Klage von Konservativen: Streit um Fotos von Bin Ladens Leiche

Fotos, die den toten Osama Bin Laden zeigen, halten die USA streng unter Verschluss - zu groß ist die Angst vor Racheaktionen von Extremisten. Doch nun könnten die Richter eine Veröffentlichung erzwingen: Eine konservative Gruppe klagt auf Herausgabe der Aufnahmen.

Bin-Laden-Einsatz: Tödliche Schüsse im Schlafzimmer Fotos
REUTERS/ ABC News

Washington - Es ging alles ganz schnell in der Nacht auf den 2. Mai 2011. Kurz nach ein Uhr hatte das Team Six der Navy Seals zugeschlagen, Osama Bin Laden lag tot in seinem Anwesen im pakistanischen Abottabad. Gegen 11 Uhr am nächsten Vormittag versenkte die Besatzung des US-Flugzeugträgers USS "Carl Vinson" den Leichnam des erschossenen Qaida-Führers im Arabischen Meer.

Ganze zehn Stunden dauerte es von der Tötung bis zur Seebestattung des meistgesuchten Manns der Welt. Irgendwann in diesen zehn Stunden entstand eine Fotoserie mit Aufnahmen der Leiche Bin Ladens. Um diese Bilder ist in den USA eine hitzige Debatte entbrannt.

An diesem Donnerstag beschäftigt sich der US-Court of Appeals, eine Art Bundesberufungsgericht, mit dem Fall. Auf der einen Seite: Judicial Watch Inc., eine konservative Watchdog-Organisation. Ihr Motto: "Niemand steht über dem Gesetz". Judical Watch verlangt die Herausgabe von insgesamt 52 Fotos des toten Bin Laden - und beruft sich dabei laut "Washington Post" auf das Recht der amerikanischen Bürger auf freie Information.

Das sieht die US-Regierung ganz anders. Die Obama-Administration argumentiert, dass mit der Herausgabe der Leichenfotos die nationale Sicherheit gefährdet werden könnte. Die Angst vor Vergeltungsaktionen von Extremisten ist groß bei den Verantwortlichen in Washington. Zudem würden möglicherweise Details der Operation öffentlich, die ähnliche Einsätze in Zukunft erschweren könnten. Diese Ansicht teilte bereits im vergangenen April ein niedrigeres US-Gericht - und schmetterte eine erste Klage von Judical Watch Inc. ab.

Doch so schnell gibt die Gruppe aus Washington nicht auf. "Es klingt so, als gäbe es nur grausige Bilder von dem Einsatz, Fotos von Einschüssen in Bin Ladens Kopf etwa. Dabei zeigt zumindest ein Teil der Aufnahmen weit mehr als nur ein blutiges Durcheinander." Seine Organisation habe es vor allem auf diese "harmloseren" Bilder, nach der Reinigung des Leichnams und von dessen Behandlung nach islamischen Richtlinien, abgesehen.

Zudem habe sich die US-Regierung in der Vergangenheit nicht immer an ihre selbstgestecken Richtlinien gehalten, so der Vorwurf. So seien Bilder von den Leichen der Söhne des irakischen Diktators Saddam Hussein im Jahr 2003 über das Verteidigungsministerium an die Öffentlichkeit gelangt. Gleiches gelte für den getöteten irakischen Extremisten Abu Mussab al-Sarkawi drei Jahre später.

Neue Diskussion um Mission in Pakistan

Durch den Hollywood-Film "Zero Dark Thirty" ist der Einsatz gegen den Terrorfürsten wieder in den Fokus der US-Öffentlichkeit geraten. So ist eine intensive Debatte darüber entbrannt, welche Rolle die Folter von Gefangenen bei der Ergreifung Bin Ladens gespielt haben könnte.

Judical Watch Inc. erhofft sich von der neu entfachten Aufmerksamkeit um die Operation "Neptune Spear", so der Codename des nächtlichen Einsatzes, eine Chance auf die Revision des Richterspruchs vom April 2012.

Allzu große Chancen geben Beobachter der Mission allerdings nicht. Zu stark ist das Argument der nationalen Sicherheit. Zudem hatte Präsident Barack Obama bereits im Mai 2011 im US-Sender CBS erklärt, die blutigen Bilder könnten von Extremisten zu Propagandazwecken missbraucht werden. "Wir präsentieren so etwas nicht als Trophäen", so Obama.

jok

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insgesamt 26 Beiträge
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1.
Atheist_Crusader 10.01.2013
Zitat von sysopIhr Motto: "Niemand steht über dem Gesetz". Judical Watch verlangt die Herausgabe von insgesamt 52 Fotos des toten Bin Laden - und beruft sich dabei laut "Washington Post" auf das Recht der amerikanischen Bürger auf freie Information.
Wenn ich mich nicht irre, sagt der Gesetzestext aber nicht, wie schnell das geschehen muss. Geheimdienstakten liegen auch Jahrzehnte unter Verschluss bis sie (wenn überhaupt) der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Zu Recht. Denn wenn jeder Bürger mal eben gehemdienstliche Detaisl einsehen könnte, dann können die Geheimdienste ihre Arbeit auch gleich einstellen.
2.
themistokles 10.01.2013
Zitat von Atheist_CrusaderWenn ich mich nicht irre, sagt der Gesetzestext aber nicht, wie schnell das geschehen muss. Geheimdienstakten liegen auch Jahrzehnte unter Verschluss bis sie (wenn überhaupt) der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Zu Recht. Denn wenn jeder Bürger mal eben gehemdienstliche Detaisl einsehen könnte, dann können die Geheimdienste ihre Arbeit auch gleich einstellen.
Im Grunde haben Sie recht. Hier handelt es sich aber um Fotos mit keinerlei Auswirkungen mehr, da der Vorgang abgeschlossen ist. Bin Laden ist tot - misson accomplished. Zudem: Zurückhaltung aufgrund Gefühlen? Lächerlich, es reicht eine simple Strichzeichnung, um den Mob wütend zu machen und/ oder 10 Minuten Tagesschau mit blutenden Menschen.
3. extremistische Konservative
Mo2 10.01.2013
Zitat von sysopFotos, die den toten Osama Bin Laden zeigen, halten die USA streng unter Verschluss - zu groß ist die Angst vor Racheaktionen von Extremisten. Doch nun könnten die Richter eine Veröffentlichung erzwingen: Eine konservative Gruppe klagt auf Herausgabe der Aufnahmen. Konservative vor Gericht: Streit um Bin Ladens Leichenfotos - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/konservative-vor-gericht-streit-um-bin-ladens-leichenfotos-a-876752.html)
Und was wollen die "Konservativen" damit anfangen? Ich tippe mal W..Vorlage.
4.
nmare 10.01.2013
Zitat von Mo2Und was wollen die "Konservativen" damit anfangen? Ich tippe mal W..Vorlage.
Ich glaube eher, dass sie Obama nicht trauen und einen Fotobeweis wollen, dass Bin Laden wirklich tot ist.
5. typisch
kohtachan 10.01.2013
Ist ja wieder ganz typisch. Kaum mag die Öffentlichkeit mal ein Recht auf Informationen haben. Blockt der Staat, um seine kreminellen Machenschaften zu vertuschen. Die jenigen, die das gesetzlich noch unterschreiben kommen aus den eigenen Reihen selbst. Dem Staat. Schon krank, wie wir von den Regierungen verarscht werden.
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