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Korruption: Afghanen verschieben Hilfsmilliarden ins Ausland

Korruption und Geldwäsche in Afghanistan haben wesentlich größere Ausmaße als bisher angenommen. US-Zeitungsberichten zufolge fließen täglich zehn Millionen Dollar ins Ausland - häufig in Kisten per Flugzeug. Ein Teil des Geldes stammt möglicherweise aus westlichen Hilfsprojekten.

Flughafen Kabul: Laut US-Ermittlern werden Kisten voller Bargeld ausgeflogen Zur Großansicht
AP

Flughafen Kabul: Laut US-Ermittlern werden Kisten voller Bargeld ausgeflogen

Kabul/Washington - Afghanistan gilt schon lange als eines der korruptesten Länder der Welt. Doch die Zahlen, die US-Zeitungen an diesem Montag präsentieren, sind überraschend. Dem "Wall Street Journal" zufolge wurden in den vergangenen Jahren mehr als drei Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) außer Landes gebracht.

Ein US-Ermittler sagte der Zeitung, ein Teil des Geldes stamme vermutlich aus Hilfs- und Wiederaufbauprojekten, die der Westen finanziert. "Es ist nicht so, dass das Geld hier auf den Bäumen wächst - bei einem Großteil handelt es sich wohl um unsere gestohlenen Steuer-Dollar. Und um Drogengeld natürlich", sagte er. Jedes Jahr wird aus Kabul mehr Geld ausgeflogen, als die afghanische Regierung an Steuern und Zollabgaben einnimmt; nach einer bisher oft zitierten Schätzung verlassen täglich zehn Millionen Dollar das Land. Unter den Verdächtigen sind laut "Wall Street Journal" viele prominente Afghanen, unter anderem Mahmud Karzai, ein Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, und Vizepräsident Mohammed Fahim.

Das Geld wird den Erkenntnissen zufolge in bar aus dem Land gebracht - in Kisten, sagte ein ranghoher US-Beamter der Zeitung. "Sie haben Kisten im hinteren Stauraum von Flugzeugen. Sie haben Kerle, die im wahrsten Sinne des Wortes Kisten mit Bargeld an Bord der Flugzeuge bringen", sagte der Regierungsvertreter. Der afghanische Zoll schaut zu, denn die Ausfuhr ist legal, solange der Transfer ordentlich deklariert wird. Zielort ist häufig Dubai, wo wohlsituierte Afghanen Villen besitzen.

Der Transfer wird den Ermittlern zufolge von sogenannten Hawala-Unternehmen organisiert. Hawala kommt aus dem Arabischen und bezeichnet ein Überweisungsystem, das seinen Ursprung im frühmittelalterlichen Handelswesen des Nahen und Mittleren Ostens hatte. Meistens werden lediglich das afghanische Hawala-Unternehmen, das das Geld angenommen hat, und der ausländische Empfänger in den Papieren aufgeführt. Die Schwierigkeit für die Ermittler: Sie können häufig nicht einmal feststellen, wer der Absender des abtransportierten Geldes ist. Über die Hawalas werden laut "Wall Street Journal" 80 bis 90 Prozent der Geldtransfers ins Ausland abgewickelt.

"Washington Post": Beamte behindern Korruptionsermittler

Die ungezügelte Korruption und die mutmaßliche Verwicklung hoher Beamter in den Opiumhandel tragen dazu bei, dass die afghanische Bevölkerung ihr Vertrauen in die Regierung weiter verliert - was den radikalislamischen Taliban Zulauf verschafft. Verschärfend wirkt da noch, was die "Washington Post" an diesem Montag berichtet. Demnach sind nicht nur einflussreiche Leute in die kriminellen Machenschaften verwickelt, sondern sie haben auch noch hohe afghanische Regierungsbeamte auf ihrer Seite, die Korruptionsermittlungen verhindern.

Unter Berufung auf US-Regierungsvertreter schreibt die Zeitung, afghanische Strafverfolger und Ermittler ordneten routinemäßig an, namhafte Afghanen gegen Korruptionsermittlungen zu schützen - indem sie ihre Namen aus Untersuchungsakten streichen.

"Ab einer bestimmten Ebene sind die Menschen sehr gut geschützt", wird ein hochrangiger US-Beamter in der Zeitung zitiert. Unter Angehörigen der Eliten sei es üblich, sich gegenseitig zu decken und Ermittlungen zu unterbinden, wie im Falle eines ungenannten größeren Finanzunternehmens, das im Verdacht steht, für afghanische Funktionsträger Millionen Dollar nach Übersee geschafft zu haben.

CIA räumt Probleme beim Afghanistan-Einsatz ein

Für die US-Regierung ist es von entscheidender Bedeutung, die Korruption in Afghanistan in den Griff zu bekommen. Wenn die US-Bürger Karzais Regierung als hoffnungslos bestechlich einschätzen, könnte die Unterstützung für den Krieg schnell kippen.

Korruption und Drogenhandel erschweren den internationalen Einsatz in dem Land deutlich. Leon Panetta, Chef des US-Geheimdienstes CIA, gab Probleme zu. Man sehe zwar Fortschritte, sagte er am Sonntag dem US-Fernsehsender ABC. Die Entwicklung gehe aber "schwieriger und langsamer voran, als alle vorausgesehen haben". Als Ursache nannte Panetta das afghanische Stammesprinzip. Korruption, Drogenhandel und der Taliban-Aufstand seien in dieser Gesellschaftsform begründet. Die entscheidende Frage laute, ob die Afghanen Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen wollten.

Die Taliban seien derzeit besonders gewalttätig und begingen mehr Bombenanschläge gegen die internationalen Truppen, sagte Panetta. Der diesjährige Juni war der tödlichste Monat für sie in Afghanistan seit dem US-geführten Einmarsch Ende 2001. Fast hundert Soldaten wurden getötet.

Panetta hob allerdings auch Erfolge hervor. Das Terrornetzwerk al-Qaida, dessen Bekämpfung ein zentrales Ziel des US-Einsatzes in Afghanistan sei, sei derzeit so schwach wie wohl nie zuvor. In Afghanistan gebe es nur noch 50 bis 100 Qaida-Mitglieder, vielleicht auch weniger.

ler/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
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1. Und?
PeaceNow 28.06.2010
Nichts neues, mit Hilfeleistung des CIA werden so Milliarden jährlich an Schwarzgeld zur Finanzierung von Aktionen und Operationen am Kongress vorbei gesammelt und ganz dick im Geschäft sind die US Banken welche die Geldwäsche dafür übernehmen. In diesem AUsmas ist es nicht machbar ohne beteiligung oder zumindest Duldung durch die Besatzungstruppen, welche zu 100% den Flugverkehr- und Luftraum kontrollieren.
2. Wie wäre es bei uns unter gleichen Verhältnissen?
sukowsky, 28.06.2010
Wundert mich gar nicht. Wie wäre es bei uns unter gleichen Verhältnissen? Auch bei uns verschwinden zig Milliarden, da die Reichen sich der Steuerhinterziehung schuldigmachen.
3. titel
doctorwho 28.06.2010
Zitat von PeaceNowNichts neues, mit Hilfeleistung des CIA werden so Milliarden jährlich an Schwarzgeld zur Finanzierung von Aktionen und Operationen am Kongress vorbei gesammelt und ganz dick im Geschäft sind die US Banken welche die Geldwäsche dafür übernehmen. In diesem AUsmas ist es nicht machbar ohne beteiligung oder zumindest Duldung durch die Besatzungstruppen, welche zu 100% den Flugverkehr- und Luftraum kontrollieren.
das nennt man kickback . pure and simple .
4. ...
peterregen 28.06.2010
Zitat von sysopKorruption und Geldwäsche in Afghanistan haben wesentlich größere Ausmaße als bisher angenommen. US-Zeitungsberichten zufolge fließen täglich zehn Millionen Dollar ins Ausland - häufig in Kisten per Flugzeug. Ein Teil des Geldes stammt möglicherweise aus westlichen Hilfsprojekten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,703233,00.html
*gähn* Und wo ist jetzt da die Neuigkeit? Achso, das "wie", nicht das "das"...
5. Da gibt es nur eins...
Orix 28.06.2010
Zitat von sysopKorruption und Geldwäsche in Afghanistan haben wesentlich größere Ausmaße als bisher angenommen. US-Zeitungsberichten zufolge fließen täglich zehn Millionen Dollar ins Ausland - häufig in Kisten per Flugzeug. Ein Teil des Geldes stammt möglicherweise aus westlichen Hilfsprojekten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,703233,00.html
Da hilft nur in D weiter zu sparen und den Sozialabbau weiter zu treiben denn irgendwie müssen diese Verluste ja ausgeglichen werden. Oder ?
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.



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