Demokratische Republik Kongo Uno-Ermittler entdecken 38 Massengräber

Grauenhafter Fund im Kongo: Mitarbeiter der Vereinten Nationen haben in dem Land mehrere Massengräber entdeckt. In der betroffenen Region bekämpfen sich seit Monaten Milizen und Regierungstruppen.

Uno-Blauhelme auf Patrouille in Kasai (Archivbild)
REUTERS

Uno-Blauhelme auf Patrouille in Kasai (Archivbild)


Uno-Ermittler haben in der Demokratischen Republik Kongo 38 mutmaßliche Massengräber entdeckt. Der Fund sei bereits in der vergangenen Woche gemacht worden, sagte ein Sprecher der Uno-Friedensmission Reportern in der Hauptstadt Kinshasa. Die Zahl der bisher entdeckten Massengräber stieg damit auf mindestens 80.

Die Gräber sollen an sechs verschiedenen Stellen der zentralkongolesischen Provinz Kasai entdeckt worden sein. Wie viele Tote sich darin befanden, blieb zunächst unklar.

In den vergangenen Monaten waren dort immer wieder Massengräber gefunden worden. Im April fanden Uno-Ermittler in zwei zentralkongolesischen Provinzen 13 Massengräber.

Im Kongo schwelt seit August ein gewaltsamer Konflikt zwischen Milizen und Regierungstruppen. Die Kämpfe begannen, als ein lokaler Anführer, der gegen Präsident Joseph Kabila aufbegehrte, getötet wurde. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, für die Massengräber verantwortlich zu sein.

Im Februar war der Konflikt in Ost- und Westkasai erneut ausgebrochen, innerhalb von zwei Tagen starben mindestens 90 Menschen. Insgesamt kamen bei den Unruhen nach Schätzungen der katholischen Kirche in den vergangenen acht Monaten rund 3400 Menschen ums Leben. 1,4 Millionen Menschen sollen aus ihrer Heimat geflohen sein.

Präsident Kabila regiert im Kongo seit Dezember ohne Mandat des Volkes, seine Zeit als Staatschef ist nach zwei Amtszeiten abgelaufen. Die überfälligen Wahlen sind bereits mehrfach verschoben worden. Im Gespräch mit dem SPIEGEL begründete Kabila das mit Kämpfen mit einer Rebellengruppe im Osten des Landes. "Wir mussten den Streitkräften dafür alle Mittel zur Verfügung stellen. Wahlen sind da nicht unsere Priorität gewesen", sagte er.

Die Gewalt in der Region Kasai könnte nun dafür sorgen, dass der Termin noch weiter nach hinten verschoben wird. Der Uno-Botschafter des Landes sagte, dass die Registrierung der Wähler in den Provinzen Kasai und Kasai-Zentral wegen der Kämpfe noch immer nicht begonnen habe.

ehh/Reuters/AP



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