Verhandlungen mit den USA Südkorea will selbst Uran anreichern

Mitten im Konflikt mit dem Nachbarn im Norden setzt Südkorea auf eine offensivere Atompolitik: Seoul will künftig selbst Uran anreichern - für den zivilen Betrieb seiner Kernkraftwerke. Die USA fürchten trotzdem, dass der Plan den Rüstungswettlauf in Fernost noch verschärfen könnte.

Südkoreanisches Atomkraftwerk in Ulsan: Künftig eigene Urananreicherung?
AP

Südkoreanisches Atomkraftwerk in Ulsan: Künftig eigene Urananreicherung?


Washington - Die USA und Südkorea sind enge Verbündete. Dennoch sind Regierungsvertreter in Washington beunruhigt angesichts der Pläne für eine offensivere Atompolitik in Seoul. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" erhebt Südkorea in Verhandlungen mit den USA den Anspruch, künftig selbst Uran anreichern zu dürfen. Außerdem will es Kernbrennstoffe aus seinen insgesamt 22 Atomkraftwerken wiederaufarbeiten dürfen. Letzteres sei nötig, um anfallenden Atommüll besser lagern zu können. Konkret geht es bei den Verhandlungen um den Nuklearkooperationsvertrag zwischen den USA und Südkorea - er läuft im kommenden Jahr aus, bereits im Mai könnte laut dem Bericht eine Neufassung des Vertrags stehen.

Südkoreanische Verhandlungsführer betonen dem Zeitungsbericht zufolge, dass es ihnen bei ihrer Forderung nach Urananreicherung ausschließlich darum gehe, ihre Atomkraftwerke zu betreiben - und nicht darum, Atomwaffen herzustellen. Bislang ist Seoul für den Betrieb seiner Kernreaktoren vollständig vom Ausland abhängig, allein 20 bis 30 Prozent des in Südkorea eingesetzten Urans kommen demnach aus den USA.

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Washingtons Sorge vor einem Dominoeffekt

Vor allem aber befürchten die USA laut dem Zeitungsbericht ein atomares Wettrüsten, sollte Südkorea selbst Uran anreichern. US-Verhandlungsführer erwarten einen Dominoeffekt, sollte man Südkorea bei seinen Forderungen entgegenkommen. So könnten etwa Saudi-Arabien, Jordanien und Vietnam ähnliche Ansprüche stellen, heißt es in dem Bericht. Außerdem würde Iran darin bestärkt, an seinem Atomprogramm festzuhalten.

Washingtons konkrete Sorge: Südkorea könnte letztlich die Fähigkeit zum Bau einer Atombombe erlangen, sollte es künftig selbst Uran anreichern. Zwar betonte laut dem "Wall Street Journal" ein hochrangiger südkoreanischer Regierungsvertreter, dass Seoul "nicht die geringste Absicht" verfolge, nukleare Fähigkeiten entwickeln zu wollen, die mit Waffen zu tun haben - aber die USA sind skeptisch. "Südkorea hat keinen wirtschaftlichen oder praktischen Grund, zu diesem Zeitpunkt mit solchen Aktivitäten zu beginnen", sagte Tom Moore, langjähriger Berater des US-Senats in Rüstungsfragen, dem Bericht zufolge. Moore arbeitet heute als Analyst beim Center for Strategic and International Studies, einem Think-Tank in Washington.

"Da schwingt eine Menge Nationalstolz mit"

Wie sehr Südkorea auf eine neue Atompolitik setzt, bekam Bob Corker dem Bericht zufolge in der vergangenen Woche bei einem Besuch in Seoul zu spüren. Der republikanische US-Senator hatte sich in der südkoreanischen Hauptstadt mit Regierungsvertretern getroffen, unter anderem mit Präsidentin Park Geun Hye. "Die dringen stark auf die Fähigkeit zur Wiederaufbereitung", sagte Corker und fügte hinzu: "Da schwingt eine Menge Nationalstolz mit." Park und andere Regierungspolitiker hätten betont, keine Atomwaffen herstellen zu wollen, sagte Park. Er sei aber überrascht gewesen, wie viele andere Politiker dafür plädiert hätten, Südkoreas Nein zur Atombombe neu zu überdenken.

Umfragen in Südkorea deuten zudem auf einen Wandel in der Bevölkerung: Laut "Wall Street Journal" kamen gleich zwei Erhebungen zu dem Ergebnis, dass sich mehr als 60 Prozent der Bürger für eine Stationierung von Atomwaffen aussprachen. Allerdings fiel die Zahl der Befürworter geringer aus, wenn die Befragten mit den möglichen Folgen eines solchen Schrittes konfrontiert wurden - etwa mit einer Schwächung des Bündnisses mit Washington.

hen/Reuters

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tschautsen 03.04.2013
1. Zivile Zecke
Zitat von sysopAPMitten im Konflikt mit dem Nachbarn im Norden setzt Südkorea auf eine offensivere Atompolitik: Seoul will künftig selbst Uran anreichern - für den zivilen Betrieb seiner Kernkraftwerke. Die USA fürchten trotzdem, dass der Plan den Rüstungswettlauf in Fernost noch verschärfen könnte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/korea-konflikt-seoul-will-selbst-uran-anreichern-a-892243.html
sollen sie machen. Wie der Iran?
schwerpunkt 03.04.2013
2.
Äußerst ungünstiger Zeitpunkt für diese Ankündigung der südkoreanischen Regierung für diese Absicht, auch wenn sie zunächst nichts mit dem Bau von Atomwaffen zu tun hat, da es hier um eine Anreicherung von 0,7% auf 4% U235 geht um in kommerziellen KKWs genutzt zu werden. Eine Anreicherung auf atomwaffenfähiges Uran (ca. 85%) ist technologisch noch mal in einer ganz anderen Liga, auch wenn die grundsätzlichen Technologien dahinter vergleichbar sind.
realpress 03.04.2013
3. Und noch mehr
Öl ins Feuer, bis der Laden lichterloh brennt, richtig Klasse !
Rosa3000 03.04.2013
4. Die Sorge ist berechtigt.
Natürlich würde es einen Dominoeffekt geben. Sowohl in Ostasien, als auch in den anderen Krisengebieten der Welt. Amerika ist nicht ganz unschuldig, da sie den Atomwaffensperrvertrag ja selbst nicht einhalten (Verpflichtung zur Abrüstung, Nicht-Weiterverbreitung zB nach Isreal). War Euroland eigentlch Krisengebiet? Wann fangen Spanien, Italien oder Deutschland damit an?
battisol 03.04.2013
5. optional
Noch mehr provozieren als die USA mit den ganzen Jets und Bombern kann SK doch garnicht.
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