Trump-Witze beim Korrespondentendinner "Sie können mir nicht den Mund verbieten. Es sei denn..."

Der US-Präsident blieb lieber fern: Beim Korrespondentendinner in Washington dürften die Späße über Donald Trump derber gewesen sein als im Jahr davor. Anlässe dafür hat er selbst geliefert.

REUTERS

Einen besseren Zeitpunkt für das jährliche Dinner der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten hätte es aus Sicht der Veranstalter kaum geben können. Denn im Zentrum der Abendgala steht auch immer der Auftritt eines Komikers, der den amtierenden Präsidenten aufs Korn nimmt - und in diesem Jahr gab es für Michelle Wolf besonders gute Vorlagen für ihre Witze. Allen voran die angebliche Sexaffäre Donald Trumps mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels.

"Es ist 2018, und ich bin eine Frau, also können Sie mir nicht den Mund verbieten", sagte Wolf bei der Gala. Um dann hinzuzufügen: "Es sei denn, Michael Cohen überweist mir 130.000 Dollar."

Damit spießte die 32-Jährige den Fall Stephanie Clifford alias Stormy Daniels auf. Clifford behauptet, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben. Der Präsident dementiert das. Sein Anwalt Cohen sagt, er habe kurz vor der Präsidentenwahl 2016 Clifford aus eigener Tasche 130.000 Dollar gezahlt. Das Geld soll dazu gedient haben, sie von diesen Äußerungen abzubringen.

Fotostrecke

7  Bilder
Correspondents Dinner: Späße auf Kosten Trumps

Traditionell halten Präsidenten beim Korrespondentendinner humorvolle Reden, in denen sie sich selbst nicht so ernst nehmen. Allerdings mussten sich Trumps Vorgänger selten so pikanten Vorwürfen stellen wie Trump mit seiner angeblichen Affäre - und entsprechend keine derartigen Witze fürchten. Zudem scheint Selbstironie keine Stärke Trumps zu sein. Er hatte bereits im vergangenen Jahr nicht an der Gala teilgenommen.

Sein Fernbleiben verdeutlicht erneut sein schwieriges Verhältnis zu Journalisten, insbesondere zur Hauptstadtpresse. Der US-Präsident betrachtet einen Großteil der US-Medien als Feinde. In einer E-Mail an potenzielle Spender schrieb er kürzlich: "Warum sollte ich mit einem Haufen von Fake-News-Liberalen, die mich hassen, in einem Raum eingesperrt sein?"

Trump besucht Kundgebung nahe Detroit

Trump im anderen Washington bei Detroit
AP

Trump im anderen Washington bei Detroit

Der Präsident besuchte am Samstag stattdessen eine wahlkampfartige Kundgebung nahe der Autostadt Detroit - und zog aus sicherer Distanz über die Veranstaltung her. "Ist das hier besser als das falsche Korrespondentendinner im Weißen Haus in Washington?", fragte Trump rhetorisch. "Ich könnte heute Abend dort sein und lächeln, als ob ich es liebe, während sie einen Schuss nach dem anderen auf mich abgeben", sagte Trump vor seinen jubelnden Anhängern. "Wenn man nicht lächelt, sagen sie: 'Er war furchtbar. Er kann nicht einstecken.' Wenn man lächelt, fragen sie: 'Worüber hat er gelächelt?'"

Als Ort der Kundgebung hatte Trump sich auch für ein Washington entschieden - aber nicht für die US-Hauptstadt. Washington Township liegt nördlich von Detroit im Bundesstaat Michigan. Die Region ist ein Sinnbild für wirtschaftlichen Niedergang und hohe Arbeitslosigkeit.

Die Arbeiter von Michigan seien verraten worden, sagte Trump in seiner Rede. Seine Wirtschaftspolitik trage aber bereits Früchte: "Die Autos kommen zurück nach Michigan. Die Fabriken kommen zurück."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Michelle Wolf sei 30 Jahre alt. Tatsächlich wurde Wolf 1985 geboren, sie ist somit derzeit 32 Jahre alt.

yes/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.