Kongo-Wahl Bestialischer Mord in Kinshasa - Uno-Direktor Conze besorgt

Kurz vor der Präsidentenwahl im Kongo kamen bei Ausschreitungen mindestens sieben Menschen ums Leben. Ein Soldat wurde bei lebendigem Leib verbrannt. Der politische Direktor der Uno-Mission im Kongo, Conze, äußerte sich sehr besorgt über die Unruhen.


Kinshasa/Bunia - Vor der historischen Wahl im Kongo mehren sich die Zeichen der Hoffnung, aber auch der Gewalt. Bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Kinshasa kam es gestern Abend zu Ausschreitungen, denen mindestens sieben Menschen zum Opfer fielen.

Kinshasa: Ausschreitungen kurz vor der Wahl
DPA

Kinshasa: Ausschreitungen kurz vor der Wahl

In der östlichen Unruheprovinz Ituri erklärten sich derweil die beiden letzten großen Rebellengruppen zur Entwaffnung bereit, um im Gegenzug eine Amnestie sowie Posten in den offiziellen Streitkräften zu erhalten.

Auslöser der Unruhen in Kinshasa war ein Brand im Lager der Anhänger des Kandidaten Jean-Pierre Bemba, eines früheren Rebellenführers. Auch das Haus des Leibwächters von Bemba ging aus zunächst ungeklärten Gründen in Flammen auf, wobei zwei Babys getötet wurden. Bei einer Kundgebung für Bemba mit rund 20.000 Teilnehmern in einem Stadion der Hauptstadt herrschte deshalb eine aufgebrachte Stimmung.

Ein Soldat, der angeblich in die Menge gefeuert haben soll, wurde bei lebendigem Leibe verbrannt. Später zogen marodierende Jugendliche plündernd durch Kinshasa und setzten eine Kirche in Brand, vor der Wahlplakate des Spitzenkandidaten Joseph Kabila standen. Nach Uno-Angaben wurden zwei Polizisten und mehrere Zivilpersonen getötet.

Die Bereitschaft der Milizen im Osten Kongos, ihre Waffen niederzulegen, wurde von den Vereinten Nationen als wichtiger Schritt auf dem Weg zum Frieden in der Region gewertet. Weit über 10.000 Kämpfer sind von dieser Entscheidung der einstigen Rebellenführer betroffen. Ihre Eingliederung in die Streitkräfte wird von Menschenrechtsgruppen allerdings skeptisch gesehen. "Es sendet das Signal aus, dass man, um Oberst zu werden, sich nur ein Gewehr schnappen und ein paar Leute umlegen muss", kritisierte Anneke Van Woudenberg von Human Rights Watch.

Der Projektleiter der Deutschen Welthungerhilfe in Bunia, Rüdiger Sterz, erklärte, er rechne mit einem weitgehend friedlichen Wahlverlauf im Osten des Kongos. "Die Bevölkerung zeigt eine Mischung aus Hoffnung und Zuversicht", sagte Sterz. "Für viele ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie wählen dürfen." Die Präsidenten- und Parlamentswahlen am Sonntag sind die ersten freien Wahlen im Kongo seit mehr als 40 Jahren. Sie sollen das Land nach Jahrzehnten der Diktatur und des Krieges auf den Weg zur Demokratie führen. Die Abstimmung wird von 2000 EU-Soldaten abgesichert, unter ihnen 780 Deutsche.

Mit Sorge sieht der politische Direktor der Uno-Mission im Kongo, der Deutsche Albrecht Conze, der Wahl am Sonntag entgegen. "Jetzt, in den letzten Tagen, droht es noch einmal abzugleiten", sagte er dem Inforadio vom rbb. Gemeinsam mit den EU-Truppen im Land und über Kontakte in alle politischen Lager hinein müssten sich die Uno nun bemühen, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Kritische Phasen gebe es auch in der Zeit nach der Wahl, wenn zunächst keine Ergebnisse verkündet würden beziehungsweise nach den Resultaten, wenn die Verlierer feststünden. Grundsätzlich sei er jedoch überrascht, wie friedlich der Wahlkampf bisher abgelaufen sei. "Der Wahlkampf war relativ ruhig und fast gewaltfrei, was uns positiv überrascht hat", sagte Conze.

Die Wahlen sollen einen Schlussstrich ziehen unter den Bürgerkrieg, bei dem im Kongo zwischen 1998 und 2003 vier Millionen Menschen umgekommen waren.

Von Anjan Sundaram, AP/ mit Reuters



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