Korea-Krise Südkorea warnt Nordkorea vor neuen Provokationen

"Nordkorea wird für jede weitere Provokation den Preis zahlen": Mit scharfen Worten hat Südkoreas Präsident das kommunistische Nachbarland sechs Tage nach dem Granatenbeschuss vor weiteren Angriffen gewarnt. Er sei wütend über die Brutalität Pjöngjangs, sagte Lee.


Seoul - Nach Nordkoreas Artillerieangriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong hat Südkoreas Staatschef Lee Myung Bak dem kommunistischen Nachbarland mit Vergeltung gedroht. "Ich kann es nicht verhindern, meine Wut über die Brutalität des Regimes des Nordens auszudrücken", sagte Lee am Montag in einer Fernsehansprache. Er werde sicherstellen, "dass der Norden den Preis für jede seiner Provokationen bezahlen wird". Der Granatenangriff auf Yeonpyeong sei eine Provokation Pjöngjangs, die die vorherigen übersteige. "Einen militärischen Angriff gegen Zivilisten zu verüben, ist ein unmenschliches Verbrechen, das selbst in Zeiten des Krieges verboten ist", sagte Lee.

Die Südkoreaner wüssten nun, "dass jede Toleranz und jede zusätzliche Geduld gegenüber Pjöngjang nur zu noch stärkeren Provokationen führt", sagte Lee. Zugleich äußerte er die Einschätzung, dass Nordkorea wohl kaum sein Atomprogramm aufgeben werde. Zu dem Vorschlag Chinas, Anfang Dezember eine Dringlichkeitssitzung der sechs Staaten abzuhalten, die normalerweise an den Verhandlungen zum nordkoreanischen Atomprogramm teilnehmen, äußerte sich der südkoreanische Präsident in seiner Ansprache nicht.

Konsequenzen zieht Seoul für die beschossene Insel Yeonpyeong. Sie wurde nach offiziellen Angaben jetzt auf Anforderung der Streitkräfte zum Sperrgebiet erklärt. Das Verteidigungsministerium erklärte, es werde über eine Evakuierung der noch verbliebenen rund 300 Einwohner, Journalisten und Behördenvertreter nachgedacht. Yeonpyeong liegt nur etwa elf Kilometer von Nordkorea entfernt. Bei dem Beschuss der Insel im Gelben Meer waren am Dienstag vergangener Woche zwei Soldaten und zwei Zivilisten getötet worden.

US-Streitkräfte setzten derweil ungeachtet der kriegerischen Drohgebärden Nordkoreas ihr gemeinsames Großmanöver mit südkoreanischen Einheiten im Gelben Meer fort.

Bei dem amerikanisch-südkoreanischen Manöver sollte es am Montag unter anderem um die Abwehr von Fernlenkwaffen und feindlichen U-Booten gehen. Die viertägigen Marine- und Luftwaffenübungen hatten am Sonntag unter Beteiligung von über 7000 Soldaten und mehr als zehn Kriegsschiffen, darunter der US- Flugzeugträger "George Washington", begonnen. Das Manöver gilt als Demonstration militärischer Stärke der Verbündeten gegenüber Pjöngjang.

Pjöngjang drohte mit "gnadenlosen Gegenschlägen", sollten die nordkoreanischen Seegrenzen verletzt werden. Das Manöver sei ein Vorwand, um "einen Krieg um jeden Preis zu entfachen", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA aus Kreisen des nordkoreanischen Friedenskomitees. Wenige Stunden nach Beginn der Übung wurde Artilleriefeuer aus Nordkorea vernommen. Es war bereits das zweite innerhalb von drei Tagen.

anr/dapd/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.