Kritik am Korrespondentendinner im Weißen Haus War das noch witzig?

Derbe Witze, viel Gefluche: Das Korrespondentendinner des Weißen Hauses ist in der amerikanischen Hauptstadt eine lieb gewonnene Institution. Nun aber gibt es Kritik.

REUTERS

US-Präsident Donald Trump hat auch in diesem Jahr nicht am Dinner der Korrespondenten des Weißen Hauses teilgenommen. Dafür aber seine Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders. Die wurde von der Komikerin Michelle Wolf auf dem jährlichen Event gegrillt.

"Ich mag Sarah", sagte Wolf über Trumps Pressesprecherin, "ich finde sie ist sehr erfinderisch. Sie verbrennt Fakten und macht ein perfektes Smokey Eye daraus. Vielleicht wurde sie so geboren, vielleicht sind es Lügen. Wahrscheinlich sind es Lügen."

Sarah Huckabee Sanders auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus
AFP

Sarah Huckabee Sanders auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus

Sie verglich Sanders auch mit Tante Lydia aus der Serie "Der Report der Magd" - sie ist die brutale Aufseherin der Mägde. Unter anderem Maggie Haberman, die Washington-Korrespondentin der "New York Times", war offenbar nicht begeistert. Sie twitterte, es sei beeindruckend, dass Sanders während der heftigen Kritik an ihrem Äußeren sitzen geblieben und nicht aufgestanden und gegangen sei.

Auf Twitter folgte eine Auseinandersetzung zwischen Journalisten und Komikern, zwischen Politikern und Kommentatoren, die die "Washington Post" zusammenfasste. Wolf wehrte sich gegen die Vorwürfe von Haberman und antwortete, ebenfalls auf Twitter: "Hey Mags! All die Witze waren über ihr widerwärtiges Verhalten. Klingt, als hätten Sie aber ein paar Gedanken über ihr Aussehen?"

Wolf hatte auch Verteidiger, allen voran die prominente TV-Kritikerin Emily Nussbaum. Sie schrieb: "Je mehr ich darüber nachdenke, desto beeindruckter bin ich davon, dass Michelle Wolf einen solch harschen Auftritt hinlegte, OHNE das Aussehen irgendeiner Frau zu beleidigen. Sie zielte direkt auf weiße, weibliche Machtfiguren und deutete nicht einmal an, dass eine ein Dummchen oder hässlich sei - der Mann für den sie arbeiten hätte das sicher getan."

Schnell gipfelte die Diskussion in der Frage, was Satire dürfe. Wie die "New York Times" berichtete, gab die Präsidentin der Vereinigung der Korrespondenten des Weißen Hauses, Margaret Talev, eine Erklärung heraus, in der sie sich unzufrieden mit dem Auftritt der Entertainerin zeigte. "Das Programm des vergangenen Abends sollte unseren gemeinsamen Einsatz für eine kraftvolle und freie Presse zeigen", schrieb Talev. Leider sei der Auftritt der Komikerin nicht in diesem Sinne gewesen.

Auf CNN sagte Talev, sie bedaure, dass der Abend von Wolfs Monolog zu einem gewissen Teil überschattet worden sei. "Wenn der Entertainer ein Komiker ist - wie das in den vergangenen plus minus 30 Jahren meist der Fall war -, dann sind sie oft umstritten", sagte sie. Es sei ein Abend über das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Kontroversen sind dem Korrespondentendinner nicht fremd - 2006 hatte es scharfe Kritik an dem Auftritt des Komikers Stephen Colbert gegeben, der den damaligen Präsidenten George W. Bush hart attackierte, der damals an dem Dinner teilnahm.

höh

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.