Nach der Wahl Kongos Regierung kappt das Internet

Der Zugang zum Netz ist blockiert - die sozialen Netzwerke sind es ebenso: In der Demokratischen Republik Kongo gibt es kurz nach der Präsidentenwahl kein Internet mehr. Die Betreiber verweisen auf die Regierung.

Bewaffnete Polizei in Kinshasa
AFP

Bewaffnete Polizei in Kinshasa


Die Demokratische Republik Kongo sucht nach einem Nachfolger für Dauerpräsident Joseph Kabila. Rund um die Stimmabgabe am Sonntag kam es immer wieder zu Zwischenfällen - nun hat offenbar die Regierung in weiten Landesteilen den Zugang zum Internet sperren lassen.

Der Zugang sei "auf Anweisung der Regierung für unbestimmte Zeit" unterbrochen worden, teilte der Internetbetreiber Global am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP in Kinshasa mit. Ähnlich äußerten sich Vertreter der großen Internetunternehmen Vodacom und Airtel. Die Opposition zeigte sich beunruhigt und warnte die Regierung vor Wahlbetrug.

Die Internetsperre begann, als die ersten Wahlresultate aus den Abstimmungsbüros des riesigen Landes per Twitter veröffentlicht wurden. Der Zugang zum Netz sowie zu den sozialen Medien war am Montag nicht möglich, wie AFP-Korrespondenten aus Kinshasa, Goma, Beni und Lubumbashi berichteten. Korrespondenz per SMS war am Montagvormittag noch möglich.

Der Generalsekretär der einflussreichen katholischen Bischofskonferenz, Donatien Nshole, bedauerte die Internetsperre. Das Team des Oppositionskandidaten Martin Fayulu warf der Regierung vor, durch das Internet-Blackout den "überwältigenden Sieg" Fayulus verschleiern zu wollen.

Im Bezirk Walungu in der Provinz South Kivu hatte es am Sonntag einen Gewaltausbruch gegeben. Ein Mitarbeiter der Wahlkommission sowie ein Polizist sollen dabei getötet worden sein. Zuvor habe eine aufgebrachte Menge den Wahlhelfer beschuldigt, die Stimmabgabe zu beeinflussen, sagte der Kommissionsvorsitzende Corneille Nangaa am Sonntagabend. Der Mitarbeiter habe versucht, einen Wahlautomaten zu reparieren. Die Menge habe ihn daraufhin gelyncht, dabei sei auch der Polizist gestorben. Der Aktivist Patient Bashombe berichtete der Nachrichtenagentur dpa von einem dritten Toten in Walungu, als die Polizei das Feuer eröffnet habe.

Wahlautomaten kaputt, Warteschlangen vor den Lokalen

Im Ostkongo erzwangen bewaffnete Rebellen die Schließung einiger Wahlbüros, in der Südwest-Provinz Mai-Ndombe verwüsteten aufgebrachte Menschen Wahlbüros, weil Stimmzettel fehlten. Rund 540 Wahlautomaten versagten, einige Wahllokale blieben noch nach der offiziellen Schließzeit offen, weil Wähler in langer Schlange davor auf ihre Stimmabgabe warteten. Wahlbeobachter der katholischen Bischofskonferenz registrierten 194 Gewaltvorfälle.

Schon vor der Wahl war es in jenen Regionen zu Unruhen gekommen, in denen die Stimmabgabe für rund 1,2 Millionen Menschen auf März 2019 verschoben worden war. Die Wahlkommission begründet dies mit einem Ebola-Ausbruch und Terrorgefahr. Trotzdem soll der Nachfolger des autoritär regierenden Kabila am 18. Januar vereidigt werden.

Knapp 39 Millionen Bürger waren mit mehr als zweijähriger Verspätung zur Wahl eines Nachfolgers des Präsidenten aufgerufen. Dessen Partei stellte den früheren Innenminister Emmanuel Ramazani Shadary als Kandidaten auf.

Reale Chancen wurden neben Shadary allenfalls den Oppositionskandidaten Felix Tshisekedi und Martin Fayulu eingeräumt. Kabilas Kandidat Shadary beanspruchte jedoch noch vor Schließung der Wahllokale den Sieg für sich. Ein vorläufiges Ergebnis der Präsidentschaftswahl soll nach Angaben der unabhängigen Wahlkommission am 6. Januar verkündet werden.

jok/AFP/dpa



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
EXFHSSZIGB 31.12.2018
1. @SPON: Wo bitte sehen Sie den Unterschied zwischen
dem "Zugang zum Netz sowie zu den sozialen Medien". Das ist ja wohl das Gleiche. Oder wollen Sie einen weissen Schimmel reiten? Ohne Netz keine sozialen Medien,... auf die man allerdings auch gerne verzichten könnte.
BernhardNYC 31.12.2018
2. @exfhsszigb
Nein, das ist nicht das gleiche. Und schließen sie nicht von sich auf andere. Wenn sie auf soziale Netzwerke verzichten wollen ist das ihr 1st world privileg. In manchen Ländern sind die sozialen Netzwerke wichtige Medien für den Fluss von persönlichen oder politischen Informationen.
matijas 31.12.2018
3. Stecker gezogen
Soviel zum oft verkündeten Glauben, das Internet mache unabhängig von den Staatsmedien, vor allem wegen der "verteilte" Server und so. War immer schon eine blinde Euphorie. Staat lässt bei Bedarf einfach den Stecker ziehen, Kapital gehorcht, und das wars dann.
kochra8 01.01.2019
4. @ exfhsszigb
Mit Netz verstehe ich die Computeranschlüsse (Glasfaser?) als physisch; im Unterschied dazu betreibt sich WhatsApp mit Funktelefonie. Sie werden das spätestens dann verstehen, wenn eine Revolution GEGEN Trump sich zu etablieren versucht. Weil für eine Kontrolle wie bspw. in den Ländern Türkei und Russland fehlen dem Kongo sehrwahrscheinlich die Kräfte.
Hamberliner 01.01.2019
5. Usenet considers censorship a damage and navigates around it.
Genau für solche Situationen ist das Usenet wie geschaffen. Es ist nicht auf TCP/IP angewiesen, auf Kabelnetzwerke und/oder Mobilfunk. Mit UUCP, mit dem gelegentlichen Transport von Dateien, kann man es physisch mit den abenteuerlichsten Provisorien betreiben. Ich wüsste nicht, wieso es nicht machbar sein sollte, UUCP sogar mit dem Transport von USB-Sticks durch ausreichend viele Aktivisten zu realisieren. Es könnten sich auch Amateurfunker nützlich machen - Segler wissen, dass man mitten auf dem Atlantik oder Pazifik eine bescheidene Konnektivität ohne astronomisch teure Satellitenverbindung bekommt, wenn an Land ein befreundeter Amateurfunker dafür sorgt. Die Verteilung vor Ort von den einzelnen NNTP-Servern aus könnte ich mir nach dem Vorbild unseres Freifunk vorstellen, einer Verkettung oder Vernetzung privater WLANs. Das Usenet ist nicht durch staatliche Repression viel unzweckmäßigeren, verwundbareren Medien in der Hand kommerzieller Abzocker wie Facebook, Twitter und Whatsapp gewichen, sondern durch kollektive Blödheit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.