Kopenhagen Autonome kapern Parteizentrale

In Kopenhagen habe Autonome heute die Zentrale der Sozialdemokraten besetzt. Nach den Ausschreitungen in der vergangenen Nacht stellen sich die Sicherheitskräfte in der dänischen Hauptstadt auf weitere Krawalle ein. "Wir überziehen die ganze Stadt mit Polizisten", sagte Polizeichef Larsen.


Kopenhagen - Die Autonomen begründeten die Besetzung der Parteizentrale damit, dass die Partei von Oberbürgermeisterin Ritt Bjerregaard die Zwangsräumung eines Jugendzentrums am Vortag zu verantworten habe. Im Gefolge der Räumungsaktion war es zu schweren Straßenkrawallen gekommen. 217 Menschen wurden festgenommen, darunter neun Deutsche.

Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, die deutsche Botschaft stehe im Kontakt mit der dänischen Polizei. Nach Angaben der dänischen Polizei waren unter den Festgenommenen 17 Ausländer aus Deutschland, Frankreich, England, Polen und Litauen.

Haftrichter verhängten jeweils vier Wochen Untersuchungshaft gegen 34 Besetzer des geräumten Jugendzentrums ("Ungdomshuset"). Bei den Haftbefehlen gegen Teilnehmer an den Krawallen wurden auch für einen 15- Jährigen 26 Tage Untersuchungshaft verfügt. Er hatte nach Polizeiangaben vier Pflastersteine gegen Beamte geworfen.

Die Polizei stellt sich auf weitere Proteste ein. Die Sicherheitskräfte in Kopenhagen forderten Verstärkung aus anderen Landesteilen an. "Wir überziehen die ganze Stadt mit Polizisten", sagte Polizeichef Per Larsen.

Bis zum Nachmittag blieb es jedoch ruhig. Der dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Gewalt.

"Wir waren erstaunt über das Ausmaß des Konflikts", sagte Polizeisprecher Flemming Steen Munch. "Wir haben in Dänemark Meinungsfreiheit und es ist schockierend zu sehen, dass Gewalt eingesetzt wird, um auszudrücken, was man denkt", sagte die dänische Justizministerin Lene Espersen dem Fernsehsender TV2.

In Hamburg, Hannover und Berlin kam es zu Solidaritätskundgebungen für die Hausbesetzer. Nach Polizeiangaben beteiligten sich in Berlin rund 300, in Hamburg mehr als 700 und in Hannover rund 120 Menschen. In Hamburg wurden 16 Demonstranten vorübergehend festgenommen. Einige Protestierende warfen mit Flaschen und Steinen und zündeten Müllcontainer an.

Die Auseinandersetzungen hatten gestern mit der Räumung eines von linksgerichteten Hausbesetzern bewohnten Jugendzentrums im Problemviertel Nörrebro begonnen. Eine Protestkundgebung mit mehr als tausend Teilnehmern mündete in stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei.

Das Jugendzentrum "Ungdomshuset" war mehr als 20 Jahre mit Duldung der Stadt Anlaufstelle der alternativen Szene. Dann wurde es von einer christlichen Sekte gekauft, die einen Gerichtsbeschluss zur Räumung des Gebäudes durchsetzte. Auf seiner Homepage spricht sich das Ungdomshuset gegen Rassismus, Diskriminierung, harte Drogen und Gewalt aus. Allerdings wird ein Unterschied gemacht zwischen staatlicher Gewalt zur Unterdrückung anderer und Gewalt zur Selbstverteidigung.

hen/dpa/AP/AFP



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