Schätzung der Kirche 3400 Menschen bei Unruhen im Kongo getötet

Tausende Tote, komplett zerstörte Dörfer: Bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Milizen im Kongo sind nach Angaben der Kirche in den vergangenen acht Monaten fast 3400 Menschen getötet worden.

Flüchtlinge aus dem Kongo
DPA

Flüchtlinge aus dem Kongo


Bei Unruhen in der Demokratischen Republik Kongo sind offenbar weit mehr Menschen getötet worden als bislang angenommen. Nach Schätzungen der katholischen Kirche kamen dort in den vergangenen acht Monaten rund 3400 Menschen ums Leben.

Die meisten der Opfer in der zentralkongolesischen Region Kasai habe es bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Milizen gegeben, heißt es in einem Bericht des päpstlichen Gesandten. Dabei seien 20 Dörfer "komplett zerstört" worden.

Der Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen, Zeid Ra'ad Al Hussein, warf den kongolesischen Behörden vor, die Miliz Bana Mura zu bewaffnen. Diese verübe "schreckliche Attacken" auf Zivilisten, sagte er vor dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf. Er hatte bereits Anfang Juni internationale Ermittlungen gefordert.

Beobachter werfen den Einsatzkräften in der Provinz unter anderem außergerichtliche Hinrichtungen, die Tötung von Kindern, Rekrutierung von Kindersoldaten und sexuelle Gewalt vor.

Die Kämpfe hatten im August 2016 damit begonnen, dass ein lokaler Anführer, der gegen Präsident Joseph Kabila aufbegehrte, getötet worden war. Im Februar war der Konflikt in Ost- und Westkasai wieder aufgeflammt, binnen zwei Tagen starben mindestens 90 Menschen.

Im April entdeckten Uno-Ermittler weitere Massengräber in der Unruheregion, ihre Zahl stieg damit auf 23. Insgesamt gingen Ermittler bislang von etwa 400 Toten im Kasai-Konflikt aus. 1,3 Millionen Menschen sollen aus ihrer Heimat geflohen sein. Vermittler der katholischen Kirche hatten sich Ende März aus den Verhandlungen zwischen Kabilas Anhängern und der Opposition zurückgezogen.

vks/AFP

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