehen. Er sei sicher, dass ihm die Wähler das Mandat für eine weitere Amtszeit erteilen würden, sagte der Präsident. Er dankte seinen Anhängern, die ihm in der ersten Runde zum Sieg verholfen hatten. Danach wandte er sich auch an seine Kritiker: "Ich verstehe eure Unruhe, eure Unsicherheit und eure Kritik", versicherte er. Er werde daraus lernen, um die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen.

Kabila hatte nach der Ermordung seines Vaters, Präsident Laurent-Désiré Kabila, im Jahr 2001 das höchste Staatsamt angetreten. Sein Sieg in der ersten Runde war erwartet worden, in der zweiten Runde könnten sich allerdings seine Gegner hinter seinem Rivalen Bemba vereinen. Dieser hatte jahrelang im Osten Kongos als Chef der von Uganda unterstützten "Bewegung zur Befreiung des Kongo" (MLC) gegen Kabilas Truppen gekämpft, bis er nach Beendigung des Bürgerkriegs als Vize-Präsident in die Übergangsregierung eingebunden wurde.

Die Bekanntgabe der Ergebnisse wurde von Schusswechseln in Kinshasa überschattet, bei denen mindestens drei Menschen getötet und etwa zehn verletzt wurden. Bei einer Schießerei zwischen Anhängern Bembas und Kabilas kamen Sonntagabend ein Mitglied der Leibwache des Vizepräsidenten und ein Angehöriger der Präsidentengarde von Kabila ums Leben, wie es aus westlichen Armeekreisen sowie von Seiten der Uno hieß. Nach Angaben des Militärs ereignete sich der Zwischenfall in der Nähe des Parteisitzes Bembas und von ihm gehörenden Fernsehsendern.

Die ersten freien Wahlen im Kongo seit mehr als 40 Jahren werden von 2000 Soldaten aus der EU überwacht, unter ihnen auch mehr als 700 Bundeswehrsoldaten.

als/AFP/AP



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