Korea-Konflikt: Deutsche lassen sich von Kim nicht einschüchtern

 Von

Nordkoreanische Soldaten bei einem Manöver: Was plant Kim Jong Un? Zur Großansicht
REUTERS

Nordkoreanische Soldaten bei einem Manöver: Was plant Kim Jong Un?

Nur nicht die Nerven verlieren, das ist das Signal Deutschlands und anderer Länder, die ihren Botschaftsbetrieb in Nordkorea aufrechterhalten. Pjöngjang hatte Diplomaten zuvor die Ausreise nahegelegt. Auch die Welthungerhilfe setzt weiter auf Präsenz in dem Land.

Hamburg/Pjöngjang - War es nur ein kleines Puzzleteil in der langen Reihe schriller Drohungen gegen das Ausland? Oder hat die Führung in Nordkorea ernsthaft damit gerechnet, ihre Empfehlung an sämtliche Botschaften zur Räumung der Auslandsvertretungen würde hektische Betriebsamkeit bei den Diplomaten auslösen? Sollte letzteres der Fall gewesen sein, wird es jetzt ein paar enttäuschte Nordkoreaner geben: Kein Land hat bisher ansatzweise Anstalten gemacht, sein Personal aus Pjöngjang abzuziehen.

In einer Erklärung des Auswärtigen Amts hieß es am Sonntag: "Die Arbeitsfähigkeit der Botschaft wird bis auf weiteres aufrecht erhalten." Zudem übte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) deutliche Kritik an der Fristsetzung Pjöngjangs, wonach Nordkorea ausländischen Diplomaten ab Mittwoch keinerlei Unterstützung bei einer Evakuierung aus Pjöngjang leisten könne. Nordkoreas Vorgehen sei "nicht akzeptabel", hieß es in der Erklärung. Es gebe völkerrechtliche Regelungen, "die auch für Nordkorea verbindlich sind".

Rund 30 Deutsche halten sich Schätzungen zufolge derzeit in dem kommunistischen Land auf, das mit einem Atomkrieg gedroht hatteund inzwischen auch den engen Verbündeten China irritiert. Neben den Angehörigen der deutschen Botschaft handelt es sich dabei unter anderem um Mitarbeiter beim World Food Programme der Vereinten Nationen sowie bei der Welthungerhilfe.

Seit 1997 unterhält die Welthungerhilfe als einzige deutsche Hilfsorganisation ein Büro in Nordkorea. Derzeit sind vier Projektleiter vor Ort, drei Deutsche und ein Spanier, sie arbeiten mit 16 Koreanern zusammen. Man werde in den nächsten ein bis zwei Tagen entscheiden, ob derzeit nicht benötigtes Personal abgezogen würde, sagte Programm-Manager Gerhard Uhrmacher SPIEGEL ONLINE. Ein solcher Schritt sei nicht ausgeschlossen. "Wir nehmen die Situation sehr ernst", sagte Uhrmacher, der sich derzeit nicht selbst in Nordkorea aufhält. Es sei "nur schwer zu kalkulieren", was die nordkoreanische Führung um Staatschef Kim Jong Un plane.

Derzeit hat die Welthungerhilfe in Nordkorea ihre Feldbesuche in den Projektgebieten eingestellt, die Mitarbeiter der Organisation halten sich vorerst ausschließlich in der Hauptstadt auf - eine Einschränkung aus Sicherheitsgründen.

Uhrmacher zufolge berichteten ihm seine Kollegen in Nordkorea, dass es derzeit keine auffälligen Veränderungen im Alltagsleben in dem Land gebe. "Wer Arbeit hat, geht ihr auch jetzt weiter nach, die Schulen sind geöffnet", sagte Uhrmacher.

Zuletzt erhielt das abgeschottete Land ein Hilfsangebot aus der Schweiz: Man stehe in dem Konflikt als Gastgeberland für mögliche Verhandlungen zur Verfügung. Die Schweiz sei bereit, die Suche nach Lösungen zu unterstützen, wenn die Konfliktparteien dies wünschten.

Von einer Reaktion aus Pjöngjang ist derzeit nichts bekannt. Dafür verschärfte jetzt auch China seinen Ton gegen den Verbündeten: Es sollte keinem Land erlaubt sein, "eine Region und sogar die ganze Welt aus Eigennutz ins Chaos zu stürzen", sagte Staatspräsident Xi Jinping bei einem internationalen Forum auf der südchinesischen Inselprovinz Hainan. Zwar erwähnte Xi Nordkorea nicht namentlich - aber Peking war bereits zuletzt verärgert über das Auftreten der politischen Führung Pjöngjangs. So hatte China Nordkorea aufgefordert, die Sicherheit seiner Diplomaten zu gewährleisten. Auch Außenminister Wang Yi äußerte sich zuletzt frustriert: Man lehne Provokationen von sämtlichen Konfliktparteien in der Region ab und erlaube keine "Quertreibereien an der Türschwelle zu China".

Mit Material von dpa und Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. verstehe ich nicht
provokateur 07.04.2013
u wäre es ein weltuntergang wenn Deutschland seine Botschaftsmitarbeiter abzieht? verstehe die diplomatischen Kontakte nicht,wenn sie eh nichts bringen.außer evt bisschen rumspionierei,im Auftrag der Amerikaner
2. optional
Großinquisitior 07.04.2013
Warum ist eigentlich alles was irgendwo passiert im Interesse oder Auftrag der Amerikaner? Diese Paranoia gegenüber den USA ist schon lustig manchmal. Zum Glück haben die Regierungen und Geheimdienste der restlichen Nationen unserer Welt stets nur ausscließlich friedliche und humanitäre Anliegen und Interessen.
3. Wie dreist kann man eigentlich sein?!
Werkarpfen 07.04.2013
Sich über die Zustände in Nordkorea aufregen und dann so ne Meinungsmanipulation veranstalten. Unfassbar! Hier wurden lediglich Warnungen ausgesprochen, dass Nordkorea sich nicht in der Lage sieht, im Kriegsfall, ihrer Verpflichtung die Botschaften zu beschützen, nachkommen zu können. Das waren Warnungen, keine Drohungen! Auf einem ähnlichen Level bewegt sich hier das allgemeine Chinabild. Es ist nicht Nordkorea, sondern USA und Südkorea, die China irritieren. China ist schon längst dabei mobilzumachen, um Nordkorea zu beschützen. Und wie lächerlich das Kommentar von Xi Jinping zu benutzen. Der hat Nordkorea nicht namentlich erwähnt, weil der sicherlich nicht Nordkorea gemeint hat.
4. ????
eldiabolo 07.04.2013
Ich versteh immer noch nicht was dass Verwerfliche an dem Hinweis aus Pyöngyang ist. Wenn man darauf hinweist dass die eigenen Kapazitäten nicht ausreichen um die Botschaften zu sichern dann ist dass doch keine Drohung und auch sonst nichts außer ein klares Signal dass man einfach verloren hat. Wo ist da dass schlimme dran? Schlimmer wärs wenn man die Sicherheit garantiert und dann nicht halten kann
5. Stress
greenhorst 07.04.2013
Nordkorea soll mal nicht so tun, als würden sie einen Krieg anfangen wollen und dadurch die Botschaften räumen lassen.Unser Kim hat eh keine Chance gegen die USA und Südkorea.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nordkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 46 Kommentare
  • Zur Startseite

Fotostrecke
Industriepark Kaesong in Nordkorea: Lange geöffnet, jetzt geschlossen

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon