Attentat in Kopenhagen "Ein Akt des Terrorismus"

Nach einer Schießerei in Kopenhagen spricht die dänische Regierung von einem Terroranschlag. Ein Mensch ist tot, drei weitere verletzt. Der Täter ist auf der Flucht, die Polizei fahndet mit einem Foto.


In Kopenhagen ist bei Schüssen auf ein Kulturzentrum ein Mensch getötet worden, drei Polizisten wurden verletzt. Die dänische Regierung spricht von einem Terrorangriff: "Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind", sagte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt.

Die Polizei ging zunächst von zwei Tätern aus, später hieß es, es werde nach einem Täter gefahndet. Er schoss von außen mit einer automatischen Waffe auf das Jazzcafé Krudttønden, in dem eine Diskussion zum Thema Kunst, Gotteslästerung und Meinungsfreiheit stattfand. In den Fenstern des Hauses waren zahlreiche Einschusslöcher zu sehen. Der Angreifer flüchtete mit einem VW Polo, der wenig später gefunden wurde.

Bei Twitter veröffentlichte die dänische Polizei dieses Bild. Text: "Krudttønden: Fahndungsfoto! Wer ist dieser Mann? Rufen Sie 114 an. Gerne RT. Danke."

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

"Ich sah einen maskierten Mann wegrennen", berichtet Helle Merete Brix, eine der Organisatorinnen der Diskussionsveranstaltung. Zu den Rednern gehörte unter anderem der schwedische Mohammed-Karikaturist Lars Vilks. Er hatte 2007 für Aufsehen gesorgt, nachdem er den Propheten als Hund dargestellt hatte.

Ein Video bei YouTube soll den Tatort zeigen. Zu sehen ist die Glasscheibe, auf die die Schüsse gefeuert wurden. Später wird ein Verletzter abtransportiert.

"Habe mich hinter der Bar versteckt"

Auf den Zeichner war damals von einem Ableger von al-Qaida im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar ausgesetzt worden. Der 68-Jährige war schon mehrfach Ziel von Anschlägen und steht unter Polizeischutz. Vilks und der ebenfalls anwesende französische Botschafter in Dänemark, François Zimeray, sind nicht verletzt worden.

Zimeray sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Sie haben uns von außen beschossen. Dahinter steckte dieselbe Absicht wie bei 'Charlie Hebdo' - außer dass es ihnen nicht gelang, hereinzukommen." Kugeln seien durch Türen gedrungen, alle Anwesenden hätten sich auf den Boden geworfen.

Fotostrecke

13  Bilder
Anschläge in Kopenhagen: Bilder vom Tatort
"Ich hörte jemanden schießen mit einer automatischen Waffe und jemand anderen schreien", erzählt ein anderer Organisator des Treffens, Niels Ivar Larsen, dem Sender TV 2. Die Polizei habe zurückgeschossen. "Ich habe mich hinter der Bar versteckt, es war wie im Film."

Deutsche Polizei eingebunden

Der französische Außenminister Laurent Fabius verurteilte den "Terrorangriff" in aller Schärfe. Der Elysée-Palast kündigte an, dass sich der Innenminister Bernard Cazeneuve an den Tatort begeben würde. Beim islamistischen Anschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" starben im Januar zwölf Menschen.

Nach dem Anschlag haben sich nach dänischen Medienberichten Frankreichs Präsident François Hollande und Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt am Telefon ausgetauscht.

Die deutsche Bundespolizei beteiligt sich nach eigenen Angaben an der Fahndung nach dem Täter. Das sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Samstagabend auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die dänischen Sicherheitsbehörden hätten um Unterstützung gebeten. Es geht um verstärkte Kontrollen und Fahndungsmaßnahmen im Grenzraum zwischen Deutschland und Dänemark.

fab/boj/isa/vet/AFP/dpa/Reuters/AP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.