Anschläge in Kopenhagen "Ein unendlich trauriger Morgen"

Der Doppelanschlag in Kopenhagen hat Dänemark schwer getroffen. Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sprach von einer "zynischen Terroraktion", die jüdische Gemeinde ist schockiert.


Kopenhagen - Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt hat sich zu den beiden Attentaten in Kopenhagen geäußert. "Es ist ein unendlich trauriger Morgen, an dem wir alle an die Opfer und ihre Angehörigen denken. Zwei unschuldige Menschen haben ihr Leben in der Folge einer zynischen Terroraktion gegen Dänemark verloren."

Die Ministerpräsidentin zeigte sich "froh und erleichtert darüber, dass die Polizei den vermuteten Täter hinter den zwei Schießereien unschädlich gemacht hat", sagte Thorning-Schmidt. Es gebe aber noch viele Fragen, "die die Polizei noch beantworten muss", sagte sie: "Aber es gibt eine Antwort, die wir heute schon geben können. Und die lautet, dass wir unsere Demokratie verteidigen werden." Niemand solle damit davonkommen, "die offene, freie und demokratische dänische Gesellschaft anzugreifen".

Bei zwei Anschlägen in Kopenhagen auf ein Kulturcafé und eine Synagoge waren am Samstag und Sonntag zwei Menschen ums Leben gekommen, mehrere Polizisten wurden verletzt. Mittlerweile hat die Polizei bekannt gegeben, dass ein Mann für beide Attentate verantwortlich gewesen sein soll. Der mutmaßliche Attentäter wurde demnach bei einem Schusswechsel von der Polizei getötet. (Hier finden Sie weitere Fakten zum Doppel-Anschlag.)

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Mutmaßlicher Doppel-Anschlag: Kopenhagen unter Schock

Ministerpräsidentin Thorning-Schmidt sagte am Sonntag weiter, Dänemark habe einige Stunden erlebt, die das Land nicht vergessen werde. "Wir wissen nicht, was die Motive für die Attacken waren, aber wir wissen, dass es Kräfte gibt, die Dänemark schaden wollen, die unsere Meinungsfreiheit und unseren Glauben an Freiheit zerstören wollen", so die 48-Jährige.

Die jüdische Gemeinde in Kopenhagen steht nach dem Anschlag auf die Synagoge in der Innenstadt unter Schock. Bei dem Attentat war ein junger Mann jüdischen Glaubens getötet worden, der während einer Bat Mizwa vor dem Gotteshaus Wache hielt. "Ich bin schockiert. Alle sind schockiert", sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, dem dänischen Fernsehen. "Das ist das, was wir immer befürchtet haben. Und das, wovor wir die ganze Zeit gewarnt haben, dass es in Dänemark passieren könnte."

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu reagierte drastisch: Er forderte die Juden in Europa zur Auswanderung in den jüdischen Staat auf. "Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren", sagte Netanyahu während einer Kabinettssitzung in Jerusalem. "Diese Terrorwelle wird weitergehen." Er wende sich an die Juden in Europa: "Israel ist eure Heimstätte." Auf die Anschläge in Paris im Januar, bei denen auch vier Juden getötet worden waren, hatte Netanyahu bereits mit einem ähnlichen Aufruf reagiert.

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bka/dpa/



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